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Wirtschaft
07/30/2020

Großaufträge für EVN: 280 Millionen Euro mit Schlamm

Zuschlag für drei deutsche Klärschlamm-Verbrennungsanlagen für den niederösterreichischen Energieversorger.

von Anita Kiefer

Es gibt Wirtschaftszweige, die trotz der globalen Corona-Krise weiterlaufen, weil sie müssen – und zu ihnen gehört die Klärschlammverwertung. Dieses Abfallprodukt aus der Reinigung von Wasser in Kläranlagen wird entweder als Dünger auf Feldern angebracht, auf Deponien gelagert oder verbrannt.

Erstere zwei Varianten sind insofern problematisch, als Klärschlamm auch schädliche Stoffe wie Medikamentenrückstände oder Hormone enthalten kann. Und für Letzteres hat der niederösterreichische Energieversorger jetzt drei Großaufträge an Land gezogen.

In Deutschland baut nämlich die WTE Wassertechnik GmbH, eine 100-Prozent-Tochter der EVN, jetzt mehrere dieser Klärschlammverbrennungsanlagen mit, wie der KURIER erfuhr. In Berlin baut sie die mit der eigenen Tochter WTE Betriebsgesellschaft GmbH – Auftragsvolumen 190 Millionen Euro. In Hannover und dem niederbayrischen Straubing baut die WTE in einem Joint Venture mit einer zweiten Firma.

Die ungleich größte Anlage ist jene in Berlin. Dort können künftig pro Jahr rund 300.000 Tonnen kommunalen, nassen Klärschlamms entwässert und verbrannt werden. In Hannover und Straubing (Auftragswert 40 bzw. 50 Millionen Euro für die WTE) sind es mehr als die Hälfte weniger.

Bei allen genannten Anlagen handelt es sich übrigens um sogenannte Monoverbrennungsanlagen – hier wird also nur Klärschlamm verbrannt, und nicht etwa Müll mitverbrannt. Der Vorteil: Aus der übrigen Asche kann Phosphor rückgewonnen werden, der für Düngemittel eingesetzt werden kann. Bei der Verbrennung des Klärschlamms wird die entstehende Energie in Wärme oder Strom verwandelt.

Generell sieht die EVN in den Bereichen Kläranlagen sowie Klärschlammverbrennung großes Potenzial. Aktuell macht das Umweltgeschäft – dazu gehören auch die Themen Müll und Trinkwasser – rund zehn Prozent des Umsatzes der EVN aus.

„Der Bedarf an Klärschlammverbrennung wird stark ansteigen. Dafür sind wir gut gerüstet, weil wir in der Lage sind, unterschiedliche Anlagengrößen zu bauen und wir auch die Technik davor kennen“, erklärt EVN-Sprecher Stefan Zach dem KURIER. Immerhin ist die EVN-Tochter WTE bereits Spezialistin im Bau von Kläranlagen.

Zukunftsmarkt bei der Klärschlammverbrennung sei neben Deutschland auch der arabische Raum sowie Österreich. „Das Interesse ist da“, so Zach. Vor allem weil die gesetzlichen Bestimmungen für Klärschlammanbringung als Dünger vielerorts immer strenger werden.

Klärschlammverbrennung ist für die EVN aber nicht nur im Ausland ein Thema. In Dürnrohr (Bezirk Tulln) entsteht am Standort des ehemaligen Kohlekraftwerks ebenfalls eine solche Anlage. Rund 140.000 Tonnen nasser, kommunaler Klärschlamm sollen hier in Zukunft (frühestens ab 2024) verbrannt werden.

Somit können in Dürnrohr „80 Prozent des in Niederösterreich anfallenden kommunalen Klärschlamms in Energie umgewandelt werden“, erklärt Zach.

Die notwendige Infrastruktur wie der Bahnanschluss ist gegeben. Kostenpunkt: Rund 40 Millionen Euro, je nach Ausgestaltung der Anlage. In Dürnrohr entsteht übrigens auch eine Fotovoltaik-Anlage, sie wird in den nächsten Wochen eingereicht. Kostenpunkt rund 15 bis 20 Millionen Euro.

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