Wie ein Wiener Start-up den Markt für Kinderkleidung umkrempelt
Gerade erst hat man für den Nachwuchs niedliche Strampler und kleine Turnschuhe gekauft. Nur kurze Zeit später passen die Teile nicht mehr. Der Stapel an kaum getragenen Kleidungsstücken wächst fast gleich schnell wie das Kind selbst. Und die Eltern stehen vor dem Dilemma: Was tun mit den gebrauchten Sachen?
Auch Caroline Schober kannte das Problem - und sah darin eine Marktlücke. Im Jahr 2023 gründete die Wienerin das Start-up Neworn. Auf der Plattform können Eltern mit gebrauchter Kleidung und anderen Gebrauchsgegenständen für Babys und Kinder handeln.
Dass es bereits viele andere Secondhand-Plattformen gibt, sei für Schober kein Hindernis gewesen. Ihre Seite richte sich gezielt nach den Bedürfnissen von Eltern. „Da geht es nicht nur um Qualität und Hygiene. Viele Eltern finden Secondhand-Shopping wahnsinnig mühsam.“
Ein eigenes KI-Programm soll den Einkauf vereinfachen
Andere Plattformen seien häufig unübersichtlich und überladen. Dabei gehe es für Eltern beim Aussuchen der Kinderkleidung oft um Effizienz, wie die Gründerin dem KURIER erklärt: „Bei uns wird weniger zum Spaß gestöbert, sondern wirklich meist aus Bedarf geshoppt.“
Neworn arbeitet mit einem eigenen Algorithmus, der Nutzern das Einkaufserlebnis vereinfachen soll. Dieser könne etwa vorhersagen, wie schnell ein Kind wächst und welche Größe es deswegen in Zukunft brauchen wird. Auch die unterschiedlichen Schnitte und Größenangaben verschiedener Hersteller fließen in diese Analysen mit ein.
Caroline Schober hat das Unternehmen Neworn im Jahr 2023 gegründet.
Daneben will sich Neworn auch über ein ansprechendes Aussehen der Nutzeroberfläche von anderen Plattformen abheben. Deswegen färbt die App auf Bildern der Artikel den Hintergrund automatisch weiß ein, wenn eine Anzeige hochgeladen wird. „Das gibt ein Gefühl von höherer Qualität“, sagt Schober.
Auch im KURIER-Test fällt das reinweiße Erscheinungsbild der Website gepaart mit den einheitlich aussehenden Produktbildern auf. Dieses lässt die Plattform im Vergleich zu Mitbewerbern tatsächlich „aufgeräumter“ wirken.
Dieser Anschein kann aber auch mit der teilweise geringen Auswahl in den einzelnen Kategorien zusammenhängen. Dass es für bestimmte Größen kaum Angebot gibt, zeigt, dass Neworn noch deutlich weniger Nutzer hat als andere Secondhand-Plattformen.
Den Preis legt der Verkäufer fest. Käufer können für Artikel Angebote machen oder diese zum ausgewiesenen Kaufpreis kaufen. Wurde der Artikel bezahlt, erhält der Verkäufer ein Versandlabel und kann das Paket in der nächsten Postfiliale abgeben.
Nutzer können sich gegenseitig bewerten, um Qualität sicherzustellen
User können sich nach einem Verkauf gegenseitig bewerten. Das soll sicherstellen, dass Artikel im versprochenen Zustand beim Käufer ankommen. Wird ein Produkt gar nicht oder stark beschädigt geliefert, wird der Kaufpreis zurückerstattet.
Für den Verkauf fallen Transaktionsgebühren an. Durch diese verdient das Start-up Geld. Da es sich bei den Gebühren aber meist um sehr kleine Beträge handelt, macht Neworn den Großteil seiner Einnahmen mit neuer Kleidung.
Das Start-up wurde 2023 in Wien gegründet. Im Herbst desselben Jahres ging die Plattform online. Mittlerweile arbeiten bei Neworn neben Schober zwei weitere Beschäftigte.
Eltern können auf der Website oder in der App mit gebrauchter Kleidung für Kinder zwischen 0 und 15 Jahren handeln.
Der Großteil der Nutzer ist weiblich und zwischen 25 und 35 Jahren alt.
Das Unternehmen ist in Österreich und Deutschland aktiv. In Wien gibt es neben der Web-Plattform auch immer wieder Events und Pop-Up-Verkäufe.
Denn seit Anfang 2025 werden auf Neworn nicht nur gebrauchte Kleidungsstücke verkauft, sondern auch übriggebliebene Neuware. Verschiedene Kinderkleidungshersteller stellen dem Start-up B-Ware (also neue Ware mit kleineren Mängeln), Ausstellungsstücke und Retouren (zurückgeschickte Artikel) zum Verkauf zur Verfügung.
„Wir wollen alles retten, was sonst im Müll, im Keller oder im Lager landet“, so Schober. Sowohl Neworn als auch der Hersteller erhalten beim Verkauf einen Teil der Einnahmen. Für Schober eine „Win-Win-Win-Situation“, wie sie sagt: „Die Eltern erhalten Markenware zum stark vergünstigten Preis. Die Firmen werden die Sachen los, die sonst im Lager landen. Und wir verdienen auch noch etwas daran.“
Deutschland-Expansion war notwendig für nachhaltiges Wachstum
Mittlerweile ist das Start-up nicht mehr nur in Österreich tätig. Erst vor Kurzem hat die Plattform auch nach Deutschland expandiert. Dieses geografische Wachstum sei für das Unternehmen notwendig: „Wir sind in einem Nischenbereich. Gleichzeitig brauchen wir eine große Menge an Transaktionen, um finanziell nachhaltig arbeiten zu können.“
Aktuell prüft Schober auch die Expansion in weitere europäische Märkte. Konkret sieht die Gründerin vor allem in den Niederlanden und in Polen Potenzial.
Bisher wurde die Neworn-App 25.000 Mal heruntergeladen. Monatlich nutzen rund 1.000 Eltern die Plattform, um zu stöbern, zu kaufen oder zu verkaufen. Die Userzahl soll sich im kommenden Halbjahr verdoppeln, kündigt Schober an.
Auch bei den Umsätzen sind die Ziele der Gründerin ambitioniert. Diese seien bisher „nicht nennenswert“. Im Jahr 2026 soll sich das ändern und Neworn profitabel werden.
Kommentare