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Wirtschaft
05/21/2021

Schokolade: Internationaler Machtkampf um die Kakao-Bohne

70 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos kommen von der Elfenbeinküste und aus Ghana. Doch die Marktmacht ist ganz wo anders

von Simone Hoepke

Unbemerkt von Konsumenten tobt hinter den lieblichen Kulissen der Schokoladenindustrie ein erbitterter Preiskampf um die Kakaobohne. Mit skurrilen Auswüchsen. Denn während weltweit der Schoko-Appetit steigt, erodieren die Kakao-Preise. Derzeit liegen sie rund 40 Prozent unter dem Niveau von vor zehn Jahren. Das lässt die größten Anbauländer der Welt zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen.

Ghana und die Elfenbeinküste sind für bis zu 70 Prozent der Welternte verantwortlich. Reich sind ihre Bauern mit dem Anbau von Kakao aber nicht geworden. Im Gegenteil. Das große Geschäft machen andere entlang der Wertschöpfungskette. Hier konzentriert sich die Macht – nach diversen Übernahmen – auf immer weniger Firmen. Derzeit erwirtschaften laut Fairtrade fünf Konzerne zwei Drittel des weltweiten Schokolade-Umsatzes. Ein Oligopol, das die Verhandlungsposition der Bauernfamilien schwächt.

Um eine Überproduktion und damit einen weiteren Verfall der Preise zu verhindern, hat die Elfenbeinküste Anschubfinanzierungen für Produktivitätssteigerungen – wie das Pflanzen neuer, ertragreicherer Bäume – gestoppt. Hilfe sollte zudem von einem staatlichen Fonds kommen, in den die Käufer der Bohnen 400 US-Dollar pro Tonne einzahlen müssen. Gelder, die dann – je nach Höhe des Kakao-Weltmarkt-Preises – an die Bauern ausgeschüttet werden und ihre Einkommen stabilisieren sollen. „Sinnvoll in einem Land, in dem die Hälfte der Bauern noch immer unter der Armutsgrenze lebt“, findet Hartwig Kirner, Chef von Fairtrade Österreich.

Anbau
Zwei afrikanische Länder, die Elfenbeinküste und Ghana, sind für 70 Prozent der weltweiten Kakaoernte verantwortlich

Verarbeitung
Zu den großen Verarbeitern der Bohnen (etwa zu Kakaobutter) gehört Barry Callebaut (mit mehr als 7 Mrd. Euro Jahresumsatz)

Markenhersteller
Die größten Hersteller der Welt  sind Nestle (Marken wie Lion, KitKat, Smarties), Mondelez (Milka, Oreo, Toblerone), Mars (Snickers, Bounty,  Balisto),  Lindt & Sprüngli, Ferrero (Kinderschokolade) und Hershey’s

Doch die Idee ist dabei zu scheitern. Die Preise sind zuletzt in der Größenordnung der Prämie gesunken. Ein Nullsummenspiel für die Bauern, ein Sieg für die Multis im Machtspiel um die Bohne. Denn während die Bauern ihre Ernte nicht lagern können, haben die Multis offenbar ein Ass ausgespielt: Hohe Lagerbestände, mit denen sie Fabriken befeuern. Damit blieben große Teile der neuen Ernte am Markt und die Preise wurden auf Talfahrt geschickt. Für Kirner ein Ärgernis. „Einerseits werben alle damit, dass sie grün und fair sind – und dann sind sie nicht einmal bereit, existenzsichernde Preise an die Bauern zu bezahlen.“

Fairtrade-Umsatz steigt

Für Fairtrade Österreich ist Kakao einer der umsatzstärksten Rohstoffe. Allein 2020 stieg die Absatzmenge um 54 Prozent. Auch, weil Spar, Rewe und Hofer Teile ihrer Eigenmarken auf Fairtrade umgestellt haben. Genauso wie der Wiener Süßwarenhersteller Manner, der noch von der Bohne weg produziert, was Seltenheitswert hat. Die meisten kaufen fertige Kakaoprodukte (wie Kakaobutter) bei der belgischen Barry-Callebaut-Gruppe oder dem US-Agrarkonzern ADM. Diese beiden wollen übrigens fusionieren. Gemeinsam würden sie 70 bis 80 Prozent der weltweit produzierten Industrieschokolade herstellen. Ein Deal, denn die Kartellwächter aber noch durchwinken müssen.

Fairtrade ist eines der bekanntesten Nachhaltigkeitssiegels der Welt. Durch den Verkauf von Fairtrade-Produkten in Österreich konnten laut Angaben des Siegels in den Produzentenorganisationen vor Ort 63,2 Millionen US-Dollar Direkteinnahmen erzielt werden.

Allein mit Kakao wurden im Vorjahr Einnahmen im Wert von mehr als 14 Millionen US-Dollar von Kleinbauernfamilien in den Anbauländern lukriert. Dazu beigetragen hat das neue Fairtrade-Kakaoprogramm. „Dieses erlaubt es, Kakao als fair gehandelte Einzelzutat zu verwenden“, erklärt Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner. 2021 sind der Wiener Süßwarenhersteller Manner und das Vorarlberger Backunternehmen Ölz neu zu dem Program dazu gekommen.

Unter anderem wurden in Österreich auch knapp 33.000 Tonnen Fairtrade-Bananen (+4 Prozent) gehandelt. Der Bio-Anteil in dieser Produktkategorie liegt bereits bei 84 Prozent.

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