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Wirtschaft
01/13/2019

Brisanter Betrugsprozess gegen dubiose Vermögensberater

Mehr als 3000 Sparer haben ihr Geld in Wertpapiere der Globe Invest und ihrer Tochterfirmen gesteckt.

„Wenn es mir gelingt, unsere Unternehmen und Mitarbeiterteams so erfolgreich zu machen, dass ich im Alter von 40 Jahren finanziell unabhängig bin und das Leben genießen kann, sehe ich das als Erfolg. Das ist auch mein Fünf-Jahres-Ziel, und ich bin auf einem guten Weg“, sagte der oberösterreichische Finanzzampano Bernhard Wolschlager dem Marketing-Portal Club Carriere im Jahr 2006. Vom Wirtschaftsblatt wurde die „Produktschmiede für alternative Investments“ sogar zwei Mal mit einem Award ausgezeichnet.

 

Rund zwei Jahre später schlitterte seine schillernde Anlagefirma Globe Invest AG mit seinem „Genussscheinmodell“ und dubiosen Immobilienanleihen mit Bomben und Granaten in die Pleite. Mehr als 3000 gutgläubige Anleger sollen um rund 29,3 Millionen Euro geschädigt worden sein. Das ist lange her.

Warum die Ermittlungen aber rekordverdächtige fast zehn Jahre dauerten, ist nicht bekannt.

Morgen, Dienstag, müssen sich Wolschlager und fünf Mitangeklagte am Landesgericht Wien verantworten. Die Anklage wirft ihnen gewerbsmäßigen Betrug, Untreue und betrügerische Krida vor. Strafdrohung: bis zu zehn Jahr Haft. Sie sollen ein „betrügerisches Schneeballsystem“ betrieben haben. Die mittels Genussscheinen lukrierten Anlegergelder sollten eigentlich durch gewiefte Veranlagungen gut verzinst werden. Mit den Geldern aus den Immo-Anleihen sollen profitable Grundstücke angeschafft werden.

Für das Trading gründeten sie sogar eine Firma GATF in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Trader, auch ein Österreicher, ist mitangeklagt. Doch auch er dürfte ein Dilettant gewesen sein. Allein 2006 soll er 6,5 Millionen Euro Trading-Verlust eingefahren haben, bei 6,1 Millionen Euro Trading-Kosten.

Zugleich soll GATF überhöhte Brokergebühren an eine Bank gezahlt haben. Von dieser soll „ein Teil als Rabatte“ (sechs Millionen Euro) einer Gesellschaft um Wolschlager zugeflossen sein.

Laut Gutachter Martin Geyer soll Globe Invest schon Ende 2006 zahlungsunfähig gewesen sein. Aber es wurde weitergemacht – nach der Methode: Loch auf, Loch zu. So soll die Buchhaltung „künstlich aufgebessert“ worden sein, mit Erträgen in Millionenhöhe, die es so nicht gab. Oder anders gesagt: Angebliche Einnahmen wurden doppelte gebucht.

Vorwürfe bestritten

„Die Vorwürfe werden bestritten“, kontern die Verteidiger Mario Schmieder und Ernst Schillhammer. Sie vertreten das frühere Führungsduo. Aufgrund der heftigen Anklagevorwürfe dürfte der Prozessauftakt am Dienstag spannend werden. Es wird mit klaren Eingangsstatements der Angeklagten gerechnet.