Der „steirische Brotlaib“ wie der Erzberg auch genannt wird, versorgt die voestalpine mit Feinerz, das zur Stahlerzeugung weiterverarbeitet wird.

© Va Erzberg GmbH

Wirtschaft
05/12/2021

Rohstoffe aus Erzberg und Koralpe statt aus China?

Die EU will globale Abhängigkeiten verringern und die regionale Versorgung der Industrie mit kritischen Rohstoffen ankurbeln.

von Anita Staudacher, Martin Meyrath

Die anziehende Konjunktur lässt auch im größten Tagbau Mitteleuropas die Bohrer glühen: „Wir fahren derzeit in Vollbetrieb, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche“, berichtet Christian Treml, Geschäftsführer der VA Erzberg GmbH dem KURIER. Der traditionsreiche Eisenerz-Abbau am steirischen Erzberg ist eine wichtige Säule der heimischen Stahlindustrie, werden doch von dort die voestalpine-Werke in Linz und Donawitz mit Erz versorgt.

Seit Kurzem befördern auch erste elektrisch betriebene Schwerlast-Lkw das Gestein. Das soll drei Millionen Liter Diesel pro Jahr einsparen und so die -Bilanz verbessern. Mit 250 Mitarbeitern werden jährlich ca. 12 Millionen Tonnen Gestein gewonnen und zu 3 Millionen Tonnen Feinerz verarbeitet. Bei aktueller Abbau-Geschwindigkeit ist der Rohstoff für die nächsten 30 bis 40 Jahre lang gesichert. Eine Ausweitung der Kapazität sei möglich, meint Treml, dafür brauche es aber erst den entsprechenden politischen Willen und die Umsetzung könnte Jahre dauern.

Angesichts der globalen Lieferengpässe bei Industrie-und Edelmetallen wird in der EU der Ruf nach mehr regionaler Rohstoffversorgung lauter. Schon im Vorjahr wurde ein eigener Aktionsplan zur Versorgung mit kritischen Rohstoffen verabschiedet.

Was abgebaut wird

In Österreich spielt der Erzberg die Hauptrolle. Eisenerz macht mit etwa 85 Prozent den Großteil der in Österreich gewonnenen Metalle aus. Etwa 15 Prozent entfallen auf Wolframerz, das für die Herstellung von Werkzeugen und Legierungen verwendet wird. Die seit mehr als 40 Jahren betriebene Wolfram-Lagerstätte in Mittersill (Salzburg) ist eine der wichtigsten in Europa und liegt tief im Gebirgsmassiv am Felbertauern. Der Erzgehalt ist zwar nicht so groß wie jener der Lagerstätten in China, jedoch haben steigende Preise die Wirtschaftlichkeit zuletzt wieder erhöht.

Andere wichtige Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium werden in Österreich nicht mehr abgebaut, sondern ausschließlich durch Recycling gewonnen. Das hat auch den Vorteil, dass Energieeinsatz und Kosten dabei wesentlich niedriger sind, als bei der Primärgewinnung. „Der Abbau von Kupfer macht in Österreich wirtschaftlich keinen Sinn“, sagt Roman Stiftner, Geschäftsführer des Fachverbandes Bergwerke und Stahl in der Wirtschaftskammer (WKO).

Andere Metalle wie beispielsweise Lithium werden zumindest bisher nur in relativ geringen Mengen gebraucht, sind für moderne Technologien aber unverzichtbar. Hier ist Österreich auf den Import angewiesen. In der Bergbau-Branche setzt man große Hoffnung auf die relativ großen Lithiumvorkommen auf der Koralpe in Kärnten. Lithium aus Kärnten könnte Teil der europäischen Batterie-Strategie sein, meint Stiftner. Betreiber European Lithium hat große Pläne, doch die Umweltverträglichkeitsprüfungen und Genehmigungen für Mine und Werk lassen weiter auf sich warten.

„Es geht nicht um den Rohstoff, sondern auch um die lokale Wertschöpfung“, sagt Stiftner. Diese sei bei einer Lagerstätte nicht sehr hoch, bei der Weiterverarbeitung und Veredelung sehr wohl. So sei Österreich der achtgrößte Stahlproduzent in Europa.

Rohstoffstrategie

Insgesamt werden in Österreich 85 Prozent der Güter aus metallischen Rohstoffen importiert. Das bedeutet, dass die Gewinnung und die Belastung für die Umwelt anderswo stattfinden. Österreich liegt dabei im EU-Trend. Zwischen den Jahren 2000 und 2017 ist die Primärproduktion von Metallen in Europa um 17 Prozent gesunken, während sie in allen anderen Regionen intensiviert wurde.

Um die Versorgung zu gewährleisten, präsentierte die Regierung kürzlich einen ersten Entwurf für die österreichische Rohstoffstrategie bis zum Jahr 2030. Diese sieht ein 3-Säulen-Modell vor. Erstens sollen weiterhin heimische Rohstoffe abgebaut werden. Zweitens will man sich auf internationaler Ebene und im EU-Verband dafür einsetzen, dass auch internationale Quellen weiter zur Verfügung stehen – möglichst ohne Wettbewerbsnachteile durch strategische Interessen vor Drittstaaten.

Drittens will die Regierung die Wiederverwertung intensivieren, wo das „ökonomisch und ökologisch sinnvoll“ ist. Konkrete Zielvorgaben gibt es bisher aber nicht.

Eisenerz
Der wichtigste metallische Rohstoff im österreichischen Bergbau ist Eisenerz. Rund drei Millionen Tonnen werden davon jährlich abgebaut und hauptsächlich für die Stahlproduktion verwendet

Recycling
Wichtige Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium werden in Österreich ausschließlich durch Recycling gewonnen

85% Import
Der Großteil der Güter aus metallischen Rohstoffen wird importiert. Auch die Umweltbelastung findet anderswo statt

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