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Was die Trockenheit für die Wasserversorgung der Industrie bedeutet

Chemie-, Metall- und Holzindustrie benötigen viel Wasser, etwa zum Kühlen. Wie viel genau, ist unbekannt. Das soll sich ändern.
Zu warmes Kühlwasser: Die Produktion am Hauptstandort wird für Lenzing hitzebedingt zur Herausforderung.

Zu wenig und zu warmes Wasser bedroht die Produktion heimischer Industrieunternehmen. Beim oberösterreichischen Faserhersteller Lenzing spitzt sich die Lage zu, ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören. Gerüchte über einen bevorstehenden Produktionsstopp wegen Wasserknappheit werden vom Unternehmen aber dementiert. „Derzeit bestehen keine Einschränkungen für den Betrieb des Standorts Lenzing und die Produktion läuft planmäßig weiter“, heißt es auf Anfrage des KURIER. Man verfolge die aktuelle hydrologische Situation im Attersee-Ager-System sehr aufmerksam und stehe dazu im laufenden Austausch mit den Behörden.

Attersee ist ungewöhnlich warm

Lenzing verwendet Wasser aus der Ager als Kühlwasser für die Produktionsprozesse und führt das verwendete Wasser gereinigt fast zur Gänze wieder in die Ager zurück. Ein Lenzing-Sprecher betont, dass das Unternehmen „keinen direkten Einfluss auf die Wasserstände“ hat. Auf eine Wasserkrise könne man mit betrieblichen Anpassungen oder dem Vorziehen geplanter Wartungsarbeiten reagieren.

Großes Problem ist die ungewöhnlich hohe Wassertemperatur des Attersees von aktuell 24 Grad, die zur Kühlung ungeeignet ist. Eine Entnahme aus dem kühleren Tiefsee sei zwar geplant, aber noch nicht umgesetzt, berichtet Franz Überwimmer, Leiter der wasserwirtschaftlichen Planung der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Oberösterreich. Die Wasserkrise bei Lenzing sei aber ein Sonderfall, denn grundsätzlich befänden sich die stark wasserabhängigen Produktionsbetriebe aus der Metall-, Chemie-, Papier- und Lebensmittelindustrie in Oberösterreich an den großen Flüssen. Hier sei die Wassersituation für die Kühlung noch nicht so kritisch wie für die Schifffahrt.

Industrie ist größter Wasserverbraucher

Vom Zellstoffproduzenten AustroCel in Hallein/Salzburg heißt es, es gebe derzeit keine Versorgungsprobleme. Man befinde sich glücklicherweise in einer wasserreichen Gegend. Das Chemieunternehmen KremsChem hat ebenfalls keine Probleme. Der Standort nahe einer Donau-Staustufe gewährleiste konstante Versorgung trotz niedrigerer Pegelstände flussauf- und abwärts.

Stahl-, Zellstoff- und Chemieunternehmen zählen zu den heimischen Industriebereichen mit dem größten Wasserverbrauch. Insgesamt beträgt der jährliche Wasserbedarf in Österreich rund 3,1 Milliarden Kubikmeter. 72 Prozent davon entfallen auf die Eigenversorgung von Gewerbe– und Industriebetrieben. Die Industrie bezieht ihr Wasser zu 84 Prozent aus Oberflächengewässern, vor allem Flüssen. Nur zu 16 Prozent wird Grundwasser verwendet. Oberflächenwasser wird überwiegend zum Kühlen verwendet und anschließend wieder in den Wasserkreislauf zurückgeführt. Wasser wird von den Betrieben aber auch als Lösungsmittel, zur Reinigung oder Oberflächenbehandlung verwendet. Die Zellstoffindustrie verwendet Wasser etwa zum Aufweichen von Holzfasern.

Brunnen in Ufernähe werden oft verwendet

Wird das Wasser einem Fluss entnommen, ist der Pegelstand eine relevante Größe, erklärt Thomas Ertl vom Institut für Siedlungswasserbau der Universität für Bodenkultur: „Entnahmeöffnungen kann man nicht beliebig tief ansetzen, sonst würde man Sediment reinziehen.“ In vielen Fällen werden daher einfach Brunnen in Ufernähe gegraben. Flusswasser sickert durch das Erdreich in die Brunnen, man spricht von Uferfiltrat. Positiver Nebeneffekt: Das Wasser wird dadurch auch gereinigt.

Manche Industriebetriebe bauen aus rein praktischen Gründen Brunnen und entnehmen Grundwasser - es bedeutet weniger bürokratischen Aufwand. Die Entnahmen müssen sich aber auch hier in Grenzen halten, um den Grundwasserspiegel nicht abzusenken, so Ertl. Für das Wassermanagement am besten sei die Belieferung durch Wasserversorgungsunternehmen. Ihre Netze werden immer großflächiger, um lokale Unterschiede beim Wasservorkommen auszugleichen.

Entnahmeregister soll Prognosen ermöglichen

Über die exakten Wasserentnahmemengen herrscht weitgehend Unkenntnis. Dies soll sich durch das zentrale Wasserentnahmeregister ändern. Ein erster Entwurf liegt den Koalitionspartnern vor. Er sieht eine Meldepflicht für Großverbraucher vor, was rund 2.000 Betriebe betreffen dürfte. Die Schwellenwerte für die Meldung von Wasserentnahmen sind mit 1.400 Kubikmeter täglich oder 200.000 Kubikmeter jährlich relativ hoch. 

Mit niedrigeren Schwellenwerten könnten Vorhersagemodelle genauer sein, allerdings müssten dann auch kleinere Verbraucher, etwa Landwirte, Messgeräte anschaffen, erklärt Ertl. Das biete jedoch Konfliktpotenzial. Grundsätzlich brächte so ein Register viel. Mit exakten Daten könne man hydraulische Modelle erstellen. Damit seien auch genauere Prognosen möglich. Man könne sich so besser auf künftige Extremsituationen vorbereiten.

Umweltschützern geht die Entstehung des Registers viel zu langsam voran. Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace, sagt: „Es ist höchste Zeit, dass Wasserminister Norbert Totschnig konkrete Wasserschutz-Maßnahmen umsetzt.“

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