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Wirtschaft
01/02/2021

Swarovski-Konzern: Der Denver-Clan aus Tirol

Das Imperium stellt sich neu auf, schließt Filialen und will sich nur noch auf das Luxussegment konzentrieren.

von Anita Kiefer

In einem sind sich die zwei Seiten im Swarovski-Clan mittlerweile einig: Es äußert sich offiziell niemand mehr zu den Familienstreitigkeiten, die es seit Monaten rund um die Neuausrichtung des Kristallkonzerns gibt. Weder Vorstandschef Robert Buchbauer will auf KURIER-Anfrage Stellung nehmen, noch die „Gegenseite“, die auch gerne „Oppositionelle“ genannt wird.

Das könnte freilich auch an der Kommunikationsstrategie Buchbauers liegen, von der diverse Medien im Oktober berichteten und die eine strenge Abstimmung von öffentlich Gesagtem verlangt.

Robert Buchbauer, Nachfahre des Firmengründers Daniel Swarovski, steht seit dem Vorjahr als CEO an der Spitze des Unternehmens. Und will dieses neu aufstellen: Eine Schweizer Familienholding unter seiner Führung soll mit über 80 Prozent in die D. Swarovski KG einsteigen. Das passt einem Teil der Familie nicht.

Clan-Struktur

Und das ist das Problem: Der Swarovski-Clan zählt rund 200 Mitglieder, von denen etwa 80 Gesellschafter in der Unternehmensgruppe sind. Grundlage der Struktur ist eine Familienverfassung, deren Inhalt nur wenigen bekannt ist.

Was jetzt passieren soll, nennt Buchbauer Strukturreform, die Familiengruppe sprach lange von einer „feindlichen Übernahme“. Denn: Die „Familiengruppe“, die laut eigenen Angaben rund 20 Prozent der Unternehmensanteile hält, fürchtet um Stimmrechte und die Steuerung des Konzerns von der Schweiz aus, wo auch Buchbauer lebt. Und will daher die Neustrukturierung verhindern – zumindest so, wie sie jetzt geplant ist.

Im Oktober hat die Gesellschafterversammlung mit rund 80 Prozent dem Konzernumbau zugestimmt. Die „Oppositionellen“ gehen aber davon aus, dass für eine solche Umstrukturierung des Unternehmens Einstimmigkeit notwendig ist – sie haben Rechtsmittel angekündigt.

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch noch das Thema Familienbeirat. Aus diesem hat sich der ehemalige Vorsitzende Helmut Swarovski ja mangels einer Linie mit dem Swarovski-Unternehmen zurückgezogen – auch von einem Hinausdrängen wurde, etwa vom Standard und dem trend, berichtet.

Weil Helmut den Reformplänen Buchbauers nicht zustimmen wollte. An seiner statt sollte Christoph Swarovski, Chef der Tyrolit und Präsident der Industriellenvereinigung Tirol, in den Beirat einziehen.

Nur: Das ist nicht passiert. So besteht der Beirat „bis auf weiteres“ aus fünf anstelle von sechs Personen, wie es in einer Aussendung dazu heißt. Diese fünf sind: Marina Giori-Lhota, Monika Schiestl-Swarovski, Markus Langes-Swarovski, Mathias Margreiter und Robert Buchbauer.

Christoph Swarovski selbst aber fühlt sich rechtmäßig in den Beirat entsandt, wie er seinerseits betonte. Erklärung dafür gibt es keine – weder Buchbauer noch Swarovski äußern sich ja offiziell.

Ein Sprecher von Christoph Swarovski verweist gegenüber dem KURIER nur auf ein Interview in der Tiroler Tageszeitung von Mitte Dezember – das letzte, das Swarovski gegeben hat. Darin räumte er aus seiner Sicht mit dem Gerücht auf, er wackle in beiden Funktionen. In diesem Interview hat er sich für die Gründung einer Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht ausgesprochen – mit Standortgarantie für Wattens.

