Wirtschaft
17.01.2018

NIKI: Betriebsrat schätzt Anschubkosten auf bis zu 50 Millionen Euro

Die NIKI-Belegschaft steht dem Kaufinteressenten und Airline-Gründer Niki Lauda sehr kritisch gegenüber. Sie waren jahrelang bloß Leiharbeiter.

Im österreichischen Konkursverfahren über die Billig-Airline NIKI werden nun Nägel mit Köpfen gemacht. Bis Freitag können Interessenten bei Masseverwalterin Ulla Reisch ihre Angebote abgeben. "Ausschlaggebend für den Zuschlag sollen unverändert der Kaufpreis, die Finanzierungsfähigkeit des Bieters und der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze sein", teilte Reisch am Dienstag mit. Im ersten Bieterverfahren in Deutschland konnten nicht alle Interessenten diese Voraussetzungen erfüllen.

Die NIKI-Belegschaft hofft weiterhin, dass der ursprüngliche Bestbieter International Airlines Group (IAG), Mutter von British Airways und dem Ferienflieger Vueling, erneut den Zuschlag erhält. IAG ist mit 530 Flugzeugen und einem Umsatz von 22,5 Milliarden Euro die drittgrößte Airline Europas.

IAG hat 20 Millionen Euro für die NIKI-Assets geboten und 16,5 Millionen Euro als Darlehen für den Fortbetrieb zur Verfügung gestellt.

"Allein die Anschubkosten, die ein neuer Eigentümer bei NIKI stemmen muss, werden auf 50 Millionen Euro geschätzt", sagt NIKI-Betriebsratschef Stefan Tankovits im Gespräch mit dem KURIER. "Der Geldpool von IAG/Vueling ist dafür groß genug." Der Vueling-Chef hat bereits drei Infoveranstaltungen für das Kabinenpersonal, das Bodenpersonal und die Piloten von NIKI abgehalten. Das Personal war laut Wolfgang Katzian, dem Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), von dessen Plänen angetan.

Dazu muss man aber auch wissen, dass 750 der 1000 NIKI-Mitarbeiter (Piloten, Flugbegleiter, Techniker, Schaltermitarbeiter) viele Jahre lang bis Ende 2014 bloß Leiharbeiter von der Firma Labour Pool Personalleasing GmbH waren. Sie wurden erst mithilfe der GPA und einem Kollektivvertrag im Jänner 2015 bei NIKI angestellt wurden.

Detail am Rande: NIKI-Gründer Niki Lauda bzw. seine Privastiftung hat Ende 2011 die restlichen 50,1 Prozent der Anteile an Air Berlin übertragen und damit ein Darlehen (40 Millionen Euro) der Air Berlin beglichen. Lauda gehörte aber bis Jänner 2013 dem Board der Air Berlin an. Aktuell will er als Mitbieter für NIKI erneut in den Ring steigen.

"Gewisse Wut"

Rund zehn Prozent der 1000 NIKI-Mitarbeiter haben aufgrund der unsicheren Zukunft gekündigt. "Vor allem haben Flugbegleiter gekündigt", sagt der Personalvertreter. "Durch die neuen Unwägbarkeiten ist die Verunsicherung groß und wir hoffen, dass der ursprüngliche Kaufvertrag hält." Prekäre Anstellungsverhältnisse wie bei der Ryanair stehen dagegen nicht hoch im Kurs. Dass der bereits beschlossene Verkauf an IAG/Vueling doch noch durch die zweite Insolvenzeröffnung in Österreich platzen könnte, bringt die Belegschaft auf die Palme.

"In der Belegschaft gibt es eine gewisse Wut, dass eine fertige Verkaufslösung mutwillig zerstört wurde", sagt Tankovits zum KURIER. "Das Signal der NIKI-Belegschaft ist ganz klar, wenn Herr Lauda den Zuschlag bekommt, dann droht eine große Abwanderung des Personals." Nachsatz: "Sein erstes Angebot enthielt kein schlüssiges Personalkonzept."