VÖSI-Präsident Peter Lieber ist selbst Software-Unternehmer

© Kurier/Juerg Christandl

Wirtschaft
01/02/2021

Software-Branche: "Viele Freelancer lassen sich jetzt anstellen"

VÖSI-Präsident Peter Lieber rechnet mit Pleitewelle bei Ein-Personen-Unternehmen. Die Covid-Hilfen seien unfair verteilt.

von Anita Staudacher

Als eine der wenigen Wirtschaftszweige zählt die heimische Software-Industrie zu den Gewinnern der Covid-Krise. Der durch Homeoffice, Homeschooling und der staatlichen Investitionsprämie angekurbelte Digitalisierungsschub bescherte der Branche 2020 einen Mehrumsatz von 7 bis 8 Prozent, schätzt Peter Lieber, Vorsitzender des Verbandes  Österreichischer Software-Industrie (VÖSI).
 

EPU-Branche

Von der Krise profitieren würden aber vor allem globale Branchenriesen wie Microsoft oder SAP,  gibt Lieber zu Bedenken, während viele Klein- und Kleinstbetriebe  im Projektgeschäft zu kämpfen hätten. Problem ist hier die Kleinteiligkeit der heimischen IT-Branche, die  zu zwei Drittel aus Ein-Personen-Unternehmen (EPU) besteht. Ein Großteil davon sind so genannte Freelancer, die vom Projektgeschäft oder Outsourcing leben, das coronabedingt etwa im Tourismus völlig zum Erliegen kam. „Viele Freelancer sind weggebrochen. Sie sind die ersten, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Aufträge verlieren“, berichtet Lieber.

Die Corona-Hilfen der Regierung hält Lieber, der auch Präsident des Gewerbevereins ist,  zwar grundsätzlich für richtig gesetzt.  Es wurde aber  zuwenig auf die Kleinteiligkeit der heimischen Wirtschaft Rücksicht genommen. „Es ist nicht ganz fair, die EPU mit 500 bis 1.000 Euro aus dem Härtefallfonds abzuschasseln, immerhin stellen sie die Mehrheit der Wirtschaftsbetriebe in Österreich und sind größte Beitragszahler in der Wirtschaftskammer“. Auf der anderen Seite könnte sich US-Software-Riese Microsoft für das – angekündigte – Cloud-Milliardenprojekt in Österreich –   140 Mio. Euro an staatlicher Investprämie abholen. „Die Förderungen waren sicher ausschlaggebend für die Standort-Entscheidung“, glaubt Lieber.

Frust bei Start-ups

Besonders Start-ups, die mit viel Steuergeld zum Gründen quasi überredet wurden, seien nun frustriert. Allerdings trenne die Krise auch die Spreu vom Weizen und zeige, wer überlebensfähig ist.  „Um die guten Leute muss man sich in der IT-Branche keine Sorgen machen.“

"Mit der Hand im Mund"

Allgemein sei die Lage der EPU prekär. „Wir rechnen damit, dass aufgrund der Corona-Krise im schlimmsten Fall ein Viertel bis zu einem Drittel der Kleinstfirmen pleite gehen wird“, malt der Branchensprecher ein düsteres Bild. „EPU heißt halt oft, mit der Hand im Mund leben. Da gibt es nur zwei bis drei Kunden, wenn die wegfallen, ist es ganz schnell aus.“ Viele hätten jetzt ein Loch von einem halben Jahr und würden daher die Selbstständigkeit aufgeben.  „Ich kenne viele Programmierer oder Projektentwickler, die sich jetzt anstellen lassen“. Oft auch nur, um eine sichere Position zu haben. Da gebe es eine größere Umwälzung.

Regionalisierung

Beim politischen Lieblings-Thema Regionalisierung vermisst Lieber den Einsatz für österreichische  bzw. europäische Software-Lösungen, etwa im Bildungsbereich oder bei Rechenzentren. Microsoft könne hier ungehindert seine Marktmacht ausspielen. Bei öffentlichen Ausschreibungen würden  meist internationale Referenzen verlangt. Lieber kann sich eine länderübergreifendes Projekt wie „Airbus“ in der Luftfahrtbranche vorstellen. So etwas würde der europäischen Software-Branche guttun.

Verknüpfen könnte man das Projekt mit einer eigenen E-Identitiät (digitaler Pass) für alle Europäer. Damit wäre man nicht länger den großen Plattformen ausgeliefert, die alle Daten bereits gesammelt haben. Ohne gemeinsamer IT-Initiativen drohe Europa zum bloßen Kaufhaus für IT und Software zu verkommen.

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