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Wirtschaft
07/26/2019

Verschmutzter Sprit im Urlaub – was ist dran? Ein Faktencheck

Motorschaden wegen Schmutz oder Wasser im Sprit ist laut Experten möglich. Die Frage ist nur, woher die Verunreinigung kommt.

von Thomas Pressberger

Der Albtraum jedes Reisenden: Sie sind mit Ihrer Familie mit dem Auto in Italien auf Urlaub. Am letzten Tag müssen Sie bei der Heimfahrt noch einmal tanken, weil der Sprit nicht bis nach Österreich reicht, irgendwo zwischen Venedig und Triest. Sie fahren weiter, nach 30 Kilometern fängt der Motor an zu stottern, stirbt ab und nichts geht mehr.

Nach einer Dreiviertelstunde kommt der italienische Automobilclub ACI, checkt Ihren Wagen durch und sieht, dass da was verstopft ist, irgendwo bei der Einspritzpumpe oder irgendein Kraftstofffilter. Die Reinigung in der Werkstatt dauert, Sie nehmen ein Zimmer und müssen einen Tag dranhängen.

Beträchtlicher Schaden

Am nächsten Tag ist alles wieder in Ordnung, Sie können weiterfahren. 30 Kilometer. Dann stehen Sie wieder. Diesmal braucht der ACI mehr als zwei Stunden, es ist mehr los auf den Straßen, und diesmal ist auch Diagnose auch eine andere: Die Einspritzpumpe ist im Eimer.

Für den Mechaniker, der diese ein paar Stunden später wechseln wird, ist der Fall klar, auf einigen Internetforen ist Ähnliches zu lesen: Schuld daran ist verschmutzter Sprit. Entweder ist Dreck reingekommen, Partikel von rostigen Tankstellentanks oder Ähnliches, oder der Sprit wurde mit Wasser gestreckt, was immer häufiger vorkommen soll. Der Schaden ist beträchtlich, die Reparatur kostet 2000 Euro, Sie müssen eine zweite Nacht im Hotel bleiben, weil der Wagen nicht rechtzeitig fertig wird.

Keine Beweise

War es wirklich der Sprit? „Wir haben schon oft Proben gezogen, aber der Beweis ist noch nie geglückt“, sagt Steffan Kerbl, Leiter der Testabteilung beim ÖAMTC. Man habe vor allem nach Wasser gesucht aber keinen Treffer gelandet.

Er habe immer nur von Einzelfällen gehört. Wäre der Sprit wirklich verschmutzt, hätte es mehrere Betroffene geben müssen, wie vor Längerem bei einer Tankstelle in Kroatien. Da gab es Beschwerden von hunderten Autofahrern. „Da war in Leck im Tank der Tankstelle und es ist Grundwasser hinein gekommen“, erzählt Kerbl. Abgesehen davon sei auch Treibstoff ins Erdreich gesickert, es habe eine Riesenaufregung gegeben.

Viel wahrscheinlicher sei es, dass sich im Sommer bei großer Hitze beim Tanken Kondenswasser bilde und in den Tank gelange – kleine Mengen würden da oft reichen. Oder sich der Sprit wegen der großen Hitze und Vibration entmische und sich Wasser abgesondere. Bei diesen Phänomenen würden oft mehrere Ursachen zusammenspielen.

Diesel besonders gefährdet

Gefährlich wird das vor allem für Dieseleinspritzpumpen, die die Schmiere des Dieselöls brauchen. Rinnt da nur wenige Sekunden Wasser durch, kann es bei diesen Hochleistungspumpen sofort zu einem Verreiber kommen. Benziner sind weniger anfällig, weil anders konstruiert, so Kerbl.

Für den Betroffenen sei es fast unmöglich zu beweisen, dass der Schaden vom Sprit kommt. Die Autos verfügen über Kraftstofffilter und Wasserabscheider, in der Regel dürfte die Verschmutzung gar nicht bis zur Einspritzpumpe kommen. Es sei denn, der Filter wurde lange nicht gewechselt und ist verschmutzt oder der Wasserabscheider ist voll. „Und wer nicht nachweisen kann, dass er das Auto immer gut serviciert hat, hat vor Gericht sowieso null Chancen“, so Kerbl weiter.

Bessere Möglichkeiten

Grundsätzlich gebe es verschiedene Kraftstoffqualitäten, doch würden alle einer ausreichenden Mindestnorm entsprechen, das sei gesetzlich vorgeschrieben. „Wenn sie normalen Sprit tanken, dann ist er nur so gut wie nötig“, sagt Kerbl. Premiumtreibstoff könne tatsächlich mehr, auch wenn das manche nur für einen Marketinggag halten.

In Europa tauche dieses Problem nur vereinzelt auf, er habe auch von Autofahrerklubs in anderen Ländern nichts anderes gehört. Lediglich in Osteuropa gebe es mehr Auffälligkeiten, da seien die Auflagen nicht so hoch und die Kontrollen nicht so streng. Und nicht zuletzt: „Beim Treibstoffstrecken ist nicht viel zu gewinnen. Da sind die Margen so niedrig, da gäbe es bessere Möglichkeiten zu betrügen.“

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