Wirtschaft
05.12.2011

Seltene Erden - gar nicht so selten

Österreich ist innerhalb der EU zweitgrößter Importeur von Seltenen Erden. Wegen der chinesischen Exportbeschränkungen begeben sich die Konzerne nun auf die Suche nach Alternativen.

Seit Wochen donnern die westlichen Industriestaaten gegen Chinas seltene Erden-Exportbeschränkung. Die Hüter des Freihandels, die WTO, hat bereits einen Warnschuss in Richtung Peking abgegeben. Die Aufregung kommt nicht von ungefähr, die seltenen Erden sind Bestandteil praktisch jeglicher Zukunftstechnologie - vom Handydisplays über Elektromobilität bis hin zum Windrad. Doch die Abhängigkeit vom Quasi-Monopolisten China ist zum Teil hausgemacht.

Auch österreichische Unternehmen sind von den Exportbeschränkungen betroffen, die Treibacher Industrie AG zum Beispiel. Immerhin ist das österreichische Unternehmen führend in Chemie und Metallurgie und mitverantwortlich für Rang zwei der Österreicher als Importeur von seltenen Erden innerhalb der EU (Anm.: Nur Frankreich holt sich mehr von den gar nicht so seltenen Metallen).

Ärger über Exportbeschränkungen

Alexander Bouvier, Vorstand der Treibacher AG: "Sie sind die Vitamine des modernen Lebens. Und für Treibacher ein wesentlicher Bestandteil des Produktportfolios." Auch wenn Treibacher dank guter Lagerbestände vor keinem Engpass steht und die Metalle aus Mangel an Alternativen vorerst weiterhin aus China beziehen wird, macht sich auch hier Ärger über die Exportbeschränkungen breit. "Die Entwicklungen sind ärgerlich und wir hoffen wirklich sehr, dass der westlichen Welt der Druck genommen wird", sagt Bouvier. Die Zeichen dafür stehen gut, da derzeit eifrig daran gearbeitet wird, stillgelegte Minen, Mountain Pass in den USA zum Beispiel, wegen der hohen Preise und der unliebsamen Abhängigkeit von China zu reaktivieren.

Auch wenn China die Monopolstellung heute strategisch zu nutzen weiß, die westlichen Länder sind an dieser Abhängigkeit nicht ganz unschuldig. Bis in die 1990er-Jahre stammte das Gros der weltweiten Produktion aus eben diesem Bergwerk in Mountain Pass. Da die Kosten im Vergleich zum Billiglohnland China jedoch zu hoch waren, wurde die Exploration eingestellt. Mit dem neuerdings stetig wachsenden Bedarf und dem sinkenden Angebot steigt nun auch wieder der Anreiz in Projekte zu investieren und neue Allianzen zu schließen. Siemens etwa hat kürzlich bekannt gegeben, ein Joint Venture mit der australischen Minengesellschaft Lynas Corporation Limited zu starten, um die Versorgung mit seltenen Erden zu sichern.

"Wir rechnen damit, dass sich die Lage in den nächsten ein, zwei Jahren entspannen wird. Wenn die Chinesen das Preisniveau halten, dann werden Produktionen in Westen durchaus wettbewerbsfähig sein", sagt Bouvier.

"Überdramatisiert"

Leopold Weber aus dem Wirtschaftsministerium bezeichnet die Lage ohnehin als "überdramatisiert". "Ich bin allerdings sogar glücklich über diese Überdramatisierung, weil dadurch wachgerüttelt wird und Alternativen gefunden werden müssen. Ohne Krise kann man nicht erwarten, dass Anreize gesetzt werden", sagt der hoch angesehene Rohstoffexperte. Bouvier stimmt dem zu: "Der Zwang war bisher nicht da, die Preise waren stabil, die Verfügbarkeit war gegeben."

Doch die Exploration von Vorkommen ist eine komplexe und kosten- und zeitintensive Angelegenheit. Die Funde der Japaner im Pazifik in bis zu 6000 Metern Tiefe sind vor allem eine Kostenfrage - bekannt sind sie an sich schon länger. "Ob man das aus dieser Tiefe zu einem vergleichbaren Preis herausbekommen kann, ist ein großes Fragezeichen. Es
werden überall Ressourcen gefunden. Der entscheidende Faktor wird sein, wie viele Projekte tatsächlich auf den Boden gebracht werden können", sagt Alexander Bouvier.
Neben der Exploration neuer Ressourcen veranlasst die künstliche Knappheit auch, Seltene Erden zu recyceln. Aber auch das stellt, aufgrund der geringen Menge in den Produkten, eine große Herausforderung dar.

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