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Elfenbeinküste
05/15/2020

Warum der größte Kakaolieferant Angst vor hoher Produktivität hat

Bauern der Elfenbeinküste haben relativ geringe Erträge. Dennoch hat die Regierung wenig Interesse an einem Modernisierungsschub

von Simone Hoepke

Die westafrikanische Elfenbeinküste spielt im Leben vieler eine größere Rolle, als man denken würde: Sie liefert die Hälfte des weltweiten Kakaos und befeuert damit Schokoladefabriken rund um den Globus.

Klingt nach einem Riesengeschäft, doch die Rohstoffpreise erodieren. Kakao ist aktuell um bis zu 40 Prozent billiger zu haben als noch vor zehn Jahren. Nicht nur, weil Spekulanten die Rohstoffpreise in der Finanzkrise in die Höhe getrieben hatten. Auch wegen der weltweiten Überproduktion, für die die Elfenbeinküste freilich mitverantwortlich ist.

Angst vor mehr Bohnen

Die Regierung des westafrikanischen Landes hat deshalb Anschubfinanzierungen für Produktivitätssteigerungen untersagt. Klingt skurril, schließlich sind die Hektar-Erträge im ostafrikanischen Land mit durchschnittlich 500 Kilo ohnehin um zwei Drittel kleiner als in Lateinamerika. Das liegt nicht an klimatischen Verhältnissen, sondern an den Produktionsgegebenheiten. „Es gibt viele alte Bäume, die nur ein Drittel des Ertrags junger Bäume abwerfen. Dazu kommt die Technologie, sprich die eingesetzten Düngemittel“, erklärt Hartwig Kirner, Österreich-Chef von Fairtrade. Was hat die Regierung aber gegen mehr junge Bäume im Land?

Kirner: „Steigt die Produktion um zehn Prozent, implodiert der Kakaopreis.“ Die Bäume sollen also nicht alle auf einmal erneuert werden. „Niemand zweifelt daran, dass produktivitätssteigernde Maßnahmen gut sind. Aber wenn gleichzeitig der Preis wegbricht und Bauern nicht mehr verdienen, bringt die Maßnahme gar nichts.“

Fairtrade setzt daher an der Elfenbeinküste auf Diversifikationsprogramme. Der Flächenaufbau soll also nicht in der Kakaoproduktion, sondern bei Gemüse für lokale Märkte stattfinden. Kirner: „Hier geht es viel um Bewusstseinsbildung.“

Die Fairtrade-Bauern – vor allem jene im Bananen-, Rosen- und Kaffeeanbau – bekommen verstärkt die Folgen des Klimawandels zu spüren. Etwa in Form von Hurrikans, Überschwemmungen und Dürreperioden. Er fürchtet, dass Umweltprobleme in Corona-Zeiten völlig aus dem Blickfeld geraten und letztlich auf der Strecke bleiben. „Dabei sind die Klimamaßnahmen, die zuletzt diskutiert wurden, gegen die Corona-Maßnahmen ein Pappenstiel. Je länger wir mit Maßnahmen warten, desto teurer werden sie. Gegen die Klimakrise gibt es keine Impfung“, so Kirner.

Im Vorjahr wurden unter dem Fairtrade-Siegel in Österreich Waren im Wert von 351 Millionen Euro umgesetzt, ein Plus von 5,4 Prozent. Den größten Umsatzanteil haben Schokolade und Süßwaren (42 Prozent), gefolgt von Bananen und Kaffee (19 bzw. 15 Prozent).