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Wirtschaft
04/01/2022

Strom: Verteuerungen werden durch Hilfen teils überkompensiert

In OÖ, Kärnten, Tirol steigen Kunden trotz Tariferhöhungen deutlich besser aus, anders in Wien.

Die bisherigen Strompreiserhöhungen seit vorigem Jahr werden durch die staatlichen Entlastungsmaßnahmen überwiegend abgefangen und zum Teil sogar überkompensiert. Insbesondere in Oberösterreich, Tirol und Kärnten kommt es für die Kunden unterm Strich zu einem Plus, in geringerem Maße auch in der Steiermark und Vorarlberg. Das geht aus Berechnungen der Österreichischen Energieagentur für die heimische E-Wirtschaft hervor.

Dabei berücksichtigt ist der Entfall der Ökostromkosten für heuer und die Senkung der Elektrizitätsabgabe bis Juni 2023. "Die Maßnahmen bewirken, dass sich die Preisänderung von 2021 auf 2022 für einen Beispielhaushalt mit Bestandsvertrag beim lokalen Anbieter und 3.500 kWh Verbrauch in einer Bandbreite zwischen minus 17 Prozent und plus 5 Prozent bewegt", heißt es.

Den stärksten Ausgleich erfahren Kunden in OÖ mit 17 Prozent, in Kärnten und Tirol sind es je 14 Prozent, in der Steiermark 7 und in Vorarlberg 5 Prozent. In Salzburg steigen die Abnehmer pari aus, in Wien und dem Burgenland sind 5 Prozent draufzuzahlen, in NÖ 1 Prozent. Im Schnitt macht die Ersparnis 111 Euro brutto im Jahr durch den Ökostromkostenentfall und 39 Euro brutto durch die gesenkte Elektrizitätsabgabe aus.

Dabei wurden von der Politik weitere Entlastungen auf den Weg gebracht, um die Energieteuerungen abzufedern - neben Strom bei Sprit, Heizöl, Erdgas oder Fernwärme. Das Anti-Teuerungspaket sieht 300 Euro für Haushalte mit niedrigen Einkommen vor, in dem die zunächst fixierte Einmalzahlung von 150 Euro verdoppelt wird (Kosten nochmals 100 Mio. Euro). Profitieren sollen Arbeitslose, Mindestsicherungs- und Ausgleichszulagenbezieher, es gehe um zusätzliche 150 Euro für 750.000 Bedürftige, erklärte die Regierung Ende Jänner.

Neben diesen 300 Euro für besonders Bedürftige wurden 150 Euro Energiekostenausgleich für fast alle Haushalte angekündigt, falls das Einkommen nicht über 5.670 Euro brutto liegt (in Mehrpersonenhaushalten bis zum Doppelten), was allein rund 600 Mio. Euro ausmacht. Bei der Aussetzung der Ökostrom-Förderkosten für Haushalte und Firmen für 2022 geht es um 900 Mio. Euro - in Summe bringt das erste Paket laut Regierung 1,7 Mrd. Euro Entlastungsvolumen.

Für 2022 bleiben die Strompreiserwartungen hoch, so die Energieagentur in ihrer Analyse. Erwartet werde ein weiter hohes Preisniveau von deutlich über 250 Euro pro Megawattstunde (MWh) im Großhandel, wobei die Winterquartale höher bepreist würden als der Sommer. Erst für das Auftaktquartal 2023 sehe man eine erste Entspannung. Eine Rückkehr zu den Niedrigpreisen sei 2023 aber noch nicht in Sicht.

Zuletzt hat insbesondere der Ukraine-Krieg die Notierungen der Strom-Futures sprunghaft ansteigen lassen. Während die Preise für Produkte mit Lieferzeitraum im Jahr 2022 vor Beginn der kriegerischen Handlungen (hier: 22. Februar) noch bei rund 200 Euro/MWh lagen, kletterten sie eine Woche danach auf 250 Euro und eine weitere Woche später (8. März) auf ein Niveau von 350 bis 450 Euro je MWh. Erst für Lieferzeiträume ab dem zweiten Halbjahr 2023 gebe es wieder eine Angleichung, so die Energieagentur.

Der Vergleich über die paar Wochen zeige eindrucksvoll die Nervosität des Marktes auf, denn an den Fundamentaldaten (Angebot versus Nachfrage) habe sich zwischen 22. Februar und 8. März nichts geändert. Gas sei nach wie vor geflossen, die Liefermengen seien nicht zurückgegangen. "Die Invasion führte aber zu einer Neubewertung der Versorgungsaussicht - und damit zu steigenden Preisen.

Bei den Haushaltskunden wird ab Mai der Energieanteil rund die Hälfte der Stromrechnung ausmachen, wegen der Hilfen, so die Energieagentur. Für einen Wiener Haushalt mit 3.500 kWh Verbrauch errechnen sich dann 50,5 Prozent Energiekosten, 27,7 Prozent Netzkosten, 16,7 Prozent Umsatzsteuer und 4,7 Prozent Gebrauchsabgabe, 0,4 Prozent Elektrizitätsabgabe (weil diese von 1,5 Cent je kWh aufs erlaubte Minimum von 0,1 Cent/kWh sinkt) sowie vorübergehend null Ökostromkosten.

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