Attersee

© Kurier / Gilbert Novy

Wirtschaft
05/20/2021

Tourismus: Warum man den Winter nicht mehr ausbaden kann

Die Sommersaison startet früher als 2020, in vielen Regionen sind freie Zimmer schon jetzt Mangelware. Doch das reicht nicht

von Simone Hoepke

Die Hotels sperren auf, das Tourismusjahr ist trotzdem nicht mehr zu retten. Das steht für Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) schon jetzt fest.

Der Grund: Die Wintersaison ist ins Wasser gefallen, den Schaden kann man im Sommerhalbjahr nicht mehr ausbaden. Auch wenn die Aussichten für die kommenden Monate vielversprechend und vor allem die Seengebiete gut gebucht sind – steigende Zimmerpreise inklusive.

Laut den Schätzungen des Wifo-Experten könnte die Zahl der Gästenächtigungen diesen Sommer „um ein Viertel über jener des Vorjahres liegen“. Klingt gut, ist aber relativ. Denn das würde noch immer ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem letzten „normalen“ Sommer 2019 bedeuten.

Kaum eine andere Branche ist so von der Pandemie ausgebremst worden wie die Tourismus- und Freizeitwirtschaft. In normalen Jahren trägt sie 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, davon konnte zuletzt keine Rede sein. „Wertschöpfungsmäßig hat der Tourismus im Vorjahr deutlich mehr als ein Drittel eingebüßt“, sagt Fritz. Und damit wesentlich mehr als die Gesamtwirtschaft (rund sieben Prozent).

Im Bundesländervergleich ist die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus freilich unterschiedlich stark ausgeprägt. So hängen laut den Berechnungen der UniCredit Bank Austria in Wien nur vier Prozent der Wirtschaftsleistung am Tourismus, in Tirol sind es dagegen um die 15 Prozent.

Heilige Kühe

Apropos Bundesländervergleich. Bei der Frage, ob die Hotels schon wieder offen haben, gibt es ein Ost-West-Gefälle. „Im Westen haben 60 bis 70 Prozent aufgesperrt, im Osten deutlich mehr“, sagt Susanne-Kraus-Winkler, Sprecherin für die landesweit mehr als 11.000 Beherbergungsbetriebe. Während in den Wellness- und Thermenhotels im Burgenland oder der Steiermark über die Feiertage so gut wie kein freies Zimmer zu bekommen ist, wartet man in Tirol und Salzburg vergebens auf die vornehmlich ausländischen Touristen. Trist bleibt auch die Lage im sonst von internationalen Urlaubern, Kongress- und Geschäftsreisenden besuchten Wien. Über die Feiertage haben die Wiener 4-Stern-Häuser laut Kraus-Winkler gerade einmal 30 Prozent der normalen Buchungen im Kasten. „Bei 5-Stern-Häusern sind es überhaupt nur zehn bis zwölf Prozent.“ Selbst die Flughafenhotels – traditionell die Cash-Cows, also Renditebringer, der Kettenhotels – „grundeln bei 40-50 Prozent der Normalauslastung herum“, sagt Kraus-Winkler. Experten gehen davon aus, dass die Stadthotellerie erst 2024 wieder auf Vorkrisenniveau kommt.

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