IV-Generalsekretär Christoph Neumayer

© Kurier/Gilbert Novy

Wirtschaft
05/25/2020

Trotz Mega-Krise: Die Industrie braucht kein Rettungspaket

Sie will aber jene Entlastungen, die im Regierungsprogramm vorgesehen sind, schon jetzt beanspruchen.

von Wolfgang Unterhuber

Dass Österreich auf die größte Wirtschaftskrise in Friedenszeiten seit 90 Jahren zusteuert, ist bekannt. Die zwei großen Fragen lauten jetzt: Wie schwer wird die Krise ausfallen und wie lange wird sie dauern?

Was die erste Frage angeht, so rechnet man bei der Industriellenvereinigung (IV) für heuer mit einem Minus von 7,6 Prozent.

USA und Italien wichtige Exportmärkte

Was die Dauer betrifft, will sich IV-Generalsekretär Christoph Neumayer nicht festlegen. „Das hängt unter anderem von der Entwicklung wichtiger Exportmärkte wie in den USA und Italien ab. Solange dort die Konjunktur nicht anzieht, wird das auch bei uns nur verhalten erfolgen.“

Die USA sind nach Deutschland Österreichs zweitwichtigster Handelspartner, Italien ist Nummer drei. Sechs von zehn Euro verdient Österreichs Wirtschaft im Export.

Jeder zweite Job hängt an Industrie

Jeder zweite Job – inklusive aller Zulieferer – hängt in Österreich an der Industrie. Und wie geht es Österreichs Industrie?

 „Aus der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie und vom Bau kommen positive Signale“, sagt Neumayer.

„Maschinen- und Metallindustrie sowie die Elektronik und Elektro-Industrie kämpfen sich langsam zurück.“

Voll erwischt habe es hingegen den Automobilsektor, Logistik und die industrienahen Dienstleistungen.

An einen großen Crash glaubt Neumayer nicht. „Wer aber schon vor der Krise Probleme hatte, der wird mittelfristig auch durch die Hilfspakete nicht überleben können.“ Generell aber sieht Neumayer Österreichs Industrie gut aufgestellt.

Sparmaßnahmen in den Unternehmen wie nach der Krise von 2008/09 will er nicht ausschließen. „Abseits der Produktion und des Verkaufs werden die Betriebe Effizienzverbesserungen vornehmen müssen.“

Im schlimmsten Fall rechnet Neumayer damit, dass von den derzeit rund 342.000 Industrie-Beschäftigten in Kurzarbeit rund zehn Prozent dauerhaft abgebaut werden müssten.

Drei-Säulen-Programm

Braucht die Industrie also ein großes Konjunkturpaket? „Nein“, sagt Neumayer.

Sehr wohl aber fordert er „kluge Unterstützungsmaßnahmen für die Unternehmen, basierend auf drei Säulen: investitionsgetriebenes Wachstum, effiziente Administration und ein Re-Start-Programm“.

So etwa eine Vorziehung der für 2023 geplanten Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 Prozent bzw. eine Steuerfreistellung für nicht entnommene Gewinne.

Das sei für das Budget der größte Brocken, der mit jährlich rund 1,5 Milliarden zu Buche schlage, die Unternehmen dafür aber deutlich entlaste.

Auch steuerliche Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals oder neue Abschreibungsinstrumente hält Neumayer für unerlässlich.

Zudem fordert die Industrie einmal mehr einen Investitionsfreibetrag von zehn Prozent für Investments in „digitale Entwicklung und Nachhaltigkeit“, wie Neumayer es formuliert.

Green-Tech-Champion

„Hier geht es auch stark um Investments in den Klimaschutz. Das beginnt bei der Gebäudesanierung bis hin zu digitaler Produktion.“

Hier sieht er für Österreich durchaus die Chance, zu einem internationalen Green-Tech-Champion aufzusteigen.

Generell ist Neumayer davon überzeugt, dass Österreich ohne neue Steuern aus der Krise kommt.

Im Gegenteil. Die Industrie bewerte steuerliche Entlastungen für die Arbeitnehmer gerade jetzt für unerlässlich. Das würde den Konsum ankurbeln.

Allerdings sei es endlich an der Zeit für die überfällige Verwaltungsreform.

Von zusätzlichen Vermögenssteuern hält Neumayer nichts. „Das Geld liegt ja nicht in irgendwelchen Bunkern herum, wie sich das so manche vielleicht vorstellen, sondern befindet sich in den Unternehmen“. Und dort gehe es dem Eigenkapital gerade ohnehin an den Kragen.

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