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Wirtschaft
10/25/2021

Spielen mit gutem Gewissen?

Ressourcenschonung ist in vielen Bereichen längst großes Thema. Wie es bei ausgewählten Spieleproduzenten aussieht.

von Anita Kiefer

Ein Lego-Baustein aus wiederverwertetem Kunststoff. Den Prototypen eines solchen Bausteins hat der berühmte dänische Spielehersteller vor Kurzem präsentiert. Und zeigt damit: Nachhaltigkeit wird auch beim Spielen immer wichtiger – und künftig wohl geschäftsentscheidend.

Dass es Spielehersteller wie Lego ob der angebotenen Produkte ungleich schwerer haben, weiß ein Mitbewerber aus der Branche. „Lego erzeugt Kunststoffsteine – der Ersatz durch andere Kunststoffe ist sehr schwierig“, so Piatnik-Chef Dieter Strehl gegenüber dem KURIER. Dies gelte für Lego aber auch Hersteller wie etwa Playmobil.

Piatnik jedenfalls bezieht einen Großteil der für die eigenen Spiele verwendeten Vormaterialien in Europa und produziert auch selbst – eine Seltenheit in der Branche. Wobei Produktion nicht heißt, dass wirklich alles selbst hergestellt wird. Man könne sich das vorstellen wie die Produktion eines Autos – hier würden ja auch Komponenten zugekauft.

„Niemand vermutet, dass Mercedes Reifen oder Scheinwerfer selbst produziert“, so Strehl. Was Scheinwerfer und Reifen bei Mercedes sind, sind bei Piatnik beispielsweise Würfel oder Kegel. Piatnik kauft für seine Kartenspiele das Papier zu, druckt die Spielkarten auf große Bögen, die dann zu den Karten geschnitten werden. Apropos Papier: Das von Piatnik verwendete Holz ist FSC-zertifiziert.

Problem Elektroteilchen

Wirtschaftlich unmöglich scheint es für europäische Hersteller offenbar zu sein, Teile mit elektronischem Bestandteil – etwa Timer – in Europa zu bekommen. „Diese Teile werden in Asien zu konkurrenzlosen Preisen angeboten“, sagt Strehl. Bei den Kunststoffbeuteln, in die etwa Spielfiguren eingelegt werden, wird oft noch konventioneller Kunststoff verwendet.

Seinen Sitz hat Piatnik – beliebtestes Spiel ist übrigens Activity – im 14. Wiener Bezirk. Das sei gleichzeitig auch ein Aspekt der Nachhaltigkeit des Unternehmens, so Strehl. „60 Prozent unserer Mitarbeiter können zu Fuß oder mit den Öffis in die Arbeit kommen.“ Außerdem werden 90 Prozent der Produkte in Europa verkauft, sagt Strehl. Verbesserungspotenzial ortet er für sich unter anderem noch beim Thema Heizen. Ob die Möglichkeit zur Nutzung von Fernwärme gegeben ist, werde aktuell gerade geprüft. Ein Plus von zeitlosen Spielen: Sie sind oft für Jahrzehnte in einer Familie.

Holzspielzeug von Matador

Bereits seit langer Zeit ist der heimische Spielzeugproduzent Matador, der Holzspielzeug-Konstruktionsbaukästen vertreibt, Beispiel für Nachhaltigkeit. Bis auf wenige Ausnahmen (etwa Klemmhülsen oder Zangen) beinhalten die Baukästen vor allem Holzbausteine. Das Holz ist PEFC-zertifiziert (PEFC und FSC sind Siegel, die Produkte aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung ausweisen.). Buchenholz aus Österreich (Salzburger Raum), Produktionsstandort in Österreich (Waidhofen/Thaya) und Kartonagen aus Österreich (Mondi) machen Transportwege kurz und damit den CO2-Fußabdruck schon per se kleiner.

Darüber hinaus werden die Holzabfälle bei der Produktion zum Heizen verwendet, sagt Matador-Chef Michael Tobias. Und: Kunststoffbeutel für Kleinteile bestehen aus abbaubarem Bio-Kunststoff. Und es gebe so gut wie alle Einzelteile der Baukästen nachzubestellen. Fehlt ein Teil, muss nicht das ganze Set entsorgt werden.

Nachhaltigkeitsstrategie

Beim deutschen Spiele- und Puzzlehersteller Ravensburger wird laut einem Sprecher vor allem recyceltes Papier und Karton sowie FSC-zertifiziertes Papier für die Produktion in Ravensburg und Policka (Tschechien) verwendet. Der Spiele-Riese hat für die Zukunft auch noch einiges nachhaltiges vor: Einwegplastik vermeiden, CO2-Neutralität bis 2023, Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energiequellen decken. Man habe 2019 eine Nachhaltigkeitsstrategie entworfen. Der Strom ist bereits öko, Schutzfolien um Bücher wurden „erheblich reduziert“.

Potenzial Nachhaltigkeit

Dass auf Nachhaltigkeit künftig von den Konsumentinnen und Konsumenten noch stärker Wert gelegt wird, glaubt Matador-Chef Tobias. Er ortet für sein Unternehmen für die kommenden Jahre großes Potenzial. Vor allem in den USA, Neuseeland, Australien und Israel verzeichne man stärkere Nachfrage, die werde sich hier noch stark erhöhen.

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