„Zeitgemäß & führbar“

Was die Neuausrichtung des Unternehmens angeht, gab es auf KURIER-Anfrage beim Swarovski-Konzern eine schriftliche Stellungnahme „seitens der Geschäftsführung“. Es bleibt dabei: 1.800 Leute werden in Wattens abgebaut. 1.200 traf das schon im Vorjahr und noch einmal 600 heuer. In Wattens wird es dann Ende 2021 noch rund 3.000 Mitarbeiter geben. Insgesamt beschäftigt der Konzern weltweit mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Man wolle das Unternehmen künftig „zeitgemäß und führbar“ strukturieren, heißt es in der Anfragebeantwortung. Das Bestreben den Kristallbereich zu einen. „Wir leiten alles unter einem Markenauftritt und einem funktionalen Team, das sich um alle Aspekte des Geschäfts kümmert.“ Es geht um Verschlankung, weg vom „divisionalen Ansatz“, der über viele Jahre verfolgt wurde, so das Unternehmen weiter.

Und: Es gehe mehr in Richtung Luxus. Konkret in Richtung „erreichbaren, demokratischen Luxus“. Swarovski will weg von den Segmenten, in denen die Billig-Konkurrenz aus Asien dem Unternehmen zu schaffen macht.

Weniger Shops

Auch, dass Shops (es gibt 3.000 weltweit, davon je 1.500 eigene und Partnerboutiquen) geschlossen werden, ist fix. „Ja, im Zuge der neuen Strategie wird auch das Distributionsnetzwerk verschlankt“, heißt es vom Unternehmen.

Wann das alles abgeschlossen ist – und ob der Beirat danach wieder auf sechs Personen aufgestockt wird – wollte man bei Swarovski nicht beantworten.

2019 hat der Konzern rund 3,5 Milliarden Euro umgesetzt, 2,7 Milliarden im Kristallbereich. Bei Letzterem rechnet man für 2020 mit einem Minus von rund 30 Prozent.

Zuletzt schmückten die Swarovskis die Schlagzeilen oft unter negativen Vorzeichen. Seien es die Zwistigkeiten rund um die Neuausrichtung des Unternehmens, diesjährige Urlaubsfotos von Victoria Swarovski aus Marbella, wenn die Verwandten für Wattens gerade einen massiven Stellenabbau ankündigen, oder durch die Beziehung von Fiona Griffini-Grasser zum ehemaligen Finanzminister.

Begonnen hat aber alles vor 126 Jahren. 1895 hat Daniel Swarovski, geboren 1862 in Böhmen, das Unternehmen im Tiroler Wattens gegründet. Zusammen mit seinem Schwager Franz Weis und Armand Kosmann, einem Kunden aus Paris, der das nötige Startkapital einbrachte, wie es auf der Website der Swarovski Kristallwelten heißt.

Kristall wurde schon in der Fabrik des Vaters geschliffen und so vertiefte sich Daniel Swarovski in die Materie und erfand eine Maschine zum Kristallschleifen in Perfektion. Der Grundstein für den heutigen Kristallgiganten war gelegt.

Gestorben ist der Firmengründer 1956. Und ab seinen Söhnen wird es so richtig spannend. Daniel Swarovski hat seinen drei Sprösslingen Wilhelm, Friedrich („Fritz“) und Alfred das Unternehmen vermacht. Innerhalb dieser Stämme wird vererbt, wobei gilt: Je weniger Nachkommen, desto mehr Anteile und somit Macht gibt es. Innerhalb des Stamms Fritz gibt es mittlerweile auch noch einen weiteren, vierten, Stamm namens Manfred, nach einem Sohn von Friedrich Swarovski.

Zum Stamm Manfred gehören unter anderem Helmut, der sich kürzlich aus dem Unternehmen zurückzog (oder gedrängt wurde), Nadja Swarovski-Adams, Paul (Vater von Victoria und Paulina) und Christoph Swarovski. Letzterer ist Chef des Schleifwerkzeugherstellers Tyrolit mit Sitz in Schwaz und Präsident der Industriellenvereinigung Tirol. Zum Stamm Fritz gehört der nunmehrige Swarovski-CEO Robert Buchbauer.

Aus dem Unternehmen, das Daniel Swarovski vor 126 Jahren gegründet hat, ist mittlerweile eine Unternehmensgruppe geworden. Den mit Abstand größten Geschäftsbereich repräsentiert das Kristallgeschäft. Daneben gibt es die Optik-Sparte und den Schleifmittelhersteller Tyrolit.

Dass Swarovski aktuell umstrukturiert und in wirtschaftlichen Turbulenzen ist, zeigt sich übrigens auch in einer der jüngsten Entscheidungen: Swarovski zieht sich als Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten WSG Tirol zurück.

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