Der Hauptsitz der EVN AG in Maria Enzersdorf, Niederösterreich.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Wirtschaft
12/16/2020

Sonne, Wind und Klärschlamm

Der niederösterreichische Energieversorger EVN richtet sich im Corona-Jahr strategisch neu aus.

von Martin Meyrath

Die Corona-Krise hat den Geschäftsverlauf der EVN laut Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz „nur punktuell“ beeinträchtigt. Der Energieversorger im Mehrheitsbesitz des Landes Niederösterreich hat bei einem Rückgang der Nachfrage auch weniger Umsatz und Gewinn erzielt als im Vorjahr (siehe Grafik). Das Ergebnis liegt aber am oberen Ende der Erwartungen.

Für die Zukunft ist die EVN trotz bestehender Unsicherheiten durch die weiteren Auswirkungen der Pandemie zuversichtlich. Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr fällt mit 0,49 Euro pro Aktie um einen Cent niedriger aus als 2019.

Strategie 2030

Die EVN hat heuer ihre Unternehmensstrategie überarbeitet, denn die letztgültige war bereits zehn Jahre alt und kannte weder das Pariser Abkommen noch den europäischen „Green Deal“ oder den geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien in Österreich. Im Zuge der „Strategie 2030“ soll das Unternehmen „nachhaltiger, digitaler, effizienter“ werden, so Szyszkowitz.

Das bedeutet zum einen den Ausbau der Kapazitäten bei erneuerbaren Energien. Die derzeitigen Windkraftanlagen der EVN haben eine Gesamtleistung von 370 Megawatt.

Dieser Bestand soll in den kommenden zwei Jahren durch Neuerrichtungen und Repowering bestehender Anlagen um 160 Megawatt erweitert werden. Insgesamt will die EVN in Österreich bis 2030 750 Megawatt Leistung aus Windkraft und Fotovoltaik zubauen

Aber auch Investitionen in die Netzinfrastruktur seien „essenziell“, erklärte Vorstandsdirektor Franz Mittermayer. Einerseits liege das am geänderten Gebrauchsverhalten, etwa durch den vermehrten Einsatz von E-Mobilität und Wärmepumpen. Andererseits steigt aber mit dem Anteil der erneuerbaren Energieträger auch die Volatilität.

Klärschlamm

Ein „sehr attraktives neues Geschäftsfeld“ verortet Mittermayer in der Verbrennung von Klärschlamm. Dabei werden thermische Energie und Strom gewonnen, der Phosphor der Asche kann als Dünger eingesetzt werden. Die EVN ist dabei in Projekte in Deutschland, Litauen und Polen sowie in Kuwait und Bahrain eingebunden.

Auch im niederösterreichischen Dürnrohr sollen zwei Klärschlammanlagen entstehen. Dort sollen künftig bis zu 80 Prozent des kommunalen Klärschlamms Niederösterreichs in Energie umgewandelt werden. Mit Fertigstellung ist frühestens 2024 zu rechnen.

Insgesamt plant die EVN in den kommenden drei bis fünf Jahren Investitionen in Höhe von jeweils 450 Millionen Euro, zwei Drittel davon in Niederösterreich.

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