Wirtschaft
15.09.2017

Reiche bunkern weiterhin Milliarden-Vermögen in Steueroasen

Die Schweiz ist nach wie vor eine beliebte Destination, um Privatvermögen zu verstecken.

Offshore-Leaks, Panama Papers oder Lux-Leaks – die Skandale über die geschäftstüchtigen Steueroasen und ihre betuchte Kundschaft aus Ost und West sind längst wieder verebbt. So ist es auch kein Wunder, dass nach wie vor rund zehn Prozent des weltweiten Privatvermögens bzw. der gesamten Wertschöpfung in exotischen Steuerparadiesen gebunkert wird.

Aus Kontinentaleuropa fließen sogar 15 Prozent des Vermögens ab, aus Griechenland und Argentinien fast 40 Prozent, aus Russland an die 50 Prozent, aus Saudi Arabien und Venezuela mehr als 60 Prozent und aus den Vereinten Arabischen Emiraten sogar mehr als 70 Prozent.

Österreich fällt dabei aus der Reihe, hierzulande sind es nur acht Prozent. Das belegt eine aktuelle Studie des National Bureau of Economic Research (NBER) mit Sitz in Cambridge, USA. Dazu muss man aber auch wissen, dass den Studienautoren oft nur sehr veraltete Datensätze zur Verfügung standen, die zum Teil auf das Jahr 2007 zurückgehen.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass vor allem Gelder aus autoritär regierten Staaten in Offshore-Zentren versteckt werden. Aus westlichen Demokratien fließt weniger Vermögen ab – unabhängig davon, ob die Steuern dort niedrig oder hoch sind.

Aus China werden zwar nur 2,3 Prozent der gesamten Wertschöpfung in Steueroasen verfrachtet, dabei muss aber beachtet werden, dass das Bruttoinlandsprodukt Chinas rund 11,8 Billionen Dollar beträgt. Unter Strich fließen somit 271,4 Milliarden Dollar aus dem kommunistischen Reich in dubiose Verstecke. Spannend ist laut der Studie auch, dass 30 bis 50 Prozent des weltweiten Offshore-Vermögens in der Schweiz eingelagert ist.

Umzug nach Asien

So sollen mit Stand April 2017 rund 2,3 Billionen Dollar in der Schweiz bzw. auf Schweizer Bankkonten liegen, die Ausländern gehören. Dabei soll aber die Bedeutung der Schweiz als sicherer Hafen mit Ausbruch der Finanzkrise 2008 deutlich abgenommen haben. Viele Reiche verlagerten ihr Vermögen mittlerweile in asiatische Steueroasen. So müssen die Studienautoren auch einräumen, dass es aufgrund der steigenden Zahl an Briefkastenfirmen immer schwieriger wird, die wirtschaftlichen Eigentümer der gebunkerten Vermögen festzustellen.