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freizeit Fragen der Freizeit
04/20/2021

Warum bleibt uns der erste Kuss unvergesslich?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Andreas Bovelino

Das erste Fahrrad? Keine Ahnung. Rot vielleicht, oder doch blau? Die erste Party? Hm, nein, die verschwimmt mit den vielen anderen. Die erste Studenten-WG-Bude? Uff, irgendwie schon, aber nur ganz dunkel.

Der erste Kuss? Yeah Baby! Party in der Pfarre Mülln, Spätherbst, draußen schon kühl, drinnen Jethro Tull, Peter Frampton, Santana. Und „sie“, Zotteljacke, dunkelbrauner Wuschelkopf, Pfirsichshampoo, Patchouli-Wolke. Verena, die schönste 14-Jährige der Welt, die mich für älter hielt, als ich war. Eine Erinnerung so deutlich, dass sie beinahe greifbar scheint. Aber warum ist das so? Warum vergessen wir so viele kleine und große Premieren, und erinnern uns aber an etwas fast schon Unschuldiges wie einen Kuss?

Emotionen machen Erinnerung 

Emotionen sorgen dafür, dass sich Ereignisse in unserem Gedächtnis festsetzen, das weiß die Wissenschaft schon lange. Je stärker die Emotion, desto deutlicher die Erinnerung. Wobei zu großer Stress oder Angst, also negative Gefühle, daran Schuld sein können, dass wir ein Ereignis völlig „verdrängen“, wie Freud herausgefunden hat. Unter Umständen kann das natürlich auch bei einem Kuss passieren, normalerweise ist es aber so, dass dabei Oxytocin ausgeschüttet und das Stresshormon Kortisol abgebaut wird, wir uns also entspannt bis euphorisch fühlen. Das ist wichtig, weil Stress die „Synapsen blockiert“ und damit unsere Aufnahmefähigkeit reduziert, wie der deutsche Gehirnforscher Frederic Vester schon in den 1970ern feststellte.

Der britische Psychologe Paul Fletcher hat nun vor Kurzem herausgefunden, dass es im Besonderen das „Aha-Erlebnis“ ist, das für lebendiges Erinnern sorgt. Das Gegenstück dazu, also quasi der totale Memory-Killer: Die Routine. Marcel Proust half eine Madeleine, um sich an längst verloren geglaubte Einzelheiten seiner Kindheit zu erinnern. Das können auch Gerüche, Bilder, Klänge oder Melodien, lehrt uns heute die Psychologie.

We kiss the first of a million kisses, sangen die großartigen Fairground Attraction, und ja, genau das ist es: Auch wenn tatsächlich noch Millionen Küsse dazukommen – diesen einen wird man nicht vergessen.

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

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