Wirtschaft 07.03.2018

Nach Flugausfällen: Bei der AUA brodelt die Gerüchteküche

Die Pünktlichkeit bei der AUA hat sich leicht verschlechtert © Bild: APA/ROBERT JÄGER

Die Personalvertreter sagten Betriebsversammlung wegen rechtlicher Bedenken ab.

140 Flüge musste die AUA streichen und 10.000 Ticketinhaber auf andere Fluglinien umbuchen. Denn: Am späten Dienstnachmittag und am Mittwochvormittag wollte der Betriebsrat für die 3900 Beschäftigen im AUA-Bordbereich Betriebsversammlungen abhalten. Dort sollten sie ihrem Ärger über das ungenügende Angebot der AUA-Führung im Zuge der Kollektivvertragsverhandlungen Luft machen.

Doch es kam anders. Die Versammlungen wurden Dienstagfrüh abgesagt; mit der Begründung, dass AUA-Kapitän Rainer Stratberger, der Betriebsratsvorsitzende des Bordpersonals, von einer heftigen Grippe flachgelegt wurde. Und seine Stellvertreterin soll schon länger krank sein.

Am Montagabend waren sich die übrigen Belegschaftsvertreter und Vida-Gewerkschafter nicht sicher, ob sie die Mitarbeiter-Veranstaltungen ohne rechtliche Nachwirkungen überhaupt durchführen können. Sie holten noch Rat ein. Der Rechtsberater kam zum Schluss, dass ohne Teilnahme des Betriebsratschefs oder seiner Stellvertreterin keine rechtlich unanfechtbare Betriebsversammlung abgehalten werden kann. Man zog die Reißleine und sagte kurzfristig ab. "Damit schützt man die Mitarbeiter vor dem Vorwurf, dass sie unentschuldigt vom Dienst fernbleiben", sagt ein Insider.

"Völliger Blödsinn"

Doch die Gerüchteküche brodelte weiter. So zogen Beobachter die Schwere der Erkrankung des Personalvertreters – in Form von Ferndiagnosen – einfach in Zweifel. Andere vermuteten, dass die Uneinigkeit der Belegschaftsvertreter und der Gewerkschaft die Ursache für das Platzen der Betriebsversammlung sei. "Völliger Blödsinn", sagt ein Gewerkschafter. Fakt ist, dass die Belegschaft mit dem Angebot der AUA, nur die Inflation (2,1 Prozent) abzugelten plus einer Einmalzahlung, völlig unzufrieden sind.

Sie befürchtet nämlich im Gegenzug weitere Belastungen zum Beispiel bei der Arbeitszeit, die diese Vergütungen egalisieren. Auch der Jobabbau (80 Mitarbeiter) im Technikbereich der Tyrolean wird von der Gewerkschaft als schweres Foul angesehen. Sie war im Vorfeld darüber nicht informiert worden. Bei der AUA hat man kein Verständnis für die stornierte Betriebsversammlung.

"Wir sind über diese Vorgangsweise verwundert", sagt AUA-Sprecher Peter Thier. "Die Auswirkungen sind irreversibel. Wir können das ursprüngliche Flugprogramm nicht kurzfristig wieder installieren."

Erboste Kunden

Einige Kunden reagierten ob der gestrichenen Flüge erbost. "Und wieder einmal wird bei der AUA gestreikt. Haben Sie schon mal daran gedacht, dass Zuverlässigkeit gerade für Vielflieger ein entscheidender Faktor ist", postete eine Reisende auf Facebook. Andere beschwerten sich, dass die Hotline überlastet ist und sie sich selbst um Umbuchungen kümmern mussten. Die Passagiere waren bereits Sonntag und Montag über die Ausfälle informiert worden. Beim KURIER-Lokalaugenschein Dienstagmittag lief am Flughafen Wien aber alles in geordneten Bahnen. Viele Menschen zeigten Verständnis für den Streik – diese waren aber auch nicht persönlich betroffen.

"Die Mitarbeiter haben ein Recht, sich auszutauschen", meint Sven Napieraka aus Deutschland. Die ehemalige Lauda-Air-Mitarbeiterin Ursula Wejrowsky kennt Betriebsversammlungen aus ihrer Dienstzeit, kennt aber auch deren Auswirkungen: "Wenn das fliegende Personal streikt, fressen die am Boden die Krot. Ich möchte nicht am Telefon arbeiten. Die werden geprügelt wie nur was."

( kurier.at ) Erstellt am 07.03.2018