Borealis

Alfred Stern, Ex-Borealis-Chef und ab 1. September neuer OMV-CEO

© Kurier / Jeff Mangione

Wirtschaft von innen
06/02/2021

Neuer Chef, neue OMV

Von Öl und Gas zu Chemie und Kunststoff – Österreichs größtes Industrieunternehmen wird unter Alfred Stern ganz anders aufgestellt.

von Andrea Hodoschek

Nach monatelangen Grabenkämpfen entschied der Aufsichtsrat der teilstaatlichen OMV am Dienstagabend einstimmig das Rennen um einen der bestbezahlten und wichtigsten Jobs des Landes. Ab 1. September wird wie berichtet Alfred Stern als CEO Österreichs größtes börsenotiertes Unternehmen steuern. Die Bestellung des 56-jährigen Kunststofftechnikers (Montanuniversität Leoben) ist ein ganz klares Signal dafür, in welche Zukunft die OMV gehen wird.

Stern steht für eine Abkehr der bisherigen Strategie der ehemals voll staatlichen Österreichischen Mineralölverwaltung (die Punkterln auf ÖMV kamen 1995 abhanden). Er wird die von Noch-OMV-Chef Rainer Seele begonnene Kursänderung in Richtung Chemie und Kunststoffe intensivieren und hat die schwierige Aufgabe, die gespaltene Belegschaft wieder zusammen zu schweißen. Auf der einen Seite der alte OMV-Adel in Gänserndorf und Schwechat, auf der anderen Seite die Borealis-Mannschaft.

Noch kommt der überwiegende Großteil des Konzernumsatzes und des Gewinnes aus dem traditionellen, nach wie vor profitablen Öl- und Gasgeschäft, aus Upstream (Förderung) und Downstream (Raffinerien, Tankstellen). Mit der rund vier Milliarden Euro teuren Mehrheitsübernahme der Chemie- und Kunststoffgruppe Borealis vom OMV-Miteigentümer Mubadala (Abu Dhabi) im Vorjahr beginnen sich die Relationen aber zu verschieben.

Cash-Cow Borealis

Das zeigt sich an den Ergebnissen des ersten Quartals 2021, als Borealis erstmals konsolidiert wurde. Der Betriebsgewinn der gesamten OMV stieg um 24 Prozent auf 870 Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon steuerte Borealis bei.

Stern wird also nicht mehr in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder investieren, sondern ins Chemie- und Kunststoffgeschäft. Vermutlich 2022 dürfte die OMV die restlichen 25 Prozent an Borealis kaufen und ihre Beteiligung am Kunststofferzeuger Borouge in Abu Dhabi aufstocken. Dieses Joint Venture von Borealis und dem arabischen Ölgiganten Adnoc könnte die internationale Kunststoff-Drehscheibe werden. Projekte für eigene Standorte in Asien hatte die OMV wieder verworfen. Stattdessen können die Plastikteile von Abu Dhabi Richtung Asien geliefert werden. Vorausgesetzt, das Recycling funktioniert. Hier arbeitet die OMV an innovativen Projekten.

Die wiederholten Aufforderungen von Greenpeace & Co., zuletzt anlässlich der OMV-Hauptversammlung am Mittwoch vorgetragen, so rasch wie möglich aus Öl, Gas und auch aus der Plastikproduktion auszusteigen, sind einigermaßen realitätsfern. „Man kann die Leute doch nicht zur -Neutralität zwingen, indem man ihnen kein Benzin mehr verkauft“, argumentiert Klaus Umek, Chef der in der OMV investierten Petrus Advisers.

Wiewohl es keine freie Fahrt mehr für Konzerne gebe, die produzieren. In absehbarer Zukunft würden, argumentiert Umek, Öl und Gas keine Ertragsperlen mehr sein, „daher muss jetzt in Chemie investiert werden. Und in Erneuerbare Energien“. Jetzt würden die Weichen gestellt, „ob die OMV in einigen Jahren drei Milliarden Euro Gewinn macht oder Null“. Der Kapitalmarkt honoriert den Kurswechsel, die Aktie performt besser als der Markt und nähert sich früheren Höchstwerten.

Die Investoren hoffen, dass mit Stern auch ein moderner, weniger hierarchischer Managementstil in den Konzern einzieht. Borealis war immer flacher aufgestellt, die Mitarbeiter eigenständiger. Im Gegensatz zur oft bürokratischen OMV.

Hohe Gagen

Dafür ist das Einkommensniveau in der OMV stattlich. Die Erdöl-Mitarbeiter gehören seit jeher zu den Top- Verdienern in der heimischen Industrie, ihr KV ist um rund 30 Prozent besser als die Löhne in der Chemie.

Die Vorstände wechseln einander mit Bankern im Ranking der bestbezahlten Manager ab. 2019 fuhr Seele unter den im Leitindex ATX notierten Unternehmen die höchste Gage ein. Inklusive eines Aktienpakets kam er auf rund sieben Millionen Euro. Im Corona-Jahr erhielt er 3,45 Millionen an fixer und variabler Vergütung.

Nicht anzunehmen, dass Stern schlechter verhandelt hat als Seele.

International geht freilich wesentlich mehr. Shell-Boss Ben van Beurden musste Pandemie-bedingt eine Halbierung seines Gehalts hinnehmen, kassierte aber immerhin sieben Millionen Dollar. Ex-BP-Chef Bob Dudley kam 2019 noch auf 13,4 Millionen Dollar. Aktienoptionen nicht mitgerechnet.

andrea.hodoschek

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.