Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Millionenpleite eines bekannten Schloss-Hotels samt Restaurant

Die finanzierende Bank verlor das Vertrauen und stellte die Kredite fällig – ein Todesstoß für den angeschlagenen Betrieb.
C.Stadler/Bwag

Nach über zwei Jahrzehnten ist Schluss: Die Schloss Mühldorf HOTEL GmbH & Co KG mit Sitz in Feldkirchen an der Donau hat Insolvenz angemeldet. Ein ambitioniertes Konzept, die Corona-Krise und widrige wirtschaftliche Rahmenbedingungen besiegelten das Schicksal des 4-Sterne-Hauses in Oberösterreich.

Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden sollen. Stattdessen endet der Traum vom exklusiven Business-Resort in einem der historischsten Gemäuer Oberösterreichs in der Insolvenz. Am Mittwoch wurde laut Creditreform über das Vermögen der Schloss Mühldorf HOTEL GmbH & Co KG am Landesgericht Linz ein Konkursverfahren eröffnet – das vorläufige Ende eines Hotels, das über tausend Jahre Geschichte atmet.

Von der Wasserburg zum 4-Sterne-Hotel

Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins Jahr 1.000 zurück. Was einst als Wasserburg begann, wurde über Jahrhunderte hinweg zum herrschaftlichen Schloss. Seit mehr als zwanzig Jahren betrieb die Familie Würmer auf dem historischen Areal ein Hotel- und Konferenzzentrum mit Gastronomie. Das Schloss selbst blieb dabei im Privatbesitz von Mag. Johannes Würmer, während die Betreibergesellschaft Eigentümerin des sogenannten „Meierhofs" war – jener Nebengebäude, die zum Ensemble gehören.

Als Johannes Würmer 1999 den elterlichen Betrieb übernahm, hatte er große Pläne. Mit kontinuierlichen Investionen wurde das Haus völlig umgebaut, erweitert und auf 4-Sterne-Niveau gehoben. Die romantische Schlossanlage mit 35 individuell eingerichteten Zimmern, einem 27-Loch-Golfplatz und modernstem Komfort sollte Gäste aus aller Welt anziehen.

Die schleichende Krise

Doch schon in den Jahren vor der Pandemie begann sich abzuzeichnen, dass die Rechnung nicht aufging. Verluste häuften sich, die erhofften Wertsteigerungen der Liegenschaften konnten die roten Zahlen nicht mehr kompensieren. Dann kam Corona – und mit der Pandemie eine „besondere Herausforderung", wie es im Insolvenzantrag euphemistisch heißt.

2023 wagte Würmer einen Neustart. Das Konzept „Business Class Resort Schloss Mühldorf" sollte die Wende bringen: ausgerichtet auf internationale Firmenkunden, Business-Aufenthalte, temporäres Wohnen und langfristige Unternehmenskooperationen. Erneut wurde investiert, Apartments wurden errichtet, die Vision eines modernen Business-Resorts in historischem Ambiente nahm Gestalt an.

Wenn die Welt nicht mitspielt

Doch die Welt spielte nicht mit. Die Inflation galoppierte, Geschäftsreisen wurden drastisch reduziert, Unternehmen gingen reihenweise in die Insolvenz oder fuhren Sparprogramme. Die erhoffte Klientel blieb aus. „Aufgrund der weiteren negativen globalen und nationalen wirtschaftlichen Entwicklung" konnte der negative Trend nicht gestoppt werden, heißt es im Antrag nüchtern.

Die finanzierende Bank verlor das Vertrauen und stellte die Kredite fällig – ein Todesstoß für den angeschlagenen Betrieb. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Gesamtverbindlichkeiten von 6,66 Millionen Euro stehen einem Verkehrswert der Liegenschaften von 16,1 Millionen Euro gegenüber. Doch davon sind bereits 7,45 Millionen Euro durch Pfandrechte belastet – und die Liegenschaft haftet nicht nur für die Schulden der Betreibergesellschaft, sondern auch für persönliche Verbindlichkeiten Würmers.

Der verzweifelte Kampf ums Überleben

Würmer kämpfte bis zuletzt. In „voller und transparenter Einbindung" der Hauptgläubigerin suchte er nach Wegen, die Insolvenz abzuwenden. Projekte zur langfristigen Finanzierung wurden gestartet, strukturierte Verkaufsprozesse eingeleitet. Mit „mehreren ernsthaften und namhaften Interessenten" wurden Verhandlungen geführt. Doch eine Einigung kam nicht zustande.

„Mittlerweile ist die Belastbarkeitsgrenze erreicht", heißt es im Insolvenzantrag. Der Betrieb ist bereits eingestellt, der Fortführungswille erloschen. Mangels positiver Perspektiven sieht Würmer keinen Weg mehr nach vorne.

Keine Zukunft

Immerhin: Mitarbeiter müssen nicht um ihre Jobs bangen – die Gesellschaft beschäftigte keine Dienstnehmer mehr, es bestehen keine offenen Ansprüche. Ein schwacher Trost angesichts des Endes einer über zwanzigjährigen Unternehmensgeschichte.

Das Vermögen soll nun liquidiert werden. Neben den Liegenschaften gehören dazu auch „diverses Vermögen von unbekanntem Wert aus Antiquitäten und Büroeinrichtungen" – stumme Zeugen einer Zeit, als in den historischen Mauern noch Gäste empfangen wurden.

Was aus dem Schloss Mühldorf wird, ist ungewiss. Die tausendjährige Geschichte des Anwesens wird weitergehen – nur eben ohne Hotel. Für Johannes Würmer und seine Familie endet damit ein Kapitel, das mit so viel Hoffnung begann und nun in der Insolvenz endet.

Kommentare