OMV-Gasförderung in Österreich

© OMV Solutions GmbH/OMV/Lois Lammerhuber

wirtschaft von innen
04/28/2022

Unabhängigkeit von Russland: Politik ventiliert Schiefergas-Pläne

Inlandsbedarf könnte aus Vorkommen im Weinviertel auf 30 bis 50 Jahre gedeckt werden, neue umweltschonende Verfahren

von Andrea Hodoschek

So ändern sich die Zeiten. „Der Einsatz von Landeshauptmann Erwin Pröll hat substanzielle Wirkung gezeigt. Der Abbau von Schiefergas in Niederösterreich ist damit endgültig Geschichte“, frohlockte 2012 die niederösterreichische ÖVP. Nach heftigen grünen Protesten, der Drohung Prölls mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung und einem Schreiduell mit dem damaligen OMV-Chef Gerhard Roiss gab der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern seine Schiefergas-Pläne im Weinviertel auf, offiziell aus wirtschaftlichen Gründen. Die Bürgermeister waren für das Projekt.

Der Krieg in der Ukraine und die Ängste, Russland könnte die Gaslieferungen auch ins stark abhängige Österreich abdrehen, lassen das Thema Schiefergas wieder aufleben.

„Die Situation hat sich geändert, natürlich ist Schiefergas eine Option“, hört man dazu aus dem Bundeskanzleramt. Wenn Österreich die Eigenvorsorge stärken könne, unter Einhaltung aller Auflagen, müsse das geprüft und darüber diskutiert werden.

Auch im Landhaus in St. Pölten hat sich die Meinung geändert. Wenn die neuen Verfahren ökologisch unbedenklich seien und die Regierung für Schiefergas eintrete, werde sich Niederösterreich nicht dagegen stellen, heißt es.

Formal ist Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger für Rohstoffe zuständig. Bodenschätze gehören der Republik, die OMV bräuchte eine bergbaurechtliche Bewilligung. Realpolitisch freilich müssten die Grünen bzw. Energieministerin Leonore Gewessler eingebunden werden, argumentiert man bei der ÖVP. „Wir kennen noch keine Details, um eine Beurteilung abgeben zu können“, meint man dazu im Ministerium.

Umweltschonendes Verfahren

„Gegenwärtig gibt es kein Projekt dieser Art“, erklärt man bei der OMV knapp. Im teilstaatlichen Öl- und Gaskonzern ist klar, dass Schiefergas ein politisches Thema ist. Die Meinungen im Unternehmen sind geteilt, doch sowohl im Management als auch in der Belegschaft werden die Stimmen für diese Fördermethode immer lauter. „Kein Mensch versteht, dass die EU teures Schiefergas aus den USA importieren will, das unter wesentlich schlechteren Umweltauflagen produziert wurde. Dazu kommen noch Transportkosten und -Emissionen“, hört man aus der Belegschaft.

Österreich sitzt auf einem riesigen Vorkommen von geschätzten 300 bis 500 Milliarden Kubikmetern, das könnte die Eigenversorgung für die nächsten 30 bis 50 Jahre absichern, Österreich könnte sogar Netto-Exporteur werden. Der Inlandsverbrauch liegt derzeit bei mehr als 8 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

Die neuen Fördermethoden haben nichts mehr mit dem umweltschädigenden Fracking gemeinsam. Herbert Hofstätter, Professor an der Montanuniversität Leoben, hat ein Verfahren ohne die umstrittenen Chemikalien entwickelt, das Grundwasser würde nicht belastet. Das Risiko für die Umwelt sei nicht größer als bei herkömmlichen Bohrungen.Die ersten großen Fördermengen könnten in vier bis fünf Jahren fließen, bei Bedarf könnte der Start beschleunigt werden. Die EU will bis 2027 von Russland unabhängig sein, das ginge sich aus.

Die Förderung wäre, auch bei niedrigeren Gaspreisen als derzeit, wegen des großen Vorkommens kostendeckend, argumentieren Befürworter. Jährlich müssten 400 bis 500 Millionen investiert werden.

Fragt sich, wie Österreich aus dem bis 2040 laufenden Gasliefervertrag mit Russland heraus kommt. Dieser enthält nämlich die Klausel „Take or Pay“ – also Zahlen auch bei Nichtabnahme.

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