AUA im Preiskampf mit Billigfluglinien

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
01/12/2022

Zu wenige Passagiere: Warum die Flieger trotzdem abheben

Die Airlines wie Lufthansa und Töchter AUA, Eurowings und Swiss wollen sich durch "Leerflüge" Start- und Landerechte weiter sichern.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Wir müssen im Winter 18.000 zusätzliche, unnötige Flüge durchführen, nur um unsere Start- und Lande-Rechte zu sichern“, verkündete Lufthansa-Chef Carsten Spohr kürzlich. Von „Leerflügen“ oder „Geisterflügen“ ohne Passagiere ist die Rede. Betroffen sind auch die Lufthansa-Töchter AUA, Brussels Airlines, Eurowings und Swiss. Experten schätzen die angeblichen „Leerflüge“ der Brussels auf 3.000 und die der AUA auf etwa 1.800. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um „Leerflüge“ ohne Fluggäste?

„Es handelt sich rechnerisch um rund 18.000 ‚Leerflüge‘, das heißt nicht, dass so viele Flugzeuge tatsächlich leer fliegen“, sagt AUA-Sprecherin Yvonne Wachholder zum KURIER.

Fakt ist: Damit eine Airline auf wichtigen Flughäfen ihre Start- und Landerechte (Slots) behalten darf, muss sie diese auch nutzen. Vor der Corona-Krise war eine Nutzung der Slots von 80 Prozent nötig. Im ersten Corona-Jahr wurde diese Regelung ausgesetzt. Für die aktuelle Saison gilt eine Nutzungsquote von 50 Prozent, ab März soll sie auf 64 Prozent steigen. Um die Slots zu behalten, muss mitunter auch unter „nicht wirtschaftlichen Bedingungen“ geflogen werden.

„Die angeblichen Leerflüge sind keine Leerflüge, sondern es sind schlecht ausgelastete Flüge, die vermutlich unter wirtschaftlichen Bedingungen mit anderen Flügen zusammengelegt worden wären“, sagt Peter Malanik, Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes. „Wenn eine Airline eine Destination mit vier Flügen pro Tag bedient, würde man zwei Flüge bei schlechter Auslastung bleiben lassen und die Passagiere auf die beiden anderen Flüge umbuchen.“

Wertvolle Slots

Das Slot-Problem betreffe nicht nur die AUA, sondern alle Airlines in Wien oder auf anderen zentralen Flughäfen, wo Slots knapp sind und die Airlines diese nicht verlieren wollen. Vor allem Low-Cost-Carrier würden auf diese Slots spitzen. Besonders wertvoll sind die Slots auf Drehkreuz-Flughäfen wie Wien, Frankfurt, Paris oder Amsterdam vor allem zu Spitzenzeiten wie in der Früh und am Abend. Es kommt dort zu Belastungsspitzen, weil viele Passagiere auf Anschlussflüge umsteigen. Damit das gut funktioniert, muss es in einem engen Zeitrahmen geschehen.

Zurück zum Flughafen Wien. „Dass die Auslastung während der Corona-Krise teilweise niedriger ist als noch vor der Krise, ist richtig, aber von Leerflügen kann hier keine Rede sein“, sagt Flughafen-Sprecher Peter Kleemann. Die durchschnittliche Auslastung (Sitzladefaktor) der Flüge ab Wien von Jänner bis September 2021 lag bei 64 Prozent, vor der Krise 2019 bei 77,5 Prozent.

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