Cushing: Drehkreuz der US-Wirtschaft im Nirgendwo von Oklahoma.

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Wirtschaft
05/12/2020

USA: Was ein Öltank-Foto über die Krise der Wirtschaft erzählt

Die Weltwirtschaft in einem Bild: Die Deckel auf den Öl-Tanks in Oklahoma werfen keine Schatten mehr.

von Lukas Kapeller

Die Lager für Rohöl platzen auf der ganzen Welt aus den Nähten. Besonders eindrucksvoll ist das derzeit in der Kleinstadt Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma zu beobachten. Dort befindet sich das wichtigste Drehkreuz für Erdöl in den Vereinigten Staaten.

Die Kapazität in Cushing liegt bei 76 Millionen Barrel (rund 12 Milliarden Litern) - doch selbst das könnte demnächst nicht reichen.

Denn durch die vom Coronavirus ausgelöste Wirtschaftskrise sank die Nachfrage nach Rohöl weltweit massiv. So waren in den Lagern von Cushing am 17. Jänner zum Beispiel nur 34,9 Millionen Barrel Rohöl gelagert, am 17. April waren es wegen der Corona-Folgen bereits 59,7 Millionen, wie Zahlen der "U.S Energy Information Administration" belegen. Den immer höheren Stand in den Öl-Tanks zeigt aber auch dieses Bild.

Bild links: © Planet Labs Inc.

Bild rechts: © Google Earth

Öl-Tanks in Cushing im Oktober 2016 (die Schatten im Inneren deuten auf den tieferen Fülltstand hin) und am 18. April 2020. (aktuelles Foto: Planet Labs)

Wie das auf Satellitenbilder spezialisierte US-Unternehmen Planet Labs erklärt, funktionieren die Deckel der Öl-Tanks in Cushing so, dass sie auf dem Öl schwimmen. Daher lassen die Schatten im Inneren der Öltanks darauf schließen, wie gut gefüllt die Lager sind. Werden keine Schatten nach innen geworfen - wie oben auf dem nach rechts ziehbaren Bild -, sind die Tanks so gut wie voll.

Ende April teilte das amerikanische Energieministerium mit, die privaten US-Öllager seien derzeit zu etwa 60 Prozent gefüllt. Am großen Umschlagplatz Cushing liege die Quote bereits bei 81 Prozent. Die US-Regierung will daher noch freie Kapazitäten ihrer strategischen Ölreserven privaten Anbietern zur Verfügung stellen.

"Horrende Preise" für Öl-Lager

"Wer jetzt noch Öl fördert und keine Lagerkapazitäten vorbestellt hat, hat echt ein Problem", sagte Alex Booth, Energiemarktanalyst beim Daten-Spezialisten Kpler, zum Spiegel. "Er muss horrende Preise zahlen, wenn er denn überhaupt noch Lagerplatz findet."

Laut einer Analyse von Kpler ist weltweit nur noch ein Viertel der Kapazität in den Öllagern frei. Allerdings schwanken die Lagerbestände zwischen den Regionen stark.

Schon länger werden auch Öltanker als schwimmende Speicher verwendet, um der geförderten Ölmenge Herr zu werden.

Am 20. April ging sogar die Eiltmeldung durch die Nachrichtenagenturen dieser Welt, dass für eine Lieferung der schwefelarmen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) negative Preise verlangt wurden - an der New Yorker Börse war der Erdölpreis tatsächlich unter Null gerutscht. Der konkrete Hintergrund war, dass es um Verträge für an den Mai gebundene Öllieferungen (Terminkontrakte) ging, die Erdöl-Lager aber schlicht nahezu voll waren.

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