Neuer Trend: Günstiges Nachtparken vor dem Supermarkt

In Deutschland wird Parken nach Ladenschluss bereits in einigen Städten angeboten. In Österreich wird diese Möglichkeit erst evaluiert. Der ÖAMTC begrüßt die Idee.
Erster Tag der staatlich angeordneten Beschränkung, Coronavirus

In Deutschland gewinnt ein neues Modell der Parkraumnutzung zunehmend an Bedeutung: Mehrere Supermarktketten vermieten ihre Parkplätze nach Ladenschluss offiziell über Nacht. Dabei handelt es sich zwar noch nicht um ein flächendeckendes Angebot, doch Pilotprojekte in zahlreichen Städten zeigen, wie brachliegende Flächen außerhalb der Öffnungszeiten sinnvoll genutzt werden können. So bietet der Diskonter Aldi in mehreren Städten – darunter Augsburg, Berlin, Düsseldorf, Köln und Bochum – das Nachtparken auf Filialparkplätzen an.

Die Stellplätze können nach Geschäftsschluss bis zum nächsten Morgen genutzt werden, die Kosten liegen bei drei bis fünf Euro pro Nacht, alternativ werden auch Monatstarife angeboten. Die Abwicklung erfolgt über eine eigene App.

Auch Lidl testet in Deutschland entsprechende Modelle. Noch einen Schritt weiter geht der Diskonter Netto, der vor 150 Filialen „Feierabend-Parken“ ermöglicht. In Österreich steckt die Idee hingegen noch in den Kinderschuhen. Der ÖAMTC begrüßt mögliche Initiativen grundsätzlich.

„Unternehmen, die ihre Parkflächen außerhalb der Öffnungszeiten zur Verfügung stellen, gehören vor den Vorhang“, sagt Martin Hoffer vom ÖAMTC zum KURIER. Es sei wenig sinnvoll, versiegelte Flächen ungenutzt zu lassen, während andernorts akuter Parkplatzmangel herrsche.

„Wenn eine Fläche vorhanden ist und gleichzeitig Parkdruck besteht, spricht vieles für einen Ausgleich“, so Hoffer. Zentral sei jedoch die Frage, wie die Nachtzeit definiert werde. Das Modell müsse praktikabel sein und insbesondere den Anrainern zugutekommen. Der ÖAMTC-Chefjurist hält es zudem für denkbar, dass Gemeinden ein solches Angebot fördern könnten, da dadurch teure Investitionen in neue Parkinfrastruktur eingespart würden.

Test bei Spar in Innsbruck

Die großen Handelsketten in Österreich reagieren bisher zurückhaltend. Spar steht dem Nachtparken skeptisch gegenüber. „Also, wir sind von der Idee nicht begeistert. Aber wir machen bei einem Test in Innsbruck mit, um zu schauen, wie es läuft. Derzeit können wir aber noch wenig dazu sagen“, erklärt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Sollte das Angebot von Anrainern genutzt werden, müssten die Fahrzeuge spätestens um sechs Uhr früh entfernt werden – „was vermutlich nicht auf große Begeisterung stoßen würde“.

„Es ist also von Bedeutung, dass die Parkplätze zu bestimmten Uhrzeiten frei sind“, sagt Berkmann. „Das kann zu unangenehmen Diskussionen mit den Parkenden führen, weil sich unter Garantie nicht alle daran halten würden.“ Zudem seien Haftungsfragen ungeklärt.

Hofer und Rewe

Auch der Diskonter Hofer, Tochter von Aldi Süd, befindet sich nach eigenen Angaben in einer Evaluierungsphase. Wichtig sei, dass der Kundenverkehr während der Öffnungszeiten reibungslos ablaufen könne und sowohl betriebliche Erfordernisse als auch Anrainerinteressen berücksichtigt würden.

Bei Rewe Österreich – zu der Billa, Billa Plus, Penny und Bipa gehören – verweist man darauf, dass der Konzern in den meisten Fällen nicht Eigentümer der Parkflächen sei. Zudem fehlten in Österreich derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Nutzung außerhalb der Öffnungszeiten. Insbesondere Haftungsfragen stellten ein erhebliches Hindernis dar.

Aus Sicht des ÖAMTC bedarf es einer breiten rechtlichen Klärung. Die Arbeiterkammer, das Konsumentenschutzministerium und die Wirtschaftskammer müssten sich zusammensetzen, um die offenen Fragen zu klären.

Günstiges Tagesparken

Ein Nachtpark-Modell ist bei Lidl Österreich derzeit nicht geplant. Stattdessen testet Lidl an drei Standorten eine kostenpflichtige Nutzung der Parkplätze zu den Öffnungszeiten. Die erste Stunde ist gratis, jede weitere angefangene Stunde kostet 2,20 Euro. Ab der vierten Stunde greift der maximale Tagespreis von 5,50 Euro.

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