Wirtschaft 11.01.2018

NIKI beantragt zweites Insolvenzverfahren - diesmal in Österreich

NiKi © Bild: KURIER/Deutsch

Billig-Airline stellte auch einen Antrag auf Eröffnung eines Sekundärverfahrens beim Konkursgericht Korneuburg. Hier finden Sie alle Details.

Nach dem langen Tauziehen um die Zuständigkeit für die Abwicklung der Insolvenz der NIKI Luftfahrt GmbH mit Sitz am Flughafen Wien-Schwechat stellte das Unternehmen - wie bereits angekündigt - einen Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens in Form beim Landesgericht Korneuburg. Antragsteller ist laut KSV1870 und Creditreform der deutsche NIKI-Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Sekundärverfahren (siehe unten: Was Sie über die Niki-Pleite wissen sollten). Das Gericht prüft laut KSV1870 diesen Antrag derzeit, doch ist mit einer kurzfristigen Entscheidung über die Verfahrenseröffnung zu rechnen.

Laut KSV1870 haben 186 Gläubiger rund 153 Millionen Forderungen gegen die Billig-Airline.

"In Deutschland ist zwar der Kompetenzstreit über die Frage der Zuständigkeit des deutschen oder österreichischen Insolvenzgerichts noch nicht endgültig entschieden, doch unabhängig von dieser Entscheidung ist das Unternehmen nunmehr offenbar selbst der Auffassung, dass die österreichische Zuständigkeit zumindest für ein Sekundärverfahren gegeben ist", heißt es dazu vom KSV1807-Experten Peter Stromberger. "Wir begrüßen den Schritt des Unternehmens, da nach Eröffnung eines österreichischen Insolvenzverfahrens ein österreichischer Masseverwalter in Kooperation mit dem vorläufigen deutschen Insolvenzverwalter und mit Unterstützung des Gläubigerausschusses gemeinsam an der Herbeiführung einer schadensminimierenden Lösung arbeiten kann."

Der geplante Verkauf

Der deutsche Insolvenzverwalter Flöther begründet den zweiten Konkursantrag in Korneuburg damit, dass NIKI zwar in Deutschland ihr geschäftliches Hauptinteresse hat, aber "am Standort Wien-Flughafen die NIKI-Personalabteilung, die Finanzbuchhaltung, das Zahlungswesen, das Marketing und die Wartungssparte" angesiedelt ist.

"Der Antragsteller hat am 29. Dezember 2017 nach Durchführung eines öffentlichen Bieterverfahrens einen Kaufvertrag abgeschlossen, demnach praktisch alle verwertbaren Vermögensgegenstände, sei es in Deutschland oder Österreich, nach der endgültigen Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Deutschland an den Bestbieter Anisec GmbH, einem Unternehmen der Vueling Airlines, veräußert werden soll", heißt es dazu aus Deutschland. "Der Kaufpreis beträgt netto 20 Millionen Euro. Der Stichtag, ab dem die Vertragsparteien vom Kaufvertrag zurücktreten können, wurde mit dem 28. Februar 2018 festgelegt." Zugleich hat sich Vueling verpflichtet, dem Insolvenzverwalter ein Darlehen in Höhe von 16,5 Millionen Euro zur Sicherung des Fortbetriebes zur Verfügung zu stellen. Davon wurden angeblich bereits drei Millionen Euro in Anspruch genommen. Anisec ist berechtigt, von diesem Darlehensvertrag zurückzutreten, wenn der Insolvenzantrag zurückgenommen wird oder ein anderer Insolvenzverwalter bestellt wird. Anisec/Vueling will aber am Kaufvertrag festhalten, aber nur unter der Bedingung, dass die Transaktion rechtlich gesichert umgesetzt werden kann.

Laut Gläubigerliste sind 56 österreichische Gläubiger betroffen, sie fordern rund 1,3 Millionen Euro. "Im Hinblick auf die gebotene Verwertung des Vermögens, auch der österreichischen Assets, soll das Verfahren als Konkursverfahren geführt werden", heißt es weiter. Laut NIKI soll es in weiterer Folge zu einer übertragenen Sanierung kommen, sprich zu einer Auffanglösung.

( kurier.at ) Erstellt am 11.01.2018