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Wirtschaft
06/16/2021

Österreicher sind die zweitreichsten Bürger der Eurozone

Das zeigt eine Studie zur Kaufkraft auf. Trotzdem standen 2020 krisenbedingt pro Kopf 584 Euro weniger zur Verfügung.

von Johannes Arends

2020 war im wahrsten Sinne des Wortes ein Seuchenjahr: Die Corona-Pandemie grassierte weltweit, und die Maßnahmen, die sich unterschiedliche Nationen zu deren Bekämpfung ausgedacht hatten, sorgten für eine Wirtschaftskrise, die sich letztlich auch in der Geldbörse der Bürger bemerkbar machte.

So auch in Österreich: Laut einer Erhebung von RegioData Research verringerte sich die Kaufkraft im vergangenen Jahr pro Kopf um durchschnittlich 584 Euro. Als Kaufkraft wird jenes Geld bezeichnet, das privaten Haushalten vom Einkommen übrig bleibt, wenn alle regelmäßigen Fixkosten (wie Mieten oder Kreditraten) abgezogen werden.

Das bedeutet: Insgesamt bleiben durchschnittlichen Österreicherinnen und Österreichern pro Jahr 22.753 Euro zur freien Verwendung übrig. Das sind inflationsbereinigt um vier Prozent weniger als noch vor der Krise. Einen stärkeren Einbruch hatten weder die Wirtschaftskrise 2008, noch die Anschläge vom 11. September 2001 nach sich gezogen.

Zweitreichste EU-Bürger

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Der Rückgang ist weitaus weniger dramatisch, als es die Entwicklung der heimischen Volkswirtschaft (-6,3 Prozent) noch im vergangenen Jahr befürchten ließ. Den Experten von RegioData zufolge lag dies vor allem an den Hilfszahlungen der Bundesregierung.

Österreich kann damit aktuell die zweitstärkste Kaufkraft der Eurozone aufweisen und liegt sogar knapp vor Deutschland. Nur in Luxemburg kann man sich mit durchschnittlichen 32.000 Euro pro Jahr noch deutlich mehr leisten.

Der Beitrag der verschiedenen Einkommensarten zur Kaufkraft hat sich während der Krise allerdings drastisch verschoben: Während die Einkünfte Selbstständiger massiv gesunken sind, stiegen die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.

Auch staatliche Zuschüsse werden bei der Berechnung der Kaufkraft berücksichtigt. Neben den Corona-Hilfen haben sich somit auch die Einnahmen der Österreicherinnen und Österreicher aus Arbeitslosengeld und Beihilfen stark erhöht.

Bundesländervergleich

Die Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern waren in den vergangenen Jahren in Bezug auf die Kaufkraft eigentlich stetig kleiner geworden. Im Zuge der Krise hat sich das nun wieder geändert. Vor allem Regionen mit großer Tourismus-Abhängigkeit haben stark gelitten.

So stand vor allem den Menschen in Tirol (minus 742 Euro) und Salzburg (minus 711 Euro) deutlich weniger Geld zur Verfügung als noch 2019, aber auch Wienerinnen und Wiener waren stark betroffen (minus 707 Euro). Im Burgenland spürte man die Auswirkungen der Krise im Schnitt am wenigsten (minus 458 Euro).

Rund ein Drittel ihrer Kaufkraft geben Österreicher übrigens im Einzelhandel aus. Die Ausgaben für Urlaub und Gastronomie sanken pandemiebedingt stark, die Sparquote verdoppelte sich allerdings auf 14,5 Prozent.

Und wann wird die Kaufkraft wieder auf dem Niveau vor der Krise sein? "Das wird noch bis mindestens 2023 dauern", sagt CEO Wolfgang Richter zum KURIER. "Die erhöhte Arbeitslosigkeit wird nur langsam abgebaut, der internationale Tourismus springt nur langsam wieder an und die Staatshilfen haben einen Insolvenzstau erzeugt, der wieder höhere Arbeitslosenzahlen produzieren wird."

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