Die AOP-Orphan-Tochter Amomed hat ein Arzneimittel für schwere Covid19-Fälle

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10/10/2020

Österreichische Arzneimittel für den Weltmarkt

Pharma-Fusion: Wiener AOP Orphan steigt mit Zukäufen zum Global Player gegen seltene Erkrankungen auf und strebt Milliardenumsatz an

von Anita Staudacher

Wenn Covid-19-Patienten auf die Intensivstation kommen, kann es bei akuter Atemnot zu einem lebensgefährlichen septischen Schock kommen. Um das zu verhindern, wird in vielen Ländern Arginin-Vasopressin (Empressin) eingesetzt. Was viele nicht wissen: Das Medikament stammt vom österreichischen Pharmaunternehmen Amomed, das seit kurzem Teil der Wiener AOP-Orphan-Gruppe ist.

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, fand im September eine Großfusion in der heimischen Pharmabranche statt. Die AOP Pharmaceuticals AG, Pionier im Bereich seltener und komplexer Erkrankungen, erwarb den Vasopressin-Hersteller Amomed sowie das Luxemburger Health-Tech-Unternehmen SciPharm.

Durch die Zukäufe wächst AOP Orphan von 220 auf 350 Mitarbeiter und setzt heuer 150 Mio. Euro um. „Wir stärken mit den beiden Firmen sowohl unsere Position in Europa als auch den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Österreich“, erläutert AOP-Orphan-Vorstandschef Andreas Steiner im KURIER-Gespräch.

Das 1996 vom Pharmazeuten Rudolf Widmann gegründete Unternehmen hat sich von Beginn an auf die ebenso riskante wie lukrative Pharma-Nische der seltenen Erkrankungen fokussiert und setzt dabei auf Lösungen aus einer Hand. „Wir wollen den Patienten nicht einfach nur Tabletten verkaufen, sondern ein Gesamtpaket rund um die Therapien anbieten“, erläutert Steiner das Konzept.

30 Produkte

Durch die Übernahmen wächst das Portfolio von AOP (der Name bedeutet Austrian Orphan Products, Anm.) auf derzeit rund 30 Arzneimittel, Medizinprodukte sowie Patienten-Services im Bereich Hämato-Onkologie (Krebstherapie), seltene Lungenerkrankungen, Neurologie und Stoffwechselerkrankungen sowie Intensiv- und Notfallmedizin. Zwei Drittel der am Markt befindlichen Produkte sind Eigenentwicklungen.

Interferon-Stift

Mit dem Produkt „Besremi“ brachte AOP Orphan im Vorjahr das erste in der EU zugelassene Interferon in Form eines Fertigpens zur Behandlung einer seltenen Form von Blutkrebs (Polycythaemia vera) auf den Markt. Der Pen ermögliche dem Patienten eine eigenständige Injektion, sagt Steiner. Nach der EU-weiten Zulassung im Vorjahr wird jetzt der US-Markt angepeilt. Der Jahresumsatz mit Besremi wird auf bis zu 800 Millionen Euro geschätzt.

Rund 80 Prozent der Arzneimittel würden in Europa produziert, betont Steiner. Die Inhaltsstoffe kämen freilich überwiegend aus Asien, Europa könne hier nicht mit den Billiglohnländern konkurrieren. Von der Politik zeigt sich der Pharma-Manager enttäuscht. Statt Sonntagsreden brauche es mehr konkrete Unterstützung für österreichische Pharma-Firmen im globalen Wettbewerb nach Schweizer Vorbild. So scheitere die heimische Forschungsförderung mitunter daran, „dass die Förderstellen gar nicht verstehen, was wir eigentlich machen“. So würden Indikationen bestehender Arzneien, die vielen Patienten das Leben erleichtern, oft gar nicht gefördert.

Milliardenumsatz

Mit dem neuen Interferon-Pen, den beiden Zukäufen sowie der Erschließung neuer Märkte in den USA, Fernost sowie Afrika strebt Steiner bis 2030 einen Umsatz von 1 Milliarde Euro an. Kürzlich wurden Vertriebstöchter in Dubai und Israel gegründet. Die Exportquote beträgt schon jetzt 70 Prozent. Die Produktpipeline sei mit rund zehn neuen Entwicklungen gut gefüllt.

Darunter seien Therapien gegen septischen Schock oder Chorea Huntington, einer Funktionsstörung des Gehirns, die durch motorische Störungen gekennzeichnet ist. Strategisch will AOP Orphan weiter organisch wachsen. Ein Börsegang sei kein Thema, betont Steiner. Das Unternehmen steht im Eigentum von zwei Privatstiftungen, darunter jene des Gründers.

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