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Pollmann
08/26/2020

Trotz Krise: Mexiko lockt heimischen Auto-Zulieferer

Inbetriebnahme des neuen Werks erfolgt 2021. Mietvertrag läuft auf fünf Jahre.

von Anita Kiefer

Zu den vier Produktionsstandorten von Pollmann, einem Zulieferer der Automobilbranche aus dem niederösterreichischen Karlstein, gesellt sich 2021 ein fünfter. Dort sollen jährlich Komponenten für 1,4 Millionen Autoschlösser gefertigt werden.

Dafür mietet sich Pollmann in ein bestehendes Gebäude im mexikanischen Ort San Miguel de Allende ein. Der Mietvertrag läuft für fünf Jahre. „Das Gebäude ist bereits angemietet, die Übergabe erfolgt Anfang Dezember“, sagt Herbert Auer, Geschäftsführer von Pollmann International, zum KURIER.

Danach würden noch einige kleinere Adaptierungen am Gebäude durch Pollmann durchgeführt. Im zweiten Quartal erfolge der Aufbau der Anlagen, im dritten Quartal werde mit der Produktion begonnen. „Die zugehörigen Anlagen werden in Österreich zusammengebaut und im Anschluss nach Mexiko hinübertransportiert“, erklärt Auer den Ablauf.

Die Entscheidung für einen weiteren Produktionsstandort in Mexiko sei bereits vor der Corona-Krise gefallen, so Auer. „Wir erachten Mexiko als extrem wichtigen Markt für Nordamerika“, betont er. Grundsätzlich handle es sich außerdem um Langfrist-Verträge mit Kunden, die eingegangen werden. Der erste Deal sei bereits unterschrieben – es handle sich um einen Auftrag der Firma Kiekert, die Autoschlösser herstellt.

Erster Auftrag: Komponenten für BMW und Daimler

Bei diesem Auftrag liefere Pollmann Gehäuse und Deckel der Autoschlösser, die von Kiekert schließlich zu einem gesamten Schloss zusammengebaut und in Wagen von BMW und Daimler eingebaut werden, sagt Auer.

Wie hoch die Investitionskosten von Pollmann für den neuen Standort sein werden, wird vom Unternehmen aktuell nicht bekannt gegeben. Dies hänge vom Verlauf der Gespräche mit weiteren Kunden ab – je nachdem, wie diese ausfallen, würde man weitere Anlagen benötigen. Details dazu werde es in einigen Wochen geben, so Auer.

Am Stammsitz in Karlstein (Waldviertel) ist Pollmann seit 1. April in Kurzarbeit, diese läuft noch bis Ende September. Nur einzelne Bereiche sind von der Kurzarbeit ausgenommen.

Die weiteren Standorte Pollmanns befinden sich in Nordamerika in der Nähe von Chicago, in China und in Tschechien. Der Standort in Nordamerika wird laut Firmenangaben durch die Neueröffnung in Mexiko nicht berührt.

Das Unternehmen hält aktuell laut eigenen Angaben bei rund 1.700 Mitarbeitern und erzielte im Vorjahr einen Umsatz von gut 181 Millionen Euro. Bei Schiebedach-Kinematiken und elektromechanischen Türschlossgehäusen ist Pollmann laut eigenen Angaben Weltmarktführer.

Attraktives Mexiko

Mexiko sei für Zulieferbetriebe in der Automobilbranche ganz allgemein aufgrund der geografischen Nähe zu den USA sowie den Handelsabkommen ein „sehr interessanter Standort“, heißt es dazu von der Wirtschaftskammer Österreich auf Nachfrage des KURIER.

Zu den wichtigsten Standorten für automotive Zulieferunternehmen zählen neben Mexiko China, Russland, USA, Indien sowie Südostasien.

Innerhalb Europas haben laut Wirtschaftskammer die meisten österreichischen Autozulieferer in Deutschland, Italien, Tschechien, der Slowakei, Bulgarien, Frankreich, Spanien und Ungarn Produktionsstätten bzw. Niederlassungen.

Einen Rückgang der Zahl an Produktionsstätten oder Niederlassungen von österreichischen Zulieferern zur Automobilbranche im Ausland bemerkt man bei der Wirtschaftskammer nicht.

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