In Schweden muss das Modehaus dafür weniger Steuern abliefern

© KURIER/Flora Mayrhofer

Wirtschaft
05/12/2019

Österreich holt sich aus Schweden H&M-Steuern

Der Gewinn des schwedischen Textilriesens war hierzulande zu niedrig besteuert worden.

von Thomas Pressberger

Der schwedische Bekleidungshändler H&M muss in Österreich mehr Steuern zahlen – und in Schweden dafür weniger. Im Zuge einer Betriebsprüfung hätten sich österreichische Beamte an den Verrechnungspreisen der Konzernmutter gestoßen und diese offenbar mit Erfolg beeinsprucht, erklärt ein heimischer Steuerexperte Details aus dem aktuellen Jahresabschluss: „Die Verrechnungspreise waren aus österreichischer Sicht zu hoch, wodurch der Gewinn in der Vergangenheit niedrig war und weniger Steuern fällig wurden.“

Daher habe die H&M-Konzernmutter im Geschäftsjahr 2017/18 einen einmaligen gewinnerhöhenden Betrag von 25 Millionen Euro für die Jahre 2013 bis 2015 an die österreichische Tochter überweisen müssen, um zu niedrige Gewinne aus den vergangenen Jahren auszugleichen. „Rechnet man mit einem Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent, ergibt das eine Steuernachzahlung in Höhe von 6,25 Millionen Euro“, sagt der Steuerexperte.

Anders als etwa im Fall von Starbucks, wo Gewinne in Niedrigsteuerländer verschoben wurden, sei es H&M laut dem Experten offenbar nicht um Steuervermeidung gegangen. „Schweden ist ja nicht gerade ein Niedrigsteuerland.“ Verrechnungspreise sind in der Praxis auch für die Unternehmenslenkung ein wichtiges Werkzeug.

Gängige Praxis

Einzelne Ländergesellschaften großer Konzerne hätten oft wenig Entscheidungsbefugnis und könnten daher auch kein großes Risiko tragen. Planung, Vertrieb, Marketing und Preisgestaltung liege gebündelt bei der Mutter, weshalb diese wohl auch finanzielle Mittel zusammenzuziehen versuche und in den Ländergesellschaften geringe, aber stabile Gewinne verbleiben. Hierbei handle es sich um eine gängige Praxis, viele internationale Konzerne würden das so mit ihren lokalen Vertriebsgesellschaften machen.

Damit H&M wegen der Nachzahlung nicht doppelt besteuert wird, wurde ein sogenanntes Verständigungsverfahren zwischen der Republik Österreich und dem Königreich Schweden geführt. Ein solches ist zwischen vielen Ländern üblich und regelt die Besteuerungsrechte zwischen einzelnen Ländern. „Zu einem solchen Verfahren kommt es nur, wenn es einen Streit um die Aufteilung des Steueraufkommens gibt“, so der Experte. Zuständig dafür ist in Österreich das Finanzministerium.

Gewinn versechsfacht

H&M wäre durch die österreichischen Begehrlichkeiten – der besagten Rücküberweisung von Teilen der Gewinne aus den Jahren 2013 bis 2015 – steuerlich zweimal zum Handkuss gekommen, da diese in Schweden bereits versteuert wurden. Daher habe man die schwedischen und österreichischen Finanzbehörden um das Verständigungsverfahren gebeten, das die Doppelbesteuerung beseitige, so das Unternehmen zum KURIER. In Österreich zahle man nun mehr Steuern, in Schweden aber weniger. „H&M ist sich mit beiden Behörden über die abgeschlossene steuerliche Einkommenskorrektur einig“, sagt eine Sprecherin.

H&M erzielte in Österreich im Geschäftsjahr 2017/18 einen Nettoumsatz von 400,6 Millionen Euro, ein Minus von 0,3 Prozent. Der Jahresgewinn stieg – unter anderem wegen erwähntem Verfahren – um 489,7 Prozent von 6,86 Millionen Euro auf 40,46 Millionen. Da die Branche durch starken Wettbewerb und Preisdruck gekennzeichnet sei, sei man mit dem Ergebnis zufrieden, heißt es im Jahresabschluss. H&M hat derzeit 78 Filialen und rund 2400 Mitarbeiter. Für 2018/19 wird mit einer stabilen Umsatzentwicklung gerechnet.Thomas Pressberger

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