Ende von 3-G: Internationale Gäste wieder im Anflug

View to lake Attersee with sailing boat, Mountains of austrian alps near Salzburg, Austria Europe
Gute Buchungslage für die Sommersaison. Viele holen versäumte Urlaube nach. Spätestens ab dem Winter schlägt die Inflation in den Reisekosten voll durch.

Die 3-G-Kontrollen bei der Einreise sind seit dieser Woche auch in Österreich Geschichte. „Gott sei Dank. Wir waren eines der letzten Länder, die diese Einreisebeschränkungen noch hatten“, formuliert es Lisa Weddig, Chefin der Österreich Werbung, bei den Tourismustagen in Wien.

Aus ihrer Sicht stehen alle Zeichen auf eine erfolgreiche Sommersaison. Kamen im vorigen Sommer coronabedingt 82 Prozent der Österreich-Urlauber aus dem DACH-Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz), so ziehen heuer auch außerhalb dieser Kernmärkte die Buchungen wieder an. Weddig berichtet von deutlich mehr Nachfrage aus Italien, Spanien, Frankreich, den Niederlanden und dem arabischen Raum. „Gedämpft“ sei dagegen die Nachfrage aus Süd- und Osteuropa. Nicht nur wegen dem Krieg in der Ukraine, auch weil die Inflation die Urlaubsbudgets ausradiert.

Inflation schlägt spätestens im Winter durch

Helga Freud vom Verkehrsbüro (unter anderem Ruefa Reisen, Eurotours, Hofer Reisen, Austria Trend Hotels) macht sich um den Sommer auch wenig Sorgen. „Die Buchungslage ist wirklich gut“, sagt sie am Rande der Tourismustage zum KURIER. Veranstalter haben ihre Urlaubspakete längst festgezurrt, oft noch zu Preisen, die bereits vor dem Krieg in der Ukraine und den hohen Inflationsraten ausgedealt wurden. Im Winter und im kommenden Sommer werden die Preiserhöhungen aber durchschlagen, fürchtet die Branchenkennerin. Schließlich werde alles teurer, vom Kerosin über die Heizung im Hotel bis hin zu den Lebensmitteln.

Generell kann die bis zur Pandemie erfolgsverwöhnte Tourismusbranche aber noch nicht an ihre alten Erfolge anknüpfen. Im Jänner hinkten die Nächtigungszahlen nur 33 Prozent hinter dem Vorkrisenniveau hinterher, im Februar waren es 25, im März 19 Prozent. Immerhin, die Richtung stimmt, ist man sich in der Branche einig, dass einem erfolgreichen Sommer nichts im Wege steht. Zumindest was die Buchungen angeht.

Anders schaut es bei den Diensteinteilungen aus. Nach wie vor sind in vielen Betrieben zahlreiche Stellen unbesetzt. Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) sprach im Ö1-Morgenjournal von mehr als 20.000 offenen Stellen. „Ich denke die Zahl wird irgendwo um die 35.000 liegen, wenn man die gesamte Kernsaison des Sommers betrachtet“, schätzt die neue Staatssekretärin, Susanne Kraus-Winkler, mit Blick auf Hotellerie und Gastronomie. Die Reisebüros und andere Bereiche suchen aber auch Personal, merkte sie an.

Von politischer Seite her kam es bei den Rahmenbedingungen für den Jobmarkt im Tourismus bereits zu ersten Erleichterungen: „Die Rot-Weiß-Rot-Karte wurde verbessert - das war ein erster und ein wichtiger Ansatz“, strich Kraus-Winkler hervor. Auch das Punktesystem für Fachkräfte sei vereinfacht worden. Die Neuregelung für Stammsaisonniers, die im Dezember 2021 fixiert wurde, zeigt auch schon Wirkung: „Bisher wurden dadurch 750 zusätzliche Stellen geschaffen“, berichtete die Tourismusexpertin. Für 2023 sei zudem eine umfassende Arbeitsmarktreform geplant, erinnerte Kraus-Winkler. Ziel sei unter anderem „eine schnellere Vermittlung am Arbeitsmarkt“. Es seien alle Mittel auszuschöpfen, um „die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder zurückzuholen, die aus unserer Branche abgewandert sind“.

Auch der Bundesspartenobmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Robert Seeber, machte die hohe Zahl an offenen Stellen in der Branche als eine der vier Hürden der Zukunft fest - neben der Pandemie, dem Ukraine-Krieg und dem hohen Investitionsdruck, den die Betriebe verspürten. „Der Arbeitsmarkt war schon vor Corona angespannt, hat sich in der Krise verschärft“, hielt Seeber fest. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien „teilweise in Pflegeberufe abgewandert, zu Banken/Versicherungen oder in den öffentlichen Dienst“, berichtete der Branchensprecher. „Wir haben einen Arbeitnehmermarkt, keinen Arbeitgebermarkt, das sind Sachen, die wir spüren.“ Es habe nicht nur der Tourismus Probleme, sondern alle Branchen.

Kommentare