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Wirtschaft
02/21/2020

Trotz Fridays for Future: Imbissstände und Billigmode im Anmarsch

Burger-Lokale haben trotz Veggie-Trend Hochkonjunktur. Und auch wenn über Billigmode geschimpft wird, ist sie stark im Kommen.

von Simone Hoepke

Die Händler bremsen in Österreich bei der Expansion. Glaubt man den Statistiken der Marktbeobachter von RegioData, stehen in Österreich aktuell fünf Mal so viele Standorte leer, wie neue Geschäftslokale gesucht werden.

Die Zeiten, in denen neue Fachmarktzentren und Shoppingcenter in der Pipeline waren, sind damit mehr oder weniger Geschichte.

"Die Verantwortlichen für die Raumordnung stellen das gerne als ihren Erfolg dar. Es gibt aber schlicht keine Nachfrage in der Projektentwicklung, weil neue Flächen nicht vermietbar sind", sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer des Standortberaters RegioPlan.

5.000 Geschäftslokale stehen leer

Gefragt sind vor allem Geschäftslokale in Top-Einkaufsstraßen und Einkaufszentren, während in den sogenannten B-Lagen mit weniger Kundenfrequenz gähnende Leere herrscht. Experten schätzen, dass landesweit rund 5.000 Geschäftslokale leer stehen.

Ein genauerer Blick in die jährliche Erhebung von RegioData legt allerdings auch den Schluss nahe, dass Konsumenten nicht immer das kaufen, was sie in Umfragen gerne angeben.

Der Preis zählt

Während Umweltschutz, Fridays for Future, der Trend hin zu mehr Bio, Regionalität und veganer Ernährung scheinbar omnipräsent sind, zählt bei der Kaufentscheidung offenbar weniger das gute Gewissen als der niedrige Preis.

Billig ist Trumpf

Im Vormarsch sind laut RegioData aktuell vor allem Diskontketten wie Kik, NKD und Tedi. Sie stehen gemeinhin für Fast Fashion, also günstige Mode, die nicht für die Ewigkeit gedacht ist. "Die Öko-Debatten gehen an breiten Bevölkerungsschichten vorbei. Viele müssen aufs Geld schauen, sie wollen oder müssen sich 2-Euro-T-Shirts kaufen", sagt Richter.

Modeketten reagieren und drosseln die Flächenexpansion. Richter: "C&A hat in Österreich binnen zwei Jahren rund 20 Standorte geschlossen." Grund dafür ist – wie bei anderen Textilriesen auch – die steigende Konkurrenz aus dem Internet, die immer größere Teile des Umsatzkuchens für sich beansprucht.

Der Blick in die Gastro-Szene zeigt, dass wir uns vielleicht gar nicht so gesund und vegan ernähren wollen, wie wir es in Umfragen gerne angeben. "Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet jetzt Hamburger-Lokale auf dem Vormarsch sind", findet Richter. Just in einer Zeit, in der viele den Veggi-Trend heraufbeschwören und Essen scheinbar zur Ersatzreligion geworden ist. Predigten, dass man – wenn überhaupt – eher weißes Fleisch essen sollte, scheinen sich auf den Speisetellern nicht so widerzuspiegeln. Gleichzeitig ist in der einst gehypten Vegan-Gastro-Szene deutlich weniger Bewegung als Experten erwartet hätten. Richter: "Viele Anbieter haben schon wieder zugesperrt, andere haben das Expansionstempo gedrosselt."

Der Wok für unterwegs

Am expansivsten sind unter anderem Asia-Restaurants und -Imbisse unterwegs. "Sie sind eine Art Würstelbude-Ersatz geworden. Das Essen ist billig und man wird satt, darum geht es vielen Konsumenten letztlich auch." Freilich auch, weil sie schlicht aufs Geld schauen müssen.