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Wirtschaft
10/21/2019

"Vernichtungskrieg": Automarkt lässt Weltkonjunktur abstürzen

Erstmals löst die Branche einen globalen Abschwung aus. Schuld sei Trumps Handelskrieg gegen China, sagt Ferdinand Dudenhöffer.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Bei früheren Wirtschaftskrisen war die Autobranche stets eine der ersten, die einen Blechschaden erlitt. Nach der Finanzkrise und Lehman-Pleite 2007/'08 gingen die Autoverkäufe und Produktionszahlen massiv zurück. Spar- und Umbauprogramme trafen die Zulieferer hart, Abwrackprämien und Kurzarbeit waren die Folge.

Die Griechenland-Krise und Euro-Turbulenzen mit Höhepunkt 2012 wurden speziell für den europäischen Automarkt zur Belastung.

Jetzt sei es allerdings anders, sagt Automarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen: "Dieses Mal löst der Einbruch des Weltautomarktes einen Konjunkturabschwung aus."

Ursache seien die Zoll- und Wirtschaftskriege, die US-Präsident Donald Trump verursacht hat. Dieser scheine an einem "ökonomischen Vernichtungskrieg" zu arbeiten, der Chinas Entwicklung zum Welttechnologieführer verhindern solle, so Dudenhöffer.

Folgen für China

In den letzten 15 Monaten seien die Neuwagenverkäufe im größten Absatzmarkt China erheblich eingebrochen. Nach neun Monaten 2019 beträgt der Rückgang bei den Pkw-Verkäufen 12 Prozent.

Und das, obwohl schon 2018 die Zahl der Autoverkäufe von davor 24,2 auf 23,3 Millionen Pkw gesunken war. Heuer werden nur noch 20,5 Millionen erwartet, nächstes Jahr soll es einen weiteren, geringeren Rückgang der Verkäufe geben - nach 20 Jahren kontinuierlichen Wachstums des chinesischen Automarktes. Dabei sei dieser "bei Weitem nicht gesättigt", so Dudenhöffer.

Die Absatzschwäche in China überträgt sich Stück für Stück auf die Verkäufe deutscher Autobauer, auf die Zulieferfirmen und natürlich auch die Anlagenbauer. Das trifft auch Österreichs Firmen, die im Windschatten der deutschen Autoindustrie segeln.

Große Jobabbau-Welle

Die bisher angekündigten Jobabbau-Programme in Deutschland seien dabei "nur der Beginn einer großen Welle", befürchtet Dudenhöffer. In den vergangenen Monaten hatte die Autoindustrie angekündigte, knapp 50.000 Stellen zu kappen.

Dabei werde es nicht bleiben, prophezeit der Experte: "In Summe gehen wir davon aus, dass in der deutschen Autoindustrie bis zum Jahr 2030 bis zu 125.000 Arbeitsplätze wegfallen."

USA bedrohlich, nicht China

Was soll die Politik unternehmen? Dudenhöffer hält wenig davon, die Verschrottungsprämie des Jahres 2009 wieder aufleben zu lassen. "Das wird keinen Erfolg bringen, der Markt Deutschland ist zu klein, um der Autoindustrie konjunkturellen Schub zu verleihen." Der Umstieg auf Elektromobilität "im Schneckentempo" sei ebenfalls wenig hilfreich.

Langfristig wirksamer wäre es hingegen, statt der Konfrontation eine engere technologische Zusammenarbeit mit China zu suchen. "Nicht China gefährdet unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze, sondern das Amerika des Präsidenten Donald Trump", warnt Dudenhöffer.

So wäre es für die Wirtschaft eine Chance, die geplanten Batteriewerke in Deutschland mit chinesischen Herstellern gemeinsam zu bauen und die Technologie weiterzuentwickeln. "Es macht keinen Sinn in Münster oder Aachen das Rad neu zu erfinden und das nachzubauen, was große internationale Konzerne beherrschen."

Die Batterie der Zukunft hänge nämlich von der Forschung am Batteriematerial ab, und nicht von der Massen-Zellproduktion. Die Chancen, dass sich staatlich geförderte deutsche Mittelständler zu "Zellfabrikations-Champions" entwickeln, hält der deutsche Autopapst für "verschwindend gering".