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Analyse
05/07/2021

Öko-Check: Wie es Österreichs Konzerne mit der E-Mobilität halten

Den Zug der Zeit haben die meisten der führenden börsenotierten Unternehmen erkannt. Einige hinken dem Trend aber noch hinterher

von Michael Bachner, Anita Kiefer, Robert Kleedorfer

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Auf Initiative von WWF  und Global 2000 forderten am Donnerstag 245 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 62 Mrd. Euro in einem offenen Brief an die Bundesregierung einen sogenannten Green Deal. Der Weg aus der Corona-Pandemie soll  klima- und naturverträglich gestaltet werden.

Viele Unternehmen geben sich schon heute betont grün, doch wie sieht es tatsächlich damit aus? Anhand des Beispiels der Elektromobilität hat der KURIER bei den im Leitindex der Wiener Börse notierten Unternehmen nachgefragt. Zwar wollten sich nicht alle der Thematik stellen. Doch der Rundruf ergab durchaus Interessantes:

Bei der A1 Telekom Austria AG gebe es nur „wenige“ E-Autos im 2.900 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark – die Reichweite reiche für die Servicetechniker nicht aus, teilte eine Sprecherin mit. Der Ausbau der E-Flotte sei aber ein „zentraler Baustein unseres Mobilitätskonzepts der Zukunft“ – und werde forciert.

Bei Andritz umfasst der firmeneigene Fuhrpark inklusive Nutzfahrzeuge in Österreich rund 160 Fahrzeuge, neun davon sind E- bzw. Hybrid-Autos. In den kommenden Jahren solle der Anteil der E-Autos ausgebaut werden, so ein Sprecher.

AT&S hat rund 50 Firmenfahrzeuge, davon 3 E-Autos und 16 Hybridfahrzeuge an den steirischen Standorten. In den nächsten drei Jahren werde der komplette Fuhrpark umgestellt, so Sprecher Gerald Reischl. „Wir gehen von rund 55 Prozent E-Autos und 45 Prozent Hybrid-Fahrzeugen aus.“ Bis dato seien circa 40.000 Euro für 20 E-Tankstellen investiert worden. „Wir rechnen damit, nochmals 40.000 Euro investieren zu müssen. Damit sind es dann 40 Tankstellen mit etwa 70 Lademöglichkeiten.“

Die Bawag nutzt für die innerbetriebliche Logistik der zentralen Standorte ein E-Auto. Ob darüber hinaus noch andere Fahrzeuge im Einsatz sind, ist nicht bekannt. Die Erste Group konnte den Anteil an Elektro- und Hybridfahrzeugen insgesamt von 1,4 auf 3,2 Prozent im Jahr 2020 erhöhen. In Österreich waren es 9,1 Prozent (2019: 6,6 Prozent). Da laut einem Sprecher Kosteneffizienz ein bestimmendes Thema war, investierte die Gruppe generell nicht in eine Erneuerung der Flotte. Der Fokus habe vielmehr auf einer Reduktion des Bestands gelegen. Die RBI verfügt über 53 Fahrzeuge, davon ein Viertel Hybrid- oder reiner Elektroantrieb. Bei den Neufahrzeugen liegt der Anteil schon bei mehr als 50 Prozent.

Interessant ist das Thema E-Mobilität beim Öl- und Gaskonzern OMV. Der Fuhrpark umfasst 317 Fahrzeuge, davon ein Hybrid-Auto und ein Wasserstoff-Fahrzeug. Zur Begründung heißt es: In der OMV-Zentrale brauche man die Autos vor allem für Langstreckenfahrten. Und in der Raffinerie Schwechat dürfe man aus Sicherheitsgründen keine Elektroautos einsetzen.

Beim Verbund ist rund jedes zehnte Fahrzeug der Firmenflotte ein E-Fahrzeug. Von 525 Fahrzeugen sind 51 Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge. Die übrigen 474 sind konventionelle, wobei es sich laut Angaben einer Sprecherin meist um Nutzfahrzeuge handelt, die „dem Betrieb unserer Anlagen in einer schwierigen Topografie dienen“. Verbund stelle aktuell seine „Car Policy“ neu auf, so die Sprecherin. Abgesehen von Sonderfahrzeugen wolle man Fahrzeuge mit Elektro- bzw. Hybrid-Antrieb anschaffen. Außerdem werde an „ausgewählten Verwaltungs- und Kraftwerksstandorten“ die dafür notwendige Infrastruktur, nämlich E-Ladestationen, über die Tochter Smartrics ausgebaut.

Bei den drei Immobilien-Unternehmen CA Immo, S Immo und Immofinanz wird das Thema E-Mobilität unterschiedlich gesehen. Bei der S Immo hat von sechs Autos eines einen Elektroantrieb. Sollte es zu Neuanschaffungen kommen, werde man auch E-Autos in Betracht ziehen, heißt es zur Zukunft. Bei der CA Immo umfasst der Fuhrpark 43 Autos, davon ein E-Auto und 5 Hybride. Prognosen, wie es weiter geht, könne man aufgrund einer laufenden Änderung der Fuhrparkpolitik derzeit nicht abgeben. Festgelegt hat man sich hingegen schon bei der Immofinanz. Der Konzern hat derzeit 4 Elektrofahrzeuge (von 41 Autos insgesamt), will aber bis Ende 2023 in Österreich 75 Prozent und gruppenweit bis im Jahr 2024 zumindest 50 Prozent aller Fahrzeuge auf Elektro-Antrieb umgestellt haben.

Mayr-Melnhof und Lenzing wollten sich zum E-Auto-Anteil nicht äußern. Der voestalpine-Konzern gab an, diese Daten der einzelnen Standorte nicht gesammelt vorliegen zu haben. Bei Schoeller-Bleckmann habe man keine E-Autos im Fuhrpark – der Fuhrpark beschränke sich vorwiegend auf Transportfahrzeuge. Die Vienna Insurance Group verfügt als Holdinggesellschaft über keinen eigenen Fuhrpark.

Jener der UNIQA umfasst 24 E- und 22 Hybridautos. Bis Ende 2024 sollen zumindest weitere 45 Diesel umgestellt werden. Damit soll der -Ausstoß im Flottendurchschnitt von derzeit 100 auf 80 g/km reduziert werden. Im Schnitt seien die Einkaufspreisgrenzen für E-Autos um 25-30 Prozent höher als bei Verbrennern. Unterm Strich bedeute dies eine Mehrinvestition von 500.000 Euro.

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