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Wirtschaft
08/29/2019

Österreich bremst sich durch hohe Steuern unnötig aus

Hohe Abgaben und ein komplexes Steuersystem verjagen viele Investoren und schaden dem Standort.

von Wolfgang Unterhuber

Zeitlich passend zu den Erbschafts- und Vermögenssteuerplänen der SPÖ präsentierte das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte Österreich am Donnerstag bei den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach den aktuellen Steuer-Report. "Steuern und Kosten stellen seit Jahren einen klaren Standortnachteil für Österreich dar. Hohe Abgaben und ein komplexes System erschweren das Wirtschaften hierzulande. Das ist nicht nur unnötig, sondern bremst Österreich in internationalen Rankings aus und schmälert die Wettbewerbsfähigkeit.“

So lautet das zentrale Ergebnis im sogenannten Deloitte Austrian Tax Survey 2019, für den österreichweit 263 Führungskräfte ihre Einschätzungen zur heimischen Steuerlandschaft geteilt haben. "Mehr als die Hälfte der Befragten zeigt sich demnach auch skeptisch, was die zukünftige Entwicklung des Steuerstandortes betrifft", sagt Verena Gabler, Partnerin bei Deloitte Österreich, im Gespräch mit dem KURIER.

Ruf als Hochsteuerland

Gabler verweist vor diesem Hintergrund auf regelmäßige Erhebungen der OECD, die Österreich bei der Höhe der Steuern auf Arbeit im Spitzenfeld sieht. „Wenn internationale Unternehmen vor einer Standortinvestition stehen, spielt das eine große Rolle.“ Das, so Gabler, werde hierzulande oft unterschätzt. "Österreich hat international speziell bei den Lohnnebenkosten schlicht und ergreifend den durchaus bekannten Ruf ein Hochsteuerland zu sein. Das ist ein riesiger Nachteil. Der positive Faktor Lebensqualität, auf den man hier immer sehr stolz ist, wiegt das nicht auf.“

Dass Österreich aus dem Ausland immer wieder Investitionen (wie zuletzt etwa von Infineon in Kärnten) oder erfolgreiche Betriebsansiedlungen verbucht, sieht Gabler nicht als Widerspruch. „Es gibt sicher auch Investitionen oder Ansiedlungen, die für Österreich geplant waren, dann jedoch aufgrund der hohen Steuern nicht getätigt wurden. Eine Statistik der Nicht-Investitionen gibt es aber nicht.“

Kompliziertes System

Doch die Höhe der Steuern ist nicht das einzige Problem, sondern auch das komplexe Steuersystem. Das ist bereits für 73 Prozent der Unternehmen eine Herausforderung. „Die Unternehmen stehen heute schlicht und ergreifend vor dem Problem, dass das Steuersystem so kompliziert ist, dass es ohne Steuerberater überhaupt nicht mehr geht. Denn es passiert relativ schnell, dass man unabsichtlich und mangels Know-hows mit dem Finanzstrafrecht in Berührung kommt.“

Große Unsicherheiten entstehen laut 68 Prozent der befragten Unternehmer vor allem durch die unklare oder widersprüchliche Interpretation steuerlicher Regelungen durch die Finanzverwaltung.
Hier nennt Gabler als Beispiel die Regelung für Bewirtungskosten, deren steuerliche Absetzfähigkeit dem eigenen Ermessen der Finanzbehörden unterliegt. Im Jahr 2008 bei der Fußball-WM in Österreich kauften zahlreiche Firmen für ihre Kunden und Geschäftspartner Tickets. Diese waren steuerlich voll abzugsfähig.

Es fehlt an Stabilität

Was für die Finanzbehörden 2008 noch in Ordnung war, ging 2013 nicht mehr. Jenen Firmen, die ihren Kunden und Partnern Tickets für die Ski-WM in Schladming schenkten, flatterte noch Jahre später eine entsprechende Steuernachzahlung ins Haus. „Dieses Beispiel zeigt, dass es an Stabilität und Klarheit fehlt“, so Gabler.

Bei den konkreten Forderungen an die neue Bundesregierung sind sich die Unternehmen in der Deloitte-Studie einig: 75 Prozent (Mehrfachnennung möglich) nennen die Reduktion der Lohnnebenkosten als dringlichste Maßnahme. Mit 51 Prozent steht die Vereinfachung des Einkommensteuergesetzes auf der Wunschliste an zweiter Stelle. Dahinter folgen die Reduktion des Körperschaftsteuersatzes (38 Prozent) sowie des Einkommensteuersatzes (37 Prozent).

Und wie steht es um die Ökologisierung des Steuersystems? „Generell stehen für Unternehmen Effizienz und Wirtschaftlichkeit an erster Stelle. Eine Ökologisierung des Steuersystems assoziieren hingegen viele mit zusätzlichen Belastungen“, heißt es dazu bei Deloitte. Das bedeute freilich nicht, dass die Unternehmer grundsätzlich gegen eine Ökosteuer seien. „Sollte die Politik aber Schritte in diese Richtung setzen, sollten jedenfalls parallel dazu umfassende steuerliche Erleichterungen mitgedacht werden“, ergänzt Gabler.

Gnadenfrist

Und was passiert, wenn nichts an Erleichterungen passiert? Hier hat Österreich laut Gabler derzeit noch das Glück, dass auch Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien Hochsteuerländer sind. Solange in diesen zentralen europäischen Ländern keine Steuersenkungen erfolgen, gerate Österreich nicht weiter unter Druck. Mittelfristig freilich könnten für Österreich osteuropäische Länder zur unmittelbaren Steuerkonkurrenz heranwachsen.


 

Bei all dem Handlungsbedarf seitens des Gesetzgebers sind laut der Studie von Deloitte aber auch die Unternehmen selbst gefordert. So hinken die meisten beim Thema Digitalisierung im Steuerbereich nach wie vor hinterher. Lediglich 19 Prozent setzen sich mit den digitalen Möglichkeiten auseinander, die ein betriebliches Steuersystem auf automatisierter Basis bietet. „Diese Programme gibt es schon“, sagt Gabler. „Unternehmen hätten hier die Chance, sich selbst mehr Sicherheit zu verschaffen und gleichzeitig die Effizienz zu erhöhen.“

Böse Überraschungen vermeiden

Apropos Sicherheit und Effizienz: Für Unternehmen, mit mehr als 40 Millionen Euro Umsatz gibt es seit heuer die Möglichkeit des sogenannten „Horizontal Monitoring“. Dabei handelt es sich um eine fortlaufende Betriebsprüfung. Böse Überraschungen wie etwa bei der Bewertung von Bewirtungskosten durch die Finanz würden so wegfallen. Im Gegenteil: Das permanente Monitoring durch die Finanzverwaltung schaffe für die Unternehmen deutlich mehr Planungssicherheit und Transparenz.

Und was hält Gabler von den Steuerplänen der SPÖ? „Eine jährliche Vermögensbesteuerung bringt eine zusätzliche enorme Bürokratisierung des Steuersystems und schwächt nach allen internationalen Erfahrungen die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes.“ So oder so. Gablers Fazit für das Steuerland Österreich lautet: „Die Ampel steht auf Gelb.“