© REUTERS/LUC GNAGO

Wirtschaft
09/25/2021

Schokolade: Wer am Weltmarkt das Sagen hat

Zwei Länder liefern 70 Prozent der weltweiten Kakaobohnen. Die Macht ist aber ganz wo anders gebündelt. Großkonzerne dominieren den Weltmarkt.

von Simone Hoepke

Wer glaubt, nichts von der Elfenbeinküste daheim zu haben, täuscht sich vermutlich. Zumindest, wenn irgendwo im Haus eine Tafel Schokolade liegt. Rund 70 Prozent der weltweit geernteten Kakaobohnen kommen von der Elfenbeinküste oder aus Ghana, 90 Prozent der europäischen Nachfrage werden von den westafrikanischen Ländern gedeckt. Reich sind die Kakaobauern mit ihrer Ernte nicht geworden, viele können mit ihrem Einkommen kaum ihre Familien ernähren.

Für sie ist der 1. Oktober der nächste wichtige Stichtag, erklärt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade-Österreich: „Die Regierungen von Ghana und der Elfenbeinküste geben an diesem Datum die neuen Fixpreise bekannt, die die Bauern für ihre Ernte bekommen.“ Basis für die Berechnung sind die aktuellen Preise an den Terminmärkten.

Da die Preise zuletzt im Keller waren, haben die beiden Lieferländer einen Fonds gegründet, der die Preise stützt. Klingt gut, war es nur bedingt, weiß Kirner. Denn die Kakaopreise sind im Ausmaß der Prämie gesunken – bei den Bauern ist also letztlich nicht mehr Geld angekommen. „Die großen Kakaoverarbeiter reden immer von Nachhaltigkeit und Fairness, sind aber nicht bereit, faire Preise zu bezahlen“, sagt Kirner. „Am 1. Oktober wird sich weisen, ob sich die Verarbeiter wieder aus ihrer Verantwortung herauswinden.“

„Die Verarbeiter“ sind im Wesentlichen drei Großkonzerne, die Kakaobutter, Kakaopulver und Kakaomasse an Produzenten rund um den Globus verkaufen. Zur Größenordnung: Die Nummer eins am Markt, Barry Callebout, hat in den ersten neun Monaten des Jahres mehr als 1,6 Millionen Tonnen Ware verkauft und damit umgerechnet knapp fünf Milliarden Euro umgesetzt.

Die Konzentration entlang der Wertschöpfungskette nimmt weiter zu. Mittlerweile dominieren fünf größten Schoko-Macher bzw. Markenartikelhersteller zwei Drittel des Weltmarktes, schätzen Experten. Der KURIER hat sich angeschaut, wer die großen fünf am globalen Süßwarenmarkt sind.

Mars: Ihre Schokolade hat die US-Unternehmerfamilie Mars in die Milliardärsliga gehievt. Ins Mars-Universum gehören Marken wie Snickers, Twix, M&Ms, Milky Way, aber auch Orbit-Kaugummis, Ben’s Reis (bis vor kurzem Uncle Ben’s genannt) oder Tierfutter (wie Royal Canin, Whiskas, Sheba und Pedigree). Der Konzernumsatz wird mit 40 Milliarden Dollar beziffert. Das Familienimperium mit Sitz in einem Vorort von Washington D. C. ist in vierter Generation in Familienhand und nicht börsenotiert. Die Enkel und Urenkel des Firmengründers Frank Mars halten sich vom Scheinwerferlicht fern, von den wenigsten gibt es Fotos, von vielen ist nicht einmal der Vorname bekannt. In Österreich hatte Mars bis vor kurzem zwei Fabriken, ein Futterwerk in Bruck an der Leitha und die Schokoladenfabrik in Breitenbrunn, die kürzlich an Ritter Sport verkauft wurde – inklusive der Marke Amicelli (siehe rechts).

Mondelez: Mondelez International ist ein an der Nasdaq notierter US-amerikanischer Lebensmittelkonzern mit Sitz in Illinois. Im Marken-Reich des Keks- und Schoko-Imperiums sind unter anderem Milka, Toblerone, Cadbury, TUC, Oreo, und LU. Im Geschäftsjahr 2020 setzte der Konzern in mehr als 150 Ländern insgesamt 26,6 Milliarden US-Dollar um – ein kleinerer Teil des Umsatzes kommt auch aus dem Kaugummi-Geschäft (Trident) sowie aus dem Verkauf von Käse (Philadelphia) und Getränken. Die Marke Mondelez gibt es übrigens erst seit 2012 – nach einer Abspaltung vom US-Geschäfts des Lebensmittelkonzerns Kraft Foods.

Macht der Konzerne

Nestlé: Unter dem Dach des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt sind mehr als 2.000 Lebensmittelmarken vereint, von Nespresso über Eis von Mövenpick oder Häagen-Dazs bis hin zu Tierfutter von Purina. Schoko wird unter anderem unter den Marken KitKat, Smarties, After Eight oder Lion verkauft. Der Umsatz 2020 lag bei mehr als 84 Milliarden Schweizer Franken.

Ferrero: Die italienische Unternehmensgruppe produziert in mehr als 30 Werken rund um den Globus. Neben diversen Kinder-Schokoladen (Country, Bueno, Maxi King, Pingui, Überraschungseier) zählen auch Mon Chéri, Raffaello, Giotto oder Nutella und TicTac zur Markenwelt. Der Umsatz wurde zuletzt mit mehr als zwölf Milliarden Euro beziffert. Giovanni Ferrero führt das Familienimperium in dritter Generation.

Hersheys: Der US-Konzern (die Aktie notiert im S&P500) verkauft seine Schokoladen in 60 Ländern und hat damit zuletzt knapp 8 Milliarden US-Dollar eingenommen. Stark ist der Konzerns vor allem am US-Heimmarkt.

Volatiles Gut
Kakao zählt neben Erdöl und Kaffee zu den wichtigsten gehandelten Rohstoffen rund um den Globus. Der Preis ist stark schwankend und wird neben der Witterung und den Ernten von politischen Unruhen, Spekulationen  und Schädlingsbefall beeinflusst. Mehr als ein Drittel der Welternte kommt von der Elfenbeinküste, wo fast jeder vierte Einwohner vom Kakaoanbau lebt.

9 Kilo Jahresverbrauch
in Österreich; noch höher ist der Schokokonsum pro Kopf und Jahr laut Statistik in Deutschland, Großbritannien, Norwegen oder in der Schweiz. Laut dem Fairtrade-Kakao-Bericht wird Schokolade hauptsächlich in Europa (knapp 50 Prozent Weltmarktanteil) und in den USA (rund 20 Prozent) konsumiert. Die Nachfrage steigt nun aber auch in Schwellenländern wie China und Indien. 

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