Wirtschaft
10.05.2018

Nur noch regionale Produkte? „Ein Reichenproblem“

Die Bundesregierung bekennt sich zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Aber ist das auch vernünftig und praktikabel?

„Ich werde der erste Präsident der Rübenbauern sein, der kein Rübenbauer mehr ist“: Ernst Karpfinger machte bei einer Veranstaltung der Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP) aus seinem Herzen keine Mördergrube: Er hält das Verbot der als Bienenkiller geltenden Neonicotinoide (=Insektizide) in der EU für falsch. Noch dazu für eine nicht-blühende Pflanze wie die Rübe. Die Rübenbauern kämpfen heuer (auch dank ungewöhnlicher Wärme) mit starkem Befall durch den Rüsselkäfer. Ein Viertel der Rüben für heuer sind vernichtet, in den Biobetrieben sogar drei Viertel. Ein Ersatz für das Mittel ist nicht in Sicht: Mindestens fünf Jahre werde das dauern, sagte IGP-Obmann Christian Stockmar. Die EU-Mitgliedsstaaten seien sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, wenn sie „dem Populismus der NGO folgen, und damit auch den Bauern schaden“, kritisierte er. Kommt der Zucker künftig aus dem Ausland?

Eigentliches Thema der Veranstaltung war das Regierungsziel einer 100-prozentigen Selbstversorgung durch die heimische Landwirtschaft. Und da raubte der Hauptredner Garlich von Essen, Generalsekretär der Europäischen Saatgut-Vereinigung, den Teilnehmern die Illusionen, indem er ketzerische Fragen stellte: Zum Beispiel, ob US-Strafzölle auf europäischen Stahl gerechter seien als eine (wenn auch nur theoretische) Abschottung des österreichischen Lebensmittelmarktes. Die EU sei größter Lebensmittelimporteur, wie auch -exporteur. „Wir sind wechselseitig abhängig.“ Handel, speziell mit agrarischen Produkten, sei am Beginn der EU gestanden – und ein Erfolgsmodell. Die Angst vor ausländischen Lebensmitteln entspreche der Sehnsucht nach Nähe in einer globalisierten Welt, sei aber in Wahrheit ein „Reichenproblem“: „Wir können diese Debatte nur führen, weil wir sie uns leisten können.“

Josef Plank, Generalsekretär im Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, setzte dem entgegen: Es werde ja heutzutage „jede Blödheit international kreuz und quer geführt“, das könnte reduziert werden. Und wenn heimische Konsumenten Käfigeier ablehnten, dann hätten sie bei heimischen Eiern eben die Sicherheit, keine zu bekommen. „Wir produzieren kleinstrukturiert und teuer“, das sei den Konsumenten auch etwas wert.