ÖVP-Staatssekretärin ist sicher: "Das wird ein guter Winter"

Skilifte in Winterberg laufen
Der im Oktober ausgebrochene Nahost-Krieg im Gazastreifen könnte dabei durchaus Spuren im heimischen Wintertourismus hinterlassen.

Trotz hoher Inflation und den Kriegswirren in Israel und der Ukraine dürfte der für die heimische Wirtschaft wichtige Wintertourismus heuer ganz gut laufen. "Alles deutet darauf hin, dass es trotzdem ein guter Winter wird", sagte Tourismus-Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler (ÖVP) im Gespräch mit der APA. Personal in Küche und Service ist latent dringend gesucht. "Hilfskräfte ist nicht so schwierig."

Die Winterurlauber kommen "in erster Linie aus Europa". Neben Österreich seien das vor allem Deutschland, Großbritannien und noch immer die Schweiz. "Und da sehen wir, dass die Reiselust da ist." Die Nachfrage nach Schulskikursen aus Deutschland sei stärker als im vergangenen Jahr, jene aus Österreich hingegen schwächer.

Doch auch die Vielzahl kleinerer Herkunftsmärkte ist bedeutend. Der im Oktober ausgebrochene Nahost-Krieg im Gazastreifen könnte durchaus auch Spuren im heimischen Wintertourismus hinterlassen. "Per Ende September hatten wir über 900.000 Nächtigungsbuchungen aus Israel, bis Jahresende wurden über eine Million erwartet", so Kraus-Winkler.

Insgesamt sind die Reservierungen in den Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen bereits angesprungen. "Ich bin optimistisch, was den heurigen Winter betrifft - die Feiertage sind gut gebucht, aber es ist ein bisschen durchwachsen", berichtete die Branchenexpertin. Abseits der Tage rund um Weihnachten und Silvester werden die Zimmer - je nach Wetter und geopolitischen Entwicklungen - extrem kurzfristig reserviert.

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Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler

Klimawandel als Herausforderung

"Zu den größten Herausforderungen für die Branche in diesem Winter zählen sicherlich die Teuerungen, die Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der Klimawandel", erklärte Kraus-Winkler. Beim erhöhten Personalbedarf gebe es "starke Unterschiede zwischen den Betrieben", was unter anderem von der Attraktivität des Betriebs und dem Standort abhänge.

Betreffend Fachkräftemangel höre sie aber "jetzt nicht, dass überall laut geschrien wird", sagte Kraus-Winkler und verwies etwa auf den Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich. Ausreichend Personal gibt es allerdings auch im heurigen Winter nicht.

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"Ich habe den Eindruck, dass circa 10 Prozent der Mitarbeiter fehlen, in einigen Betrieben sind es 10 bis 20 Prozent, in einigen 3 bis 5 Prozent - und zwar wie immer hauptsächlich in Küche und Service." Hilfskräfte seien nicht so schwierig zu finden, so die Staatssekretärin.

Dank des Saisonnierkontingents können bis zu 4.287 Hilfs- und Fachkräfte aus Drittstaaten in Österreich arbeiten. Über die Rot-Weiß-Rot-Karte können erstens nur Fachkräfte kommen und zweitens nur Ganzjahresstellen besetzt werden.

Kurzfristigkeit herrscht nicht nur bei den Buchungen, sondern auch bei der Personalakquise. "Unruhig werden die Betriebe erst Anfang Dezember, wenn sie nicht genug Mitarbeiter haben." Die Saisonbetriebe beginnen den Angaben zufolge erst eine Woche vor Weihnachten. "Wir werden das beobachten in den nächsten Wochen", so Kraus-Winkler.

Solides Budget

Zeitweiliger Schneemangel, wie zum Start in die Saison, bereitet der Touristikerin weniger Sorge. "Mittlerweile können die neuen Schneekanonen schon bei minus 1 Grad produzieren."

Budgetmäßig sieht Kraus-Winkler ihr Ressort "solide" aufgestellt. Für den heimischen Tourismus stehen laut Bundesvoranschlag für das kommende Jahr 62,715 Mio. Euro an Steuergeldern zur Verfügung, nach 65,715 Millionen im Bundesvoranschlag für 2023.

Der Großteil davon, 30,095 Mio. Euro, fließt an die nationale Tourismus-Marketingorganisation Österreich Werbung, 21,24 Millionen sind für Förderaktionen durch die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) vorgesehen. "Insgesamt ist das Budget - bereinigt um COVID - gleichgeblieben", meinte Kraus-Winkler aus der Sicht ihres Ressorts. "Corona ist vorbei."

Das Budget sei jetzt für 2024 um die knapp 45 Mio. Euro für COVID-Aufwendungen, die noch Teil des Bundesvoranschlags 2023 waren, bereinigt worden. 2023 seien noch "tourismusspezifische COVID-Maßnahmen budgetiert - vor allem der Schutzschirm für Veranstaltungen schlägt noch mit 44 Mio. Euro zu Buche". Im Jahr 2023 nicht verbrauchte Mittel aus dem COVID-19-Krisenbewältigungsfonds würden mit Jahresende an das Finanzministerium rückgeführt.

Die Pandemie-Sonderdotierung für die ÖHT in Höhe von 5 Mio. Euro fiel im Bundesvoranschlag 2023 laut Kraus-Winkler nicht zur Gänze weg, sondern nur 3 Millionen davon. "Wir sind natürlich mit dem Budget zufrieden, weil wir absichern konnten, was wir bis jetzt hatten", sagte die Staatssekretärin. "Wir haben die Pandemie auch budgetär gesehen hinter uns lassen können." Inflationsausgleich gab es keinen.

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