So schützen sich ältere Menschen vor gefährlichen Cyberattacken
Die Cyberkriminalität in Österreich und Europa erreicht eine neue Dimension: Nicht nur werden die Angriffe komplexer und professioneller, sie treffen auch zunehmend gezielt ältere Menschen. Das zeigt der aktuelle „Cyber Report" des Wirtschaftsinformationsdienstleisters CRIF, der am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.
Senioren im Fadenkreuz der Cyberkriminellen
Besonders alarmierend: Personen zwischen 51 und 60 Jahren sowie über 60-Jährige zählen zu den am stärksten exponierten Nutzergruppen im Internet. „Diese Altersgruppen sind überproportional von Datendiebstahl und Cyberangriffen betroffen", erklärt Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich. Die Gründe dafür sind vielfältig: Oft nutzen ältere Menschen schwächere Passwörter, sind weniger vertraut mit digitalen Bedrohungen und fallen leichter auf ausgefeilte Betrugsmaschen herein.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2025 registrierte CRIF weltweit mehr als 2,2 Millionen Warnmeldungen im Zusammenhang mit Datenexposition im Dark Web – ein Anstieg von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch besorgniserregender: Die durchschnittliche Schwere dieser Vorfälle nahm um 22 Prozent zu.
Professionalisierung der Cyberkriminalität
Für ihre Analyse durchsuchte CRIF mit ihrem Londoner Tochterunternehmen Websites, Foren und spezialisierte Gemeinschaften des Dark Web und wertete dabei fünf Milliarden Datensätze aus. Das Ergebnis: Cyberkriminelle agieren heute wesentlich strategischer als noch vor wenigen Jahren.
Während früher oft einzelne Informationen kompromittiert wurden, zirkulieren heute vermehrt Kombinationen mehrerer sensibler Daten. In 94 Prozent der Fälle werden Kreditkartendaten zusammen mit Namen gehandelt, in 91,5 Prozent der Fälle E-Mail-Adressen mit Passwörtern. Besonders wertvoll für Betrüger: die vollständige Wohnadresse, die in 44,5 Prozent der Fälle gemeinsam mit Telefonnummern auftaucht.
„Wir beobachten, dass sich die Qualität der verfügbaren Daten verändert hat. Die Kombination mehrerer Informationen erhöht die Verwertbarkeit für Angreifer und macht Betrugsversuche gezielter", warnt Eisner-Schwarz.
Österreich im europäischen Mittelfeld
Im internationalen Vergleich belegt Österreich bei kompromittierten E-Mail-Domains Platz 28 weltweit – Deutschland liegt auf Platz 4. Bei gestohlenen Kreditkartendaten rangiert die Alpenrepublik auf Rang 74, bei geleakten Telefonnummern auf Platz 49 weltweit beziehungsweise Platz 10 innerhalb der EU.
„Österreich zählt im internationalen Vergleich zwar nicht zu den am stärksten betroffenen Ländern, gleichzeitig zeigen die Daten klar, dass auch hierzulande Cyberrisiken ein dauerhaft relevantes Thema bleiben – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmend komplexer und gezielter Angriffe", betont die CRIF-Geschäftsführerin.
Europa insgesamt ist die weltweit am stärksten betroffene Region beim Handel mit Kreditkartendaten und verzeichnet hier einen dramatischen Anstieg von mehr als 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu den europaweit am häufigsten attackierten Ländern zählen Deutschland, Frankreich und Spanien.
„123456789" – Die gefährlichste Sicherheitslücke
Ein Hauptproblem bleibt die Nachlässigkeit bei der Passwortsicherheit. In Österreich zählen „123456789", „passwort" und gängige Vornamen zu den häufigsten im Dark Web gefundenen Passwörtern. Gerade ältere Nutzer setzen oft auf einfach zu merkende, aber leicht zu knackende Kombinationen.
Hinzu kommt: Viele Menschen verwenden dasselbe Passwort für mehrere Dienste. Gelangt ein solches Passwort einmal in die Hände von Kriminellen, können diese damit gleich mehrere Konten kompromittieren – vom E-Mail-Postfach über Online-Banking bis zum Shopping-Account.
Künstliche Intelligenz als Waffe
Eine neue Dimension erreicht die Bedrohung durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz. Technologien wie automatisiert generierte Inhalte oder Deepfake-Anwendungen machen Angriffe immer schwerer erkennbar. KI-gestützte Phishing-Kampagnen ermöglichen zunehmend glaubwürdigere und präzisere Betrugsversuche.
„Technologische Entwicklungen führen dazu, dass Cyberangriffe effizienter und gleichzeitig komplexer werden. Dadurch steigen die Anforderungen an Prävention und Risikobewertung", so Eisner-Schwarz. Cyberkriminelle nutzen KI verstärkt zur Erstellung täuschend echter Identitäten, gefälschter Dokumente und personalisierter Kommunikationsinhalte.
Besonders perfide: Mit Hilfe von KI können Betrüger die Stimmen von Angehörigen imitieren und so ältere Menschen am Telefon dazu bringen, Geld zu überweisen oder sensible Daten preiszugeben.
Auch Unternehmen im Visier
Neben Privatpersonen geraten auch Unternehmen verstärkt ins Fadenkreuz der Cyberkriminellen. Der Anteil kompromittierter Geschäftskonten ist 2025 weltweit auf 9,8 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass auch organisationale Strukturen zunehmend Ziel von Cyberangriffen werden – mit potenziell verheerenden wirtschaftlichen Folgen.
Prävention wird zur Pflicht
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein strukturierter, datenbasierter Umgang mit Cyberrisiken zunehmend an Bedeutung. Unternehmen und Privatpersonen stehen vor der Herausforderung, ihre Datenexposition besser zu verstehen und Risiken kontinuierlich zu bewerten.
„Ein bewusster und transparenter Umgang mit Daten ist eine zentrale Voraussetzung, um Risiken frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen", betont Eisner-Schwarz. CRIF führt dazu ein kontinuierliches Monitoring sowie eine strukturierte Analyse von im Internet zirkulierenden Daten durch, mit besonderem Fokus auf risikobehaftete Umgebungen wie dem Dark Web.
Experten empfehlen älteren Menschen:
- Starke, einzigartige Passwörter für jeden Dienst verwenden
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren
- Misstrauen bei unerwarteten E-Mails oder Anrufen
- Regelmäßige Updates von Software und Betriebssystemen
- Schulungen zur Erkennung von Phishing-Versuchen wahrnehmen
Die Botschaft ist klar: In einer zunehmend digitalisierten Welt wird Cybersicherheit zur Generationenfrage – und gerade die ältere Generation braucht mehr Unterstützung und Aufklärung, um sich gegen die wachsenden Bedrohungen zu wappnen.
Kommentare