Neues Gesetz gegen Mogelpackungen: Das ändert sich bei Billa, Spar & Co
Weniger Packungsinhalt, gleicher Preis: Die sogenannte Shrinkflation ist für viele Konsumenten ein Ärgernis. Meist geschieht sie heimlich. Nur ein sorgfältiger Blick auf den Grundpreis (also den Preis pro Kilogramm oder Liter) gibt Aufschluss über die versteckte Teuerung. Durch das neue Anti-Mogelpackungs-Gesetz, das am Mittwoch im Nationalrat beschlossen wurde, sagt die Bundesregierung der Shrinkflation den Kampf an.
Das Gesetz verpflichtet Lebensmittelhändler und Drogerien dazu, betroffene Produkte 60 Tage lang zu kennzeichnen. Das kann etwa durch einen Hinweis am Produkt, am Regal, in unmittelbarer Umgebung oder per Informationsschild geschehen. Bei Verstößen drohen in letzter Konsequenz Geldstrafen bis zu 15.000 Euro. Das Gesetz tritt mit Anfang April in Kraft und ist bis Mitte 2030 befristet. Ausgenommen sind kleine Händler.
Billa weist bereits seit Jänner mit Schildern auf Shrinkflation hin
Im heimischen Lebensmittelhandel bereiten sich bereits die Ersten auf die neuen Vorgaben vor. Bei Billa und Billa Plus werden etwa bereits seit 2. Jänner 2026 betroffene Produkte von Lieferanten ausgewiesen. Hierfür bringen Mitarbeiter neben dem Preisschild am Regal einen Hinweis an. "Der Lieferant hat bei erhöhtem Preis den Packungsinhalt reduziert. Der Grundpreis hat sich somit im Vergleich zu vorher erhöht", warnt das gelb-rote Schild.
Die Supermarktkette wolle durch die Initiative für Kunden "eine Schutzschildfunktion" übernehmen und bei den Produzenten "Überzeugungsarbeit leisten, keine Shrinkflation-Produkte anzubieten", sagt Billa-Vorstandsvorsitzender Erich Szuchy. Im Jahr 2025 waren rund 50 von insgesamt 20.000 Artikeln von Shrinkflation betroffen, teilt Billa mit.
Seit Beginn des heurigen Jahres wurde nur ein Produkt geschrumpft - der "Milka Schoko Snack". Ob der Hinweis am Regal Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten hatte, könne man aktuell nicht abschätzen, heißt es auf KURIER-Nachfrage.
"Ungerecht": Spar und Lidl kritisieren die neuen Vorgaben
Weniger konkret laufen die Vorbereitungen bei den Mitbewerbern Spar und Lidl. Beide Ketten teilen dem KURIER mit, die Vorgaben erfüllen zu wollen, üben aber auch Kritik am neuen Gesetz. "Wir finden es nach wie vor ungerecht, dass man die Arbeit wieder dem Handel umhängt. Denn weniger in eine Packung zu geben, ist ja die Entscheidung der Hersteller", sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann dem KURIER.
Auch Lidl Österreich teilt mit, man sieht die Verantwortung bei den Produzenten. Die Thematik sei "im Kern unabhängig vom Regalpreis", heißt es. Keine Shrinkflation werde es bei Produkten der Handelseigenmarken geben, versprechen Spar und Billa. Auch bei Hofer, wo das Sortiment zu 90 Prozent aus Eigenmarken-Artikeln besteht, will man Shrinkflation zumindest bei diesen Produkten zu verhindern, sagt die Diskonter-Kette.
Lob für das neue Gesetz gibt es von den Verbraucherschützern vom Verein Foodwatch. Es sei "ein wichtiger Erfolg" für Konsumenten, heißt es. Weiterhin sei allerdings entscheidend, dass die Neuregelung "keine Schlupflöcher" enthalte.
Bundesregierung will auch den "Österreich Aufschlag" bekämpfen
Für ihr Vorhaben, die Lebensmittelpreise zu senken, nimmt sich Bundesregierung nicht nur der Shrinkflation, sondern auch der territorialen Lieferbeschränkungen an. Der sogenannte "Österreich Aufschlag" führt hierzulande bei identen Produkten zu teureren Preisen als etwa im Nachbarland Deutschland.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) wird am Donnerstag in Brüssel gemeinsam mit sieben anderen betroffenen Staaten über einen eigenen Vorschlag im Kampf gegen länderspezifische Aufschläge beraten. Seitens der Europäischen Union sei diesbezüglich bis dato nichts gekommen.
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