Cyberangriffe: KI setzt österreichischen Firmen zu
Zusammenfassung
- Knapp die Hälfte der österreichischen Unternehmen sieht KI-gestützte Cyberangriffe als größte Herausforderung für die Cybersicherheit.
- Schwachstellen werden durch KI schneller ausgenutzt, wobei insbesondere E-Mail-Schadsoftware, Phishing und Angriffe über Lieferketten zunehmen.
- Fehler beim Einsatz von KI führen bei 61 Prozent der Unternehmen zu Cybersicherheitsvorfällen, und die hohe Abhängigkeit von ausländischer Technologie bleibt ein zentrales Thema.
Künstliche Intelligenz (KI) stellt österreichische Firmen bei der Cybersicherheit vor Herausforderungen. Knapp die Hälfte der Unternehmen geben an, dass bei Cyberangriffen auf sie verstärkt KI eingesetzt wird. Das geht aus der Studie "Cybersicherheit in Österreich" der Unternehmensberater von KPMG hervor, für die rund 1.400 Vertreterinnen und Vertreter heimischer Firmen befragt wurden. Für jedes zweite Unternehmen stellen KI-gestützte Cyberangriffe die größte Herausforderung dar.
Die Technologie verändert auch die Angriffsarten. Schwachstellen in Software und Hardware, die von KI schnell aufgespürt werden können, werden deutlich intensiver ausgenutzt als noch vor einem Jahr. Bei 58 Prozent der Attacken versuchen Angreifer, über Sicherheitslücken in die IT-Systeme von Unternehmen einzudringen. Häufiger geschieht das nur über Schadsoftware in E-Mail-Anhängen (78 Prozent) und Phishing-Attacken (69 Prozent).
Schwachstellen werden schneller ausgenutzt
Die Zeitspanne zwischen dem Auffinden von Schwachstellen und deren Ausnutzung durch Angreifer hat deutlich abgenommen. Was früher zwei Monate gedauert habe, werde heute innerhalb von Stunden ausgenutzt, sagt Studienautor Robert Lamprecht von KPMG bei der Präsentation der Erhebung am Dienstag.
Nicht zuletzt deshalb sei das Einspielen von Updates und die Aktualisierung von Systemen zentral. In 40 Prozent der erfolgreichen Angriffe war das mangelhafte Stopfen von Sicherheitslücken Einfallstor.
Der Einsatz von KI bringe verstärkt automatisierte Angriffsmodelle mit sich, sagt Lamprecht: "Wir bewegen uns hin zu Systemen, die Entscheidungen autonom treffen." Immerhin 28 Prozent der befragten Firmen haben sich bereits mit dem Einsatz von KI zur Verbesserung der eigenen Cybersicherheit beschäftigt.
Anwendungsfehler
Aber auch der Einsatz von KI in Unternehmen birgt Gefahren. Bei 61 Prozent führten Fehler bei der Anwendung der Technologie zu Cybersicherheits- und Datenschutzvorfällen und zum Abfluss von Unternehmensinformationen. Als Beispiel nennt Lamprecht das Vibe-Coding, bei dem Software in natürlicher Sprache beschrieben und von der KI erstellt wird: "Das ist nicht immer perfekt."
Angriffe über Lieferkette
Jeder achte Cyberangriff auf Unternehmen war laut der Studie im vergangenen Jahr erfolgreich. Am häufigsten war, wie auch im Jahr davor, die Automobilindustrie von Angriffen betroffen. Auch aufgrund der Abhängigkeit von zahlreichen Zulieferbetrieben, wie Lamprecht ausführt. Lieferketten werden in der Studie als zentrale Schwachstelle identifiziert. Jedes fünfte Unternehmen gibt an, dass es im Zusammenhang mit einem Angriff auf Dienstleister oder Lieferanten zu einem Angriff auf das eigene Unternehmen kam. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.
Nach der Automobilindustrie rückte der Tourismus bei den angegriffenen Branchen auf die zweite Stelle vor. Lamprecht führt das auf die Digitalisierungsanstrengungen in dem Sektor zurück. Wenn es um Kunden- oder Zahlungsdaten gehe, seien Tourismusunternehmen interessante Ziele, sagt der KPMG-Partner.
Das Gros der Angriffe wird der organisierten Kriminalität zugeschrieben. Bei fast 40 Prozent lassen sich die Urheber nicht identifizieren. 10 Prozent werden staatlich unterstützten Akteuren zugerechnet.
Hohe Abhängigkeit
Thema der Erhebung war auch die digitale Souveränität. Die Abhängigkeit von Technologien aus anderen Ländern ist hoch. 70 Prozent der heimischen Firmen sehen sie sehr oder eher gegeben. Mehr als die Hälfte davon geben an, nur bis zu drei Monate ohne entsprechende Technologien weiterarbeiten zu können.
Lamprecht sieht darin auch eine große Chance für den Standort Europa. "Wir haben die Chance, Abhängigkeiten zu reduzieren und einen eigenen Markt zu schaffen."
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