© Heidi Strobl

Wirtschaft
05/15/2019

Vom Küken bis zum Filet: Köstinger will EU-Herstellungsnachweis

"Schummelimporte" von Fleisch sollen so verhindert werden, sagt Landwirtschaftsministerin Köstinger.

Mit einem simplen Trick – der KURIER berichtete – umgeht ein ukrainischer Großkonzern die Bestimmungen der EU: Weil ein Knochen an den Hühnerbrüsten dranbleibt, gilt das Fleisch als „minderwertig“. Somit kann es – anders als Filets – unbegrenzt in die EU importiert werden. Bei europäischen Partnerbetrieben wird der Knochen entfernt und dann als „europäisches“ Filet verkauft. Zum Schaden von Agrarbetrieben in der EU, die mit ihren höheren Qualitätsstandards nur wesentlich teurer produzieren können.

„Diesem Betrug muss ein Ende gesetzt werden“, fordert Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger im Gespräch mit dem KURIER. Möglich sei dies mit einem System, das die europäische Herkunft des Frischfleisches lückenlos kennzeichnet. Vom Kücken bis zum verpackten Filet sollen die Konsumenten lückenlos nachvollziehen können, dass ihr Fleisch in der EU produziert wurde.

Nur bei Rindfleisch

Für Rindfleisch ist dies bereits der Fall. Nicht so hingegen bei Schweine- oder Hühnerfleisch. Beim Agrar-Ministerrat in Brüssel brachte Köstinger am Dienstag diese Forderung gegenüber ihren Ressortkollegen vor.

Erhöhten bürokratischen Aufwand für die Bauern befürchtet Köstinger nicht: „Der gesamte Prozess wird ohnehin bereits digital erfasst. Sobald ein Ferkel geboren ist, muss der Bauer alles lückenlos aufzeichnen.“

Zusätzlich fordert Köstinger aber auch einen „Systemwechsel“ bei der Auszahlung von EU-Agrarförderungen an Betriebe in Drittstaaten – wie etwa an jenen Geflügelgroßkonzern in der Ukraine: „Es dürfen nur Betriebe gefördert werden, die zu unseren hohen europäischen Standards produzieren. Die Investition muss europäischen Tierwohl- , Umwelt- und Sozialstandards entsprechen.“ Das aber, so Köstinger, habe sie auch schon gefordert, als sie Abgeordnete im EU-Parlament war.

Veränderungen stehen der europäischen Agrarpolitik aber auch innerhalb der EU bevor. „Wir werden unseren bäuerlichen Betriebe nicht im Stich lassen“, versichert Köstinger angesichts kommender Kürzungen. Im nächsten, siebenjährigen EU-Budget werden die Agrarausgaben erheblich reduziert. Die Verhandlungen darüber werden im Herbst so richtig Fahrt aufnahmen.

„Aber Kürzungen in unserer ländlichen Entwicklung sind für uns absolut inakzeptabel“, sagt die Ministerin. Ein Drittel der EU-Agrargelder in Österreich fließen in Flächenprämien, zwei Drittel hingegen in die so genannte „ländliche Entwicklung (vom Umweltschutz, Biodiversität, Erhalt der Böden, Bergbauern bis Erhaltung der Landschaft). Und besonders im letzteren Bereich will die Kommission sparen.

Die Forderung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, die EU solle 1000 Verordnungen streichen, findet Köstinger „legitim. Es ist sehr wohl an der Zeit, das gesamte Recht der EU einem Check zu unterziehen“. Besonders im Bereich der gemeinsamen Agrarpolitik gebe es „extrem viel Bürokratie“, bekrittelt die Landwirtschaftsministerin.

„In der Umsetzung der Aufgabenkataloge muss alles praktischer werden. Wir brauchen mehr Spielraum und mehr Flexibilität. Nehmen wir nur ein Beispiel: Die Schnittzeiten von Gras.“ Eine Vorgabe aus Brüssel sei dafür nicht nötig.