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Wirtschaft

Nach Kurscrash: "Vertrauen in Krytpoindustrie kollabiert"

Talfahrt am Kryptomarkt setzt sich fort. Marktwert aller Kryptos seit November um mehr als zwei Drittel eingebrochen

von Anita Staudacher

06/19/2022, 02:45 PM

Der Markt f√ľr traditionell stark schwankenden Kryptow√§hrungen kommt nicht zur Ruhe. Am Wochenende brachen die Kurse vieler Digitalwerte weiter ein. Der Preis f√ľr einen Bitcoin, der √§ltesten und gr√∂√üten Digitalw√§hrung, fiel teils deutlich unter die Marke von 20.000 Dollar. Die Nummer zwei am Markt, Ether, sank unter die Schwelle von 1.000 Dollar. Der Marktwert aller rund 19.900 Kryptoanlagen ging weiter zur√ľck.

Der Wert von einem Bitcoin fiel auf der Handelsplattform Bitfinex am Samstagabend bis auf 17.605 Dollar. Das waren fast 14 Prozent weniger als am Tag zuvor. Am Sonntag erholten sich die Kurse wieder leicht und Bitcoin notierte bei rund 19.000 Dollar. Der Preis f√ľr einen Ether sank bis auf 881 Dollar.

Ein Bitcoin kostete im Tief damit so wenig wie zuletzt Ende 2020, der Ether-Kurs war zuletzt Anfang 2021 so niedrig gelegen. Das Marktvolumen aller derzeit existierenden Kryptowährungen fiel laut Coinmarketcap auf zuletzt 861 Mrd. Dollar (821 Mrd. Euro). Das ist weniger als ein Drittel des im November markierten Rekords von fast drei Billionen Dollar.

Vertrauensverlust

 "Das Durchbrechen der 20.000-Dollar-Marke zeigt, dass das Vertrauen in die Kryptoindustrie kollabiert ist", sagte Marktanalyst Edward Moya von The Americas OANDA am Samstag. "Es gibt zu viele Kryptow√§hrungen und Kryptob√∂rsen, die unter enormen finanziellem Druck stehen angesichts der Fremdkapitalkosten", erkl√§rte er mit Blick auf steigende Zinsen.

Viele Kleinanleger, die ihr Geld in Kryptow√§hrungen investiert hatten, w√ľrden nun dauerhaft verschreckt. Der Kursrutsch geht einher mit deutlichen Verlusten an den weltweiten Aktienm√§rkten aus Sorge vor einer Rezession.

60 Prozent Jahresminus

Die Jahresentwicklung vieler Digitalw√§hrungen f√§llt verheerend aus. Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin fast 60 Prozent seines Werts eingeb√ľ√üt, Ether hat sogar mehr als 70 Prozent an Wert verloren. Der Sinkflug hat sich vor allem in den vergangenen Wochen beschleunigt, als Bitcoin & Co in den Abw√§rtssog einer allgemein schlechten Stimmung an den Finanzm√§rkten geraten sind. Trotz der zuletzt massiven Verluste konnte der Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Wert zulegen.

Zinswende als Kryptowende

Die Gr√ľnde f√ľr die hohen Kursverluste in den vergangenen Monaten sind zum einen √∂konomischer Natur: Auf der ganzen Welt heben viele Notenbanken ihre Leitzinsen an, um der hohen Inflation Herr zu werden. An den Kapitalm√§rkten steigen deshalb die Zinsen in historisch hohem Tempo. Riskante Anlagen, zu denen Kryptowerte geh√∂ren, werden durch die Entwicklung belastet, weil sie keine laufenden Ertr√§ge abwerfen. Im Gegensatz dazu werden etwa festverzinsliche Wertpapiere wieder lukrativer.

Hausgemachte Probleme

In diesem ohnehin ung√ľnstigen Umfeld wiegen sich h√§ufende Probleme im Sektor besonders schwer. So lastet seit einiger Zeit auf der Stimmung, dass der Krypto-Kreditgeber Celsius Network Auszahlungen und √úberweisungen pausiert hat. Auch gibt es Berichte, dass einige auf Kryptoanlagen setzende Hedgefonds zunehmend unter dem Kursverfall leiden. Vor einigen Woche hatte bereits ein Kurseinbruch bei einer eigentlich als stabil konstruierten Internetdevise, dem sogenannten Stablecoin TerraUSD, f√ľr gro√ües Aufsehen gesorgt.

Technische Gr√ľnde

Krypto-Experte Timo Emden von Emden-Research nannte dar√ľber hinaus handelstechnische Gr√ľnde f√ľr den erneuten Kurseinbruch. "Das vergleichsweise geringe Handelsvolumen √ľber das Wochenende k√∂nnte die Talfahrt angesto√üen haben", hei√üt es in einem Kommentar. "Wird eine gr√∂√üere Menge auf den Markt geworfen, kann dies einen Dominoeffekt ausl√∂sen und weitere Verk√§ufe ausl√∂sen. Explosive Preisbewegungen sind dann schnell m√∂glich."

Der Bitcoin und andere Digitalwährungen sind traditionell starken Schwankungen ausgesetzt, in den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere sogenannte "Krypto-Winter", etwa 2014 und 2018, in denen die Kurse stark einbrachen, bevor es später wieder aufwärts ging. Diesmal zeichnet sich allerdings noch ein schwierigeres wirtschaftliches Umfeld als damals ab.

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