"Ungedeckter Scheck" für Pensionsleis­tun­gen

THEMENBILD-PAKET: PENSIONEN / PENSIONISTEN
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH

Die Pensionslücke wird sich in den nächsten Jahren vergrößern. Experten raten zu privater Vorsorge.

Rund 45 Milliarden Euro wurden im Vorjahr in Österreich nur für Pensionen aufgewendet. Der Löwenanteil, 38,4 Milliarden, entfällt auf das staatliche Umlagesystem. Schon jetzt müssen jährlich rund zehn Milliarden aus dem Budget zugeschossen werden, Tendenz steigend. Für Ulrich Schuh, Chef des Instituts Eco-Austria, ist dies leicht erklärt: "In den letzten vier Jahrzehnten ist die Dauer des Pensionsbezugs um acht Jahre gestiegen." Nur in Japan, Deutschland, Italien und Frankreich sei die Lage punkto Demografie und Staatsausgaben für Pensionen prekärer.

Daher ist es laut Schuh eine Illusion zu glauben, dass die Österreicher auf Dauer mit dem gleichen Pensionsantrittsalter bzw. gleich hohen Pensionen rechnen könnten. In einer gestern, Dienstag, vorgestellten Studie gibt er an, dass die Pensionslücke in den nächsten 25 bis 30 Jahren um rund zehn Prozentpunkte steigen werde. Das neu eingeführte Pensionskonto werde auf Kosten der Jugend "mit einem ungedeckten Scheck finanziert", sagt Schuh.

Ergänzung

Der Ausweg aus seiner Sicht: Die Bedeutung der privaten und betrieblichen Vorsorge als Ergänzung zur staatlichen Säule wird steigen müssen. In den Niederlanden oder der Schweiz liege das Verhältnis bereits bei rund 50: 50. Andreas Zakostelsky, Fachverbandsobmann der Pensionskassen, wäre froh, in 15 bis 20 Jahren den staatlichen Anteil auf rund 60 Prozent reduzieren zu können.

Bei den privaten Vorsorgeprodukten (Pensionskassen, Zukunftsvorsorge, Lebensversicherung) ist aber infolge der Finanzkrise bei Weitem nicht alles eitel Wonne. "Es gab in den vergangenen Jahren oft nur wenig Erträge", sagt die Leiterin des AK Sozialbereichs, Alice Kundtner. Zum Teil seien Veranlagungen nach Abzug der Kosten sogar ein Verlustgeschäft. Und Menschen mit einem niedrigen Einkommen würden sich gar keine private Vorsorge leisten können. „Die Prognosen für die nächsten Jahrzehnte belegen, dass für das staatliche Pensionssystem keinerlei Anlass zur Panik besteht“, so Kundnter. Wirtschaftskammer-Vizechef Richard Schenz sieht das anders. "Man soll das Problem nicht verdrängen und die Vorsorge nicht als Werk des Teufels hinstellen."

(KURIER) Erstellt am
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