Matador-Eigentümer Michael Tobias.

© Martin Benik

Wirtschaft
04/23/2021

Warum Matador für Kinder "der Hammer" ist

Das österreichische Holzspielzeug aus der Kaiserzeit schlägt sich auch heute noch wacker. Das hat gute Gründe

von Thomas Pressberger

Die Corona-Krise hat auch beim traditionsreichen österreichischen Baukastenhersteller Matador für die eine oder andere Erschütterungen gesorgt. „Sicher waren die Kinder ein bisschen mehr eingesperrt und es wurde mehr gespielt“, sagt Eigentümer Michael Tobias. Der Spielwarenbranche sei es zwar in den vergangenen Monaten gut gegangen, Matador hätte sich ohne Corona aber wahrscheinlich besser entwickelt.

Die Baukästen werden leichter über den Fachhandel als online verkauft und wollen hergezeigt und erklärt werden, sagt Tobias. Und das sei wegen der Lockdowns oft nicht möglich gewesen. Trotzdem hat er begonnen, einen Online-Shop aufzubauen, um näher am Endkunden und weniger von Distributoren abhängig zu sein.

Zentrales Element

Das Kultspielzeug aus Österreich, das seit 1903 mit Ausnahme eines Zeitraums von zehn Jahren durchgehend produziert wird, kann auch in Zeiten, in denen übermächtige Konkurrenten wie Lego ausgeklügelte Marketingstrategien fahren, bestehen. Der Grund, warum Matador immer noch funktioniert ist einfach, sagt Tobias: „Kinder lieben es, wenn sie mit einem Hammer etwas zusammenbauen können.“

Der Hammer sei eines der zentralen Elemente bei Matador. Es gehe weniger darum, schöne detailgetreue Modelle zu fertigen, sondern um den Weg dorthin, um etwas zu bauen. Doch nicht nur Kinder vom Babyalter bis zwölf Jahre sind seine Zielgruppe, auch Erwachsene spielen mit Matador. Viele würden gerne komplexe Bauten erstellen, Pensionisten würden ihre Motorik damit schulen. Für Tobias sind sie ein Zukunftsmarkt.

Was Matador sonst noch drauf hat, kann man im Wiener Uhrenmuseum sehen. Dort hängt eine Uhr ausschließlich aus Matador gebaut, die am Tag nur zwei Minuten falsch geht. Sie wurde ursprünglich aus Zwecken der Veranschaulichung, wie ein Uhrwerk funktioniert, angefertigt, sorgt als „Holzuhr“ aber heute noch für Begeisterung.

Der Zuspruch, dass Tobias Matador neues Leben eingehaucht hat, war von Anfang an groß: „Für viele ist das mehr als ein Spielzeug.“ Viele würde es an ihre Kindheit erinnern und Emotionen wecken. Er habe viele ältere Leute getroffen, die Tränen in den Augen gehabt und Geschichten aus ihrer Kindheit erzählt hätten.

Fragen wegen des Namens

Matador ist auch wieder wie früher international erhältlich. Neben Europa beliefert Tobias auch Märkte in Übersee, wie die USA, China, Australien, Neuseeland und Israel. Das Hauptgeschäft liegt jedoch in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Aus Spanien kommen immer wieder Anfragen, wie man auf den Namen gekommen sei, erzählt Tobias.

„Matar“ heißt auf Spanisch „töten“ – auf lateinisch heißt „Mactator“ sogar „Mörder“ und „Schlächter“. Das davon abstammende Wort „Matador“ sei nicht der naheliegendste Name für ein Kinderspielzeug, so die Einwände. „Er ist ein Matador in seinem Bereich“, war früher ein gängiger Spruch, jemanden als den Besten in einer Disziplin zu bezeichnen, erklärt Tobias. Daher kam der Name. Matador sollte als bestes Spielzeug im Bereich Konstruktionsbaukästen gelten.

Schwieriges Comeback

Der Weg zurück zum „Matador“ der Baukästen war kein einfacher. 1996 kaufte Tobias dem ehemaligen Zeitungsmacher Kurt Falk die Markenrechte ab, damals stand die Produktion. Tobias war davor geschäftlicher Leiter und Teilhaber eines Unternehmens im Baunebengewerbe, begann also als Quereinsteiger. „Anfangs habe ich unterschätzt, was die Anforderungen an die Technologie betrifft“, sagt er.

Wer meint, Holzbausteine herzustellen sei keine Wissenschaft, irrt. Die Herstellung ist hochanspruchsvoll, es sind Toleranzen von nur einem halben Zehntelmillimeter erlaubt, andernfalls lassen sich die Teile nicht ordentlich zusammenstecken. „Solche Werte gibt es normalerweise nur in der Metallindustrie“, sagt Tobias.

Nur mit Sondermaschinen, extra für Matador angefertigt, lasse sich die entsprechende Genauigkeit erzielen. Tobias zieht vor den Tischlern der 50er- und 60er-Jahre den Hut. Damals sei viel mehr mit der Hand gearbeitet worden, Fertigkeiten, die es heute nicht mehr gebe. Auch die Auswahl des Holzes will gelernt sein. Etwa welcher Teil des Holzes für welchen Bauteil geeignet ist.

Jenes mit engen Jahresringen ist härter, das wird für lange, dünne Teile verwendet. Weicheres reicht für Klötze. Das Holz stammt aus Salzburg und ist von der Rotbuche, so wie seit 118 Jahren schon, erzählt Tobias. Der Hauptholzlieferant würde schon zwei Jahre vor der Lieferung das geeignete Holz auf die Seite legen, er wisse genau, was Matador brauche.

Mit Altem kompatibel

Das Produkt ist praktisch gleich wie vor 118 Jahren. Nur Details haben sich geändert, etwa das die Verbindungsstäbchen nicht mehr mit Bienenwachs, sondern einem ungiftigen, speichelfesten Lack lackiert sind. Die neuen Bausteine sind laut Tobias mit alten kompatibel, man könne alte Bausätze problemlos durch neue ergänzen.

Der Nachhaltigkeitstrend wird Matador in Zukunft nützlich sein, glaubt er. Über das Thema werde nicht nur geredet, es werde auch etwas getan. Ökologisches Spielzeug rücke mehr in den Fokus, in fünf Jahren könne sich der Umsatz verdoppeln. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei rund einer Million, für 2021/22 wird mit einem Plus von 20 bis 30 Prozent auf 1,2 bis 1,3 Millionen Euro gerechnet.

Unübertroffen sei Matador beim Thema Recycling. Die meisten Teile könne man einfach verbrennen – oder sogar im Wald wegwerfen.

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