Alfred Stern

Der neue OMV-Chef Alfred Stern

© Kurier / Jeff Mangione

Wirtschaft

Ex-Borealis-Chef Alfred Stern wird neuer OMV-Chef

Nach sechs Stunden entschied der OMV-Aufsichtsrat. Alfred Stern wird mit 1. September Rainer Seele beerben.

von Andrea Hodoschek

06/01/2021, 06:22 PM

Um 14.00 hatte der OMV-Aufsichtsrat begonnen, kurz nach 20.00 stand es fest. Der neue OMV-Chef wird der 56-jĂ€hrige Kunststofftechniker Alfred Stern. Er wird mit 1. September zum CEO bestellt. Noch-OMV-Chef Rainer Seele wird mit Ende August Österreichs grĂ¶ĂŸtes Industrieunternehmen verlassen. Sein Vertrag lĂ€uft mit Ende Juni 2022 aus, Seele hatte angekĂŒndigt, darĂŒber hinaus nicht zu verlĂ€ngern. Seele geht einvernehmlich, die OMV muss ihm seinen Vertrag bis zum Ende der Laufzeit auszahlen. Er hatte vor kurzem bei der PrĂ€sentation der Quartalsergebnisse noch betont, seinen Vertrag bis zum Schluss zu erfĂŒllen.

Mit Stern bekommt die OMV einen international renommierten Top-Manager. Er wechselte nach der rund vier  Milliarden Euro schweren MehrheitsĂŒbernahme der Chemie- und Kunststoffgruppe Borealis mit 1. April von der Spitze der Borealis in den OMV-Vorstand. Stern steht fĂŒr die Transformation des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns in Richtung Chemie und Kunststoffe. Sein Vertrag als neuer CEO lĂ€uft auf drei Jahre mit einer VerlĂ€ngerungsoption um zwei Jahre.

Am Vormittag hatten vor dem PrÀsidialausschuss des Aufsichtsrates die Hearings der vier internen Kandidaten stattgefunden. Ebenfalls Favorit war Johann Pleininger, Vize-CEO der OMV und seit 1977 im Konzern.

Es war klar, dass der Aufsichtsrat nur dann entscheiden wĂŒrde, wenn einer der beiden Spitzenkandidaten eine starke Mehrheit bekommt. Da jeder der beiden Manager seine Fans hatte, dauerten die Diskussionen so lange.

Wie man hört, soll Stern bei der PrĂ€sentation seiner  Strategie auch die Übernahme der restlichen 25 Prozent an Borealis vom OMV-MiteigentĂŒmer Mubadala (Beteiligungsgesellschaft von Abu Dhabi) thematisiert haben.

Spannend wird, wie die OMV-Belegschaft auf die Bestellung von Stern reagiert. Aufsichtsratschef Mark Garrett kommt aus der Borealis, jetzt kommt auch der neue CEO von der kleineren Borealis.

Stern gilt als besonnener Manager, ihm wird zugetraut, die GrĂ€ben, die Seele aufgerissen hat und die auch quer durch die Belegschaft gehen, wieder zu schließen.

Bleibt Pleininger?

Die Frage ist auch, wie Johann Pleininger reagiert und ob er ĂŒberhaupt weiterhin in der OMV bleibt. Wie man aus Aufsichtsratskreisen hört, lĂ€uft sein Vertrag als Vize-Vorstandsvorsitzender   bis Ende August 2023.  Bis Ende August 2022 muss nicht nur das Unternehmen, sondern auch Pleininger bekannt geben, ob er seinen Vertrag weiter verlĂ€ngern will. Pleininger trat bereits 1977 in die OMV ein und arbeitete sich vom Lehrling ins Top-Management hoch. Er ist gut vernetzt, von der Politik bis zur Gewerkschaft. Pleininger ist fĂŒr Exploration & Production (Öl- und Gasförderung) zustĂ€ndig.

Branchenkenner

Alfred Stern absolvierte als Kunststofftechniker die MontanuniversitĂ€t Leoben und stieß  2008 nach seinem Abgang beim Chemiekonzern E. I. DuPont de Nemours, wo er internationale FĂŒhrungspositionen innehatte, als Senior Vice President Innovation & Technology zu Borealis. Im Juli 2012 wurde er in den Vorstand  bestellt. Am 1. April 2021 ĂŒbernahm er als Executive Officer die Leitung des neuen Bereichs Chemicals & Materials in der OMV. Stern wurde 1965 in der Steiermark geboren, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

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