Wirtschaft
10.03.2018

Neue Abgastests führen zu Lieferverzögerungen

Autohersteller müssen bei Motoren und Zulassungstests verschärfte Vorgaben erfüllen. Für die Umsetzung bleibt aber zu wenig Zeit.

KURIER-Leser Erwin Z. ist empört und zugleich ratlos. Er hat vor geraumer Zeit bei einem namhaften Autohändler einen SUV bestellt. Mitte Jänner wurde er geliefert, gefahren wurde er seitdem noch immer nicht. Grund sei, so das Autohaus, die fehlende Zulassung aufgrund nicht vorhandener Typengenehmigung. Kein Einzelfall. Anderer Händler und Hersteller, selbes Problem. Bis Montag waren von einem SUV noch diverse Motorenmodelle verfügbar, jetzt nicht mehr. Betroffen sind sowohl Diesel- als auch Benzinvarianten. Auch aus dem Online-Fahrzeugkonfigurator des Herstellers sind diese Varianten plötzlich nicht mehr wählbar. Händler sprechen hinter vorgehaltener Hand von tausenden Fällen und monatelangen Verzögerungen.

Offiziell werden die Probleme nur halb bestätigt. "Aufgrund von verzögerter Bauteilverfügbarkeit kommt es derzeit zu Verschiebungen von Auslieferungsterminen ", sagt BMW-Sprecher Michael Ebner. Betroffen seien Modelle der X- und Tourer-Reihe sowie der Mini Countryman Cooper. "Sobald ein neuer Ausliefertermin feststeht, informieren wir die Kunden."

VW kann laut Sprecher Richard Mieling nicht sagen, welche Modelle der einzelnen Marken und wie viele Kunden betroffen sind, da es sich um einen laufenden Prozess handelt. "Derzeit werden verschiedene Maßnahmen erarbeitet, um die Auswirkungen auf Bestellbarkeit und Auslieferung auf ein Minimum zu reduzieren."

Neue Generation

Grund für die Probleme ist das ab September neu geltende, verschärfte Prüfverfahren für Motoren der neuesten Generation (Euro 6d Temp). Daimler-Sprecher Bernhard Bauer verweist darauf, dass die neuesten Motoren aus seinem Haus zwar schon die technischen Anforderungen erfüllen. "Formal sind sie aber noch nicht zertifiziert." Bis September sollen es aber 30 Modelle in 150 Varianten sein.

"Aufgrund der späten Veröffentlichung bzw. Inkrafttreten der EU-Verordnungen war die Vorlaufzeit für die Umstellung des gesamten Prozesses extrem gering", sagt VW-Sprecher Mieling. "Bei ungünstigen Umständen könnte es sein, dass nicht alle Motor-Getriebe-Variationen bis September getestet sein werden." Denn es müsste genug Kapazitäten bei technischen Diensten (z.B. TÜV) und Genehmigungsbehörden geben.

Zulassungszahlen

Indes setzt sich der Trend weg vom Dieselantrieb in Österreich auch im Februar fort. Von den 26.499 neu zum Verkehr zugelassenen Pkw waren 11.391 mit einem Dieselmotor ausgerüstet. Das waren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,7 Prozent weniger. Der Anteil der Benziner stieg hingegen um 28 Prozent auf 13.990. Der Rest entfiel auf Hybrid-, Elektro- und Erdgasautos. Das teilte die Statistik Austria am Freitag mit. Die Anzahl der Pkw-Neuzulassungen nahm gegenüber Februar 2017 um 4,7 Prozent zu.

Brachten Messtricks Staaten um viele Steuermilliarden?

ÖAMTC bezweifelt Angaben des SchadensDie riesige Diskrepanz bei der Messung von Schadstoffemmissionen von Autos im Labor und dem tatsächlichen Ausstoß auf der Straße – er sorgte nicht nur für den Dieselskandal, sondern möglicherweise auch für den Entgang vieler Milliarden an Steuereinnahmen. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine heute veröffentlichte Studie der Europäischen Grünen. Sie untersuchte genau jenen Messwert-Unterschied in elf europäischen Staaten im Zeitraum von 2010 bis 2016.

Aufgrund des erheblich höheren -Ausstoßes, auf dessen Grundlagen Steuereinnahmen berechnet werden, sollen den elf Staaten Einnahmen zwischen 40 und 50 Milliarden Euro entgangen sein. Für Österreich beziffert die Studie die in diesen sieben Jahren nicht eingebrachte Steuer auf 2,5 Milliarden Euro. „Wir haben jetzt schwarz auf weiß“, meint dazu der österreichische EU-Abgeordnete der Grünen, Michel Reimon, „dass uns die gefälschten Abgaswerte nicht nur die Gesundheit, sondern Steuergeld kosten – das ist nicht mehr fahrlässig, das ist vorsätzlich.“

Beim ÖAMTC hält man dagegen: Die Zahlen der Studie seien „mit Vorsicht zu genießen“. Zum einen hätten einige der untersuchten Länder, etwa Deutschland, im genannten Zeitraum gar keine -Basierung in ihrem Steuermodell gehabt. Und auch für Österreich scheinen die Zahlen viel zu hoch. Im Vorjahr betrugen die Einnahmen aus der Normverbrauchsabgabe (NoVA) rund 420 Millionen Euro. Zudem werde hierzulande die NoVA rein auf Basis des -Ausstoßes erst seit zwei Jahren berechnet.

Sicher aber ist: Durch die neuen, realistischeren Spritverbrauchstests, werden ab 2020 in Österreich die Steuern auf Basis der neuen Werte bemessen – was sie in di e Höhe treiben dürfte. IST