Wirtschaft
14.12.2017

Kern zu Niki-Pleite: Wollen Arbeitsplätze und Fluglinie retten

Niki Lauda deponierte erneut Interesse an insolventer Airline. Noch-Kanzler Kern will die rund 1.000 Jobs erhalten.

Bereits am Montag könnte die neue Regierung angelobt werden. Noch führt aber Bundeskanzler Christian Kern die Amtsgeschäfte. Und in dieser Rolle hat er sich heute dafür ausgesprochen, die insolvente Fluglinie Niki samt ihrer rund 1.000 Mitarbeiter zu retten. An sich sei Niki "ein überlebensfähiges Unternehmen", sagte Kern beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel.

Die Bundesregierung stehe zu Beratungen auch am Wochenende zur Verfügung. Gleichzeitig betonte Kern, es werde "keine schnelle Lösung" geben. Es gehe jetzt aber einmal darum, eine Skizze zu haben, dann werde man sehen, ob es möglich sei, das Unternehmen aufzufangen.

Um die Fluggäste wolle man sich auf jeden Fall kümmern. Die Regierung sei im Gespräch mit dem Masseverwalter und der EU-Kommission.

Niki Lauda meldet wieder Interesse an

Niki Lauda bestätigte indes, die Möglichkeiten einer etwaigen Übernahme der insolventen Fluglinie Niki ausloten zu wollen. "Ich versuche, so schnell wie möglich einen Termin beim Insolvenzverwalter zu bekommen, um weitere Schritte zu besprechen", sagte der 68-Jährige am Donnerstag in Wien.

Lauda hatte bereits sein anhaltendes Interesse am Kauf der Airline signalisiert und noch am Mittwoch gegenüber der APA bekräftigt. Er hatte Niki 2003 gegründet und war 2011 ausgestiegen. Die Air-Berlin-Tochter hat in der Nacht zum Donnerstag den Flugbetrieb mit ihren 21 Maschinen eingestellt.

Am Flughafen: Fly-Niki-Passagiere können nicht abheben

Frust groß

Wie es mit Niki und den rund 1.000 Beschäftigten weitergeht, ist nach wie vor fraglich. Am Donnerstagvormittag wurde eine Informationsveranstaltung der Geschäftsführung für die Mitarbeiter der insolventen Fluglinie abgehalten (siehe auch Video unten). Details der internen Versammlung drangen nicht an die Öffentlichkeit. Gesprochen haben dem Vernehmen nach Geschäftsführer Oliver Lackmann und der deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther, bei dem nun auch Niki Lauda vorstellig werden will.

Vor der Kamera wollte sich keiner der betroffenen Mitarbeiter äußern. Hinter vorgehaltener Hand ist der Frust aber groß. Niki-Mitarbeiter hatten bereits Uniformen der Lufthansa-Tochter Eurowings anprobiert und einige Flugbegleiter und Piloten sind selbst sowie Passagiere auf ausländischen Flughäfen gestrandet und mussten die Heimreise auf eigene Faust antreten. Die Informationslage ist selbst für die Beschäftigten dürftig.

AUA holt Flieger aus Werkstätten

Die Niki-Pleite hat indes auch unvorhergesehene Auswirkungen auf die AUA. Weil Niki heute um Mitternacht ihren Flugbetrieb eingestellt hat, sind tausende Passagiere im Ausland auf andere Rückflugsmöglichkeiten angewiesen (mehr dazu hier). Die AUA (Austrian Airlines) stellte deshalb kurzfristig neue Kapazitäten auf. Dazu wurden auch Flugzeuge aus den Hangars geholt.

Im Winter werden bei den Fluggesellschaften viele Flugzeuge technischen Checks und Wartungen unterzogen. In den reise-aufkommensschwachen Wintermonaten ist es deshalb leichter, für andere Airlines einzuspringen, sagte ein AUA-Sprecher am Donnerstag zur APA. "Im Sommer wäre so etwas nicht möglich gewesen."

Die AUA als mit Abstand größte Airline mit Heimatflughafen Wien ist dazu seit gestern schon mit dem Verkehrsministerium in Kontakt. "Wir stehen für Rückholaktionen soweit wie irgendmöglich parat", teilte AUA-Chef Kay Kratky heute mit.

410.000 Tickets

Mit der Einstellung des Niki-Flugbetriebs haben nach Angaben des Masseverwalters rund 350.000 ausgestellte und bezahlte Einzeltickets ihre Gültigkeit verloren. Dazu kommen 410.000 über Reisebüros und -veranstalter gebuchte - aber in der Regel noch nicht ausgestellte - Tickets.

Auch der deutsche Reiseveranstalter TUI organisiert Ersatzflüge für Niki-Kunden, die bereits in den Urlaubsgebieten sind. TUI habe sofort reagiert und versuche, zusätzliche Kapazitäten am Markt zu sichern, hieß es in einer Mitteilung des Reisekonzerns. Alle betroffenen Kunden würden seit heute Früh aktiv informiert. Wo es Ersatzflüge gebe, biete TUI ihren Kunden an, kostenfrei umzubuchen. Alle Kunden, für die keine Ersatzflüge gefunden werden, können ihre Reise kostenfrei stornieren und bekommen ihr Geld umgehend rückerstattet. Sollten bei Ersatzflügen zusätzliche Übernachtungen anfallen, sorge TUI für die Unterbringung und Verpflegung im Urlaubsziel und übernehme zusätzlich anfallende Kosten.

Bei TUI und Niki gab es ein Sonderabkommen: Die TUI-Ferienflugtochter TUIfly hat mehrere Flugzeuge vor acht Jahren (samt Besatzung) an die deutsche Air Berlin vermietet, diese Maschinen waren mittlerweile bei deren Österreich-Ableger Niki im Einsatz.