Zweite Pleite führt zur Unternehmensschließung

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Insolvenz
01/27/2017

Millionenpleite eines Eisen-Großhändlers

Das Unternehmen hat rund 4,31 Millionen Euro Schulden, 70 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen.

von Kid Möchel

Die Firma Eisenhof Liezen GmbH mit Sitz in Liezen hat am Landesgericht Leoben einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung gestellt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform, AKV und KSV1870. 70 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

Sie wurden beim Führwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet. Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Es soll aber zur Schließung von einzelnen Teil-Bereichen kommen, dadurch sollen laut Insolvenzantrag 52 Arbeitsplätze betroffen sein. Den Gläubigern sollen 30 Prozent Quote innerhalb von zwei Jahren geboten werden.

Der Hintergrund

Das Unternehmen beschäftigte sich mit dem Großhandel von Eisenwaren (Stahl, Beschläge, Werkzeug, Befestigungstechnik, Türen, Sanitär, Küche) für das Baugewerbe und zählt laut eigenen Angaben zu den bedeutenden mittelständische Betrieb im Bezirk Liezen. Zu den Hauptlieferanten zählen Hagebau und EDE.

„Das Unternehmen zeichnet sich durch die hohe Lagerkapazität, die prompte Auslieferung der Waren mit dem eigenen Fuhrpark und qualifizierten Innen-und Außendienst-Mitarbeitern aus“, heißt es im Antrag aus der Feder der renommierten Wiener Anwaltskanzlei Abel & Abel. Die Insolvenzursachen liegen laut Creditreform in der allgemeinen negativen Entwicklung in der Baubranche. Im Baustoffhandel herrscht ein höherer Wettbewerb und Preisdruck. So ist der Umsatz im Jahr 2015 um 6,5 Prozent geschrumpft, im vergangenen Jahr dann sogar um 8,2 Prozent. Der Bilanzverlsut 2015 betrug 182.000 Euro, im Jahr 2016 dann schon 270.000 Euro.

Reorganisation erforderlich

„Im Jahr 2016 hat sich der Umsatz innerhalb der Sortimentsbereiche verschoben und es ist nicht gelungen, die Ergebnisse der Vorjahre trotz Kostenminderung einzuhalten“, heißt es weiter. „Der Verlust des Eigenkapitals im Geschäftsjahr 2016 sowie die Markt- und Geschäftsentwicklungen in den vergangenen Jahren erfordern jedoch eine Reorganisation des Unternehmens, die nur mit Durchführung eines Sanierungsplanverfahrens bewerkstelligt werden kann.“

Die Schulden

Die Passiva werden mit 4,31 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 2,75 Millionen Euro auf die Hausbank, 1,04 Millionen Euro auf Forderungen von Mitarbeitern aufgrund der Teilbetriebsschließung, weitere 200.000 Euro entfallen auf offene Löhne und je 100.000 Euro auf Lieferanten und Finanz.

Das Vermögen

Die Aktiva werden mit 3,595 Millionen Euro beziffert, davon entfallen zwei Millionen Euro auf Liegenschaften, 475.000 Euro auf ein Wertpapierdepot, 470.000 Euro auf offene Forderungen gegenüber Kunden, 400.000 auf das Lager, 150.000 Euro auf die Betriebsausstattung, 50.000 Euro auf eine Bankguthaben und 40.000 Euro auf Geschäftsanteile; weitere 10.000 Euro liegen in der Kasse. Fakt ist aber, die Liegenschaften, das Wertpapierdepot und die offenen Forderungen sind als Sicherheit an die Hausbank verpfändet.

Die Zukunft

Die Hausbank soll bei der Sanierung behilflich sein. So sollen dem Unternehmen Zahlungseingänge zur freien Verfügung stehen, damit der Fortbetrieb gesichert ist. Zugleich soll auch ein allfälliger Überbrückungskredit in Aussicht gestellt worden sein. Außerdem verfügt das Unternehmen über ein Habenkonto in Höhe von 85.000 Euro. "Die Liquidität ist somit sichergestellt", heißt es im Antrag. Auch sollen Liegenschaften, die für die Betriebsfortführung nicht notwendig sind, verkauft werden.

Die Schließungen

Indes soll der Einzelhandel in der Selzthaler Straße nicht mehr fortgeführt werden. Außerdem werden Fuhrpark und Expetit nach der Betriebsschließung extern an einen Lieferservice vergeben. Die Verwaltung wird vom Innendienst übernommen. Zugleich werden die Werbetätigkeiten eingestellt.

"Mit der Durchführung der Teilbetriebsschließungen und den begleitenden finanziellen Maßnahmen wird die Umstellung des Unternahmens auf einen Saisonbetrieb mit einer Konzentration der Umsatztätigkeit auf die acht umsatzstärksten Monate des Jahres, also von Ostern bis Wiehnachten, sichergestellt", heißt es weiter